Eine tiergerechte Versorgung eines geangelten Aals
In verschiedenen Medien erscheinen immer wieder Berichte, die sich mit angeblicher Tierquälerei beim Angeln beschäftigen. Zudem tauchen gelegentlich Diskussionen darüber auf, wie gefangene Aale korrekt zu behandeln sind, um ihnen unnötiges Leid zu ersparen.
Bedauerlicherweise kursieren insbesondere in diversen Internetforen zu diesem Thema haarsträubende Vorschläge und Methoden aus dem Mittelalter oder der industriellen Aalschlachtung rückständiger Staaten. Obwohl eine vernünftige Antwort zur korrekten Vorgehensweise nicht schwer sein dürfte, passieren insbesondere bei jüngeren Anglern viele unnötige Fehler. Solche Vergehen, die nichts mit der finanziellen oder materiellen Ausstattung zu tun haben, könnten oftmals vermieden werden.

Das Wichtigste ist wohl, trotz aller Freude und Aufregung über einen gelungenen Fang, ein gewisses Maß an Ruhe zu bewahren. Dass dies gerade Anfängern schwerfallen dürfte, ist verständlich und nachvollziehbar. Aber auch so manch alter Hase kann in Aufregung geraten, wenn sich nach stunden- oder gar tagelangem Ansitz endlich der helle, sich wild windende, schlanke Bauch eines großen Aals im Lichtkegel der Kopflampe zeigt.
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Die richtige Landung eines Aals
Aale werden an und für sich nicht gedrillt. Gibt man einem gehakten Aal Schnur, nutzt er jede Gelegenheit, um sich am Grund festzusetzen. Einen festgesetzten Aal bekommt man nur mit viel Glück und Erfahrung wieder los – meist ist er jedoch verloren. Das gesamte Gerät sollte immer stabil genug sein, um auch einen unerwartet schweren Fisch sicher landen zu können.
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- Schnurfassung mm/m: 0,20/240, 0,25/160, 0,30/110
- Schnurfassung lb/yds: 6/200, 8/140, 10/120
- Schnureinzug: 68 centimeter
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Aale sollten möglichst nicht mit dem Kescher gelandet werden. Ein zur Ausrüstung vorgeschriebener Kescher ist beim gezielten Aalfang nur selten sinnvoll. Anders ausgedrückt: Nur weil man ihn gesetzlich dabeihaben muss, muss man ihn nicht immer benutzen. Häufiger wird er eher bei Beifängen benötigt.
Wenn du deiner Methode, Montage und Ausrüstung zu 100 % vertraust, kannst du einen Aal aus dem Wasser heben. Bist du weniger optimal auf kapitale Aale vorbereitet, versuche zumindest, einen Aal auch zu „stranden“.
Deshalb sind auch Angelplätze zu bevorzugen, an denen es in diesem Fall auch möglich ist. Ist das nicht durchführbar oder handelt es sich um einen eher kleineren Aal, sollte ohnehin der Aal aus dem Wasser gehoben werden. Voraussetzung dafür sind gute Kenntnisse des verwendeten Geräts (Tragkraft von Rute, Schnur, Vorfach usw.), die Gewässerstruktur und etwas Erfahrung.
Bei stark bewachsenen oder steil abfallenden Ufern – oder wenn es ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist – kann/soll/muss ein Aal natürlich auch mit dem Kescher gelandet werden. Gleiches gilt natürlich, wenn methodenbedingt immer mit besonders kapitalen Beifängen zu rechnen ist.
Über möglichen Schleimverlust beim Anlanden muss man sich meist keine großen Gedanken machen, solange Aale entnommen werden müssen und (noch) kein Entnahmefenster gilt. Allerdings sammelt sich im Kescher viel Schleim, dessen Reinigung später schwieriger sein kann. Daher sollten möglichst auch feinmaschige und großräumige Kescher verwendet werden. Bei grobmaschigen Modellen besteht die Gefahr, dass sich der Aal innerhalb kürzester Zeit stark im Netz verdreht und viele Knoten einbaut. Dann lässt er sich oft nur noch mit Gewalt befreien, was kaum noch als schonender Umgang gelten kann. Aus dem gleichen Grund sollte ein gefangener Aal nach dem Landen auch möglichst nicht in hohes Gras gelegt werden.
