Die Wasserkraft stellt die schädlichste Form der Querverbauung für das Ökosystem Fluss dar. Sie verhindert, ohne Aufstiegshilfen, die Aufwärtswanderung der Fische und tötet darüber hinaus auch noch einen Großteil der abwärts schwimmenden Fische in den Turbinen.

In einigen Flüssen sind derart viele Wasserkraftwerke errichtet worden, dass man im Grunde nicht mehr von einem Fließgewässer sprechen kann. Durch die zahlreiche Aufstauung verlangsamt sich der Fluss derart, dass keine Nährstoffe mehr zum Meer hin abtransportiert werden. Eingetragenes Laub, eingespülte Sedimente und Schwebstoffe sowie abgestorbene Materialien sammeln sich am Grund des Gewässers und beginnen hier unter Abgabe äußerst Klimaschädlicher Gase (Methan) zu verfaulen, anstatt ins offene Meer abtransportiert und/oder zu Nährstoffen umgewandelt zu werden. Insbesondere Talsperren, die zur Wasserkraftgewinnung errichtet wurden, werden mit ihren großen Stauseen in zunehmenden Maße kritisch auf ihre Umweltfreundlichkeit hin zu überprüfen sein. Veröffentlichte Untersuchungen haben offenbar ergeben, dass im Vergleich zu einem Kohlekraftwerk pro Staudamm ein bis zu 20-fach höherer Ausstoß des Klimakillers Ozon verursacht wird. Oder andersrum ausgedrückt, ein großer Stausee verursacht demnach soviel klimaschädliche Gase wie bis zu 20 Kohlekraftwerke zusammen.
Ein besonders negatives Beispiel zerstörter Flusslandschaft ist der Main mit seinen 36 Staustufen.
Überall dort wo keine Aufstiegshilfen mit entsprechender Lockströmung vorhanden sind, steigen keine Aale und Wanderfische in die nächst höhere Staustufe auf und sterben dort, sowie in allen darüber liegenden Flussabschnitten aus. Leider wurde in der Vergangenheit in verantwortungsloser Weise versucht, dies durch Besatzmaßnahmen mit Aalen zu kaschieren. Aalbesatz in solche Gewässer gilt jedoch als äußerst Bestandsschädigend. Denn ähnlich sieht es auch bei der Abwanderung von Fischen aus diesen Staustufen aus. Hier führt zumeist nur ein Weg zurück ins Meer. Der Weg mitten durch die vielen Turbinen.
Je größer bzw. länger ein Fisch ist, je wahrscheinlicher wird er bei dieser Passage schwer verletzt bzw. getötet. Abwandernde Aale, insbesondere die zur Reproduktion zwingend erforderlichen Weibchen, haben eine Länge bis zu 150 cm. Solche für die Arterhaltung äußerst wertvollen Exemplare werden, wie in verschiedenen Untersuchungen von Universitäten, Wissenschaftlern und Forschern vor Ort nachgewiesen, fast ausnahmslos (90 – 100%) von solchen Wasserkraftturbinen zerhakt. Selbst für viel kleinere Rogner und die Milchner liegt die Mortalitätsrate (Sterblichkeit) je Wasserkraftwerk bei ca. 20-30 %. Es wird sich jeder vorstellen können, was noch an Aalen nach einer Vielzahl solcher Passagen im Meer ankommt.
Behauptungen, dass die toten und verletzten Fische angeblich von Kraftwerksmitarbeitern hinter den Turbinen mittels Rechen aus dem Gewässer gefischt und mit Containern in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt werden, um die Öffentlichkeit vom Anblick dieser Schäden auszuschließen und Proteste zu vermeiden konnten bisher nicht bewiesen werden. Immerhin ist es in der Vergangenheit gelungen, einige solcher Fische nach der Turbinenpassage zu fotografieren und von wissenschaftlicher Seite zu Untersuchen. Entsprechende Bilder und Berichte sind zum Teil mehrfach auf einschlägigen Internetseiten publiziert worden, werden aber immer wieder von außenstehenden angezweifelt.
Auf Grund einer essentiell gleichgültigeren Einstellung und Sensibilität hinsichtlich des Umgangs mit der Natur lässt sich jedoch in anderen Ländern, wie die an dieser Stelle veröffentlichten Bilder beweisen, die Wirkung der Wasserkraftturbinen auf abwandernde Aale auch heute noch in aller Öffentlichkeit besichtigen.
Während Natur- und Umweltschutzorganisationen wie BUND, NABU und WWF grundsätzlich gegen einen weiteren Bau von Wasserkraftwerken zu sein scheinen und allenfalls Modernisierungen an bisherigen Standorten zur Verbesserung des Ökosystems befürworten wollen, ist Greenpeace offenbar für eine Förderung des weiteren Ausbaus der Wasserkraft empfänglich. Dies mag auch daran liegen, dass die Organisation selbst in diesem Energiegeschäft mitmischt.
Mögliche Maßnahmen:
- Bauverbot für Wasserkraftwerke ohne nachgewiesenen nennenswerten Nutzen für die Allgemeinheit (Kleinkraftwerke) und Schaden für das Ökosystem Gewässer
- Bauverbot für Wasserkraftwerke ohne nachweisbar funktionierende Fischauf- und abstiegshilfen
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