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Das Messen eines gefangenen Aals
Zum Ablegen eines gefangenen Aals kann man zwar im Handel erhältliche Matten verwenden, diese sollten aber unbedingt leicht abwaschbar sein. Wer auf Aale angelt, möchte diese grundsätzlich auch mitnehmen, um sie zu verwerten. Da dies aber nur bei maßigen Fischen erlaubt bzw. sogar gesetzlich geboten ist, muss schnellstmöglich beurteilt werden, ob der Fisch mitgenommen werden darf und soll. Wer jetzt anfängt, nach einem schlotterigen Maßband zu kramen, verliert zu viel Zeit. Deshalb macht es Sinn, zunächst einen stabilen Vergleichsmaßstab, der schnell verfügbar sein sollte, anzuhalten.
Ich nutzte früher immer den Deckel meines Angelkoffers:
Zur Entscheidung „zurücksetzen oder nicht“ reicht diese grobe Information „über oder unter Brittelmaß“ aus. Die genaue Länge muss schließlich nur bei mitgenommenen Fischen ins Fangbuch eingetragen werden und kann demzufolge auch nach dem Töten des Aals, also wenn er nichts mehr spürt und genügend Zeit und Ruhe vorhanden ist, bestimmt werden.
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Haken lösen bei untermaßigen Aalen
Ist die grob ermittelte Länge eher unter dem geltenden Schonmaß und der Fisch weit vorne im Maul gehakt, lässt sich der Haken meist durch eine kurze Bewegung aus dem Handgelenk entfernen und der Aal auf diese Weise sehr schnell schonend zurücksetzen. Bei tiefer sitzenden Haken, welche jedoch noch exakt lokalisiert werden können, weil sie beispielsweise noch im sichtbaren Bereich des Aalmauls stecken, können/sollten verschiedene im Handel erhältliche Lösehilfen (Hakenlöser) verwendet werden.
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Es empfiehlt sich, stets eine Auswahl unterschiedlicher Modelle im Zubehör zu haben. Jegliches ziellose Herumstochern ist aber unbedingt zu vermeiden. Ist eine Lokalisierung nicht möglich bzw. der Haken zu tief geschluckt, ist das Vorfach kurz vor dem Maul abzuschneiden und der Fisch sofort zurückzusetzen. Auf keinen Fall dürfen diese Fische getötet werden, nur weil man den Haken nicht opfern will.
Anschließend sollte eine passendere Hakengröße gewählt werden. Beim Abhaken bzw. Abschneiden des Vorfachs ist eine der o.g. Unterlagen u.U. hilfreich und verkürzt den Ringkampf mit den quirligen Schnürsenkeln. Notfalls kann der Aal dort kurz eingewickelt werden, wobei der Kopf bzw. das Maul zum Entfernen des Hakens an einem Ende leicht herausschauen sollte.
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Sobald der Aal auf dem Rücken liegt, bekommt er scheinbar Atmungsprobleme und hört auf, sich gegen die Befreiung vom Haken zu wehren. In der richtigen Position macht der Aal sonderbare Atemgeräusche und bewegt die Kiemen wie ein Blasebalg. Jetzt kann der Haken schonend entfernt werden und das Tier durch einfaches Ausrollen zurückgesetzt werden.

Im Vergleich zu alten Methoden mit Sand oder Handtuch verliert der Aal bei dieser Methode deutlich weniger Schleim. Die Haut wird weniger verletzt und ist dadurch kaum anfällig für Pilzinfektionen.
Auch Hände und Kleidung bleiben weitgehend verschont.
Mit zunehmender Erfahrung erkennt man untermaßige Aale oft auch ohne jegliche Hilfsmittel. Solche Fänge werden dann einfach im vorderen Drittel mit der rechten Hand gegriffen, in Rückenlage gebracht und mit der linken Hand im hinteren Drittel (am Beginn des Flossensaums) mäßiger Druck auf die Flanken ausgeübt (Caudalherz).
Diese Methode beruhigt den Aal spürbar und ermöglicht ein stressfreies Abhaken oder Abschneiden des Vorfachs in kurzer Zeit.
Der Aal ist ein Überlebenskünstler – selbst mit einem abgeschnittenen Vorfach hat er gute Überlebenschancen, da handelsübliche Aalhaken (zumindest faire Modelle) im Körper relativ rasch zersetzt werden.
Kleine Aalhaken mit rostfreien Speziallegierungen sind zu meiden – ihre Anbieter handeln verantwortungslos, wenn sie nicht deutlich auf die Risiken bei versehentlichem Fang von Kleinaalen hinweisen.
Durch konsequente Wahl größerer Haken kann das Risiko untermaßiger Fänge deutlich gesenkt werden.
Leider tritt der Haken bei kleinen Aalen manchmal nahe dem Auge wieder aus. In diesem Fall hilft nur, den Widerhaken mit einem Seitenschneider oder einer Zange abzuknipsen bzw. zusammenzudrücken und den Hakenbogen vorsichtig zu entfernen.
In seltenen Fällen kann der Haken lebenswichtige Organe verletzen. Stark blutende oder offensichtlich schwer verletzte untermaßige Aale sind sofort zu töten – sie dürfen jedoch in keinem Fall verwertet werden (auch nicht als Köder).
Bereits tot angelandete untermaßige Aale sind vermutlich an Stress verendet, eventuell ausgelöst durch hormonelle Überreaktionen oder hohe Wassertemperaturen. Auch solche Tiere sollten aus ästhetischen Gründen entsorgt werden (z. B. vergraben oder zerkleinert ins Gewässer zurückgeben).
Das Töten eines maßigen Aals
Das Töten eines maßigen Aals ist im Vergleich zum schonenden Umgang mit untermaßigen Fischen unkompliziert.
Der häufigste und weitverbreitete Fehler ist allerdings der Versuch, den Haken zu lösen, bevor der Aal getötet wurde. Also erst töten und erst anschließend den Haken entfernen.
Ansonsten wird dem Tier womöglich unnötiger Schmerz zugefügt – das ist klar als Tierquälerei zu bewerten.
Trotz jahrelanger Regelungen zum töten eines Aals ist ein weiterer Fehler einfach nicht auszumerzen. Aale dürfen nicht vor dem Töten betäubt werden – dafür fehlen dem Angler die geeigneten Mittel und wären ohnehin unpraktikabel.
Aufgrund der Schwierigkeit einen Aal zu bändigen ist ein Betäuben unangebracht und i.d.R. auch nicht vorgeschrieben! Dies ist aber für gewerbliche Fischerei und auch für Angler, die mehr als 30 Aale an einem Tag gefangen haben, gesetzlich vorgeschrieben. Wie dies bei Aalanglern funktionieren soll ist mir ein Rätsel. Wie lange soll man mit dem töten oder betäuben warten? – theoretisch könnten ja 30 Aale an einem Tag gefangen werden? Wenn ich 29 Aale in 24 Stunden rechtskonform gefangen und getötet habe – werden mit dem 30. Aal alle vorher getöteten 29 Aale rechtlich relevant bzw. ohne Betäubung der getötete Aale dann rückwirkend strafbar?
Ein maßiger Aal wird korrekt getötet, indem man einen Herzstich ausführt und dabei gleichzeitig die Wirbelsäule im Bereich zwischen den Brustflossen durchtrennt. Das Herz befindet sich am Ende der Kiemenöffnungen. Für Aalangler empfiehlt sich ggf. eine noch erhältliche Aalzange oder ein spezieller Aaltöter.
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Mit diesen Geräten kann Herzstich und Rückenmarkdurchtrennung in einem Bruchteil einer Sekunde erfolgen. Eine sinnvolle Vorschrift zur Anwendung des Dorns von Oben und von der Bauchseite ist mir nicht bekannt. Der Ansatz von Oben ist vermutlich einer unüberlegten Gewohnheit geschuldet. Es gibt zumindest mehre Gründe es von der Bauchseite durchzuführen.
Andere Methoden, einen mit der Angel überlisteten Aal zu töten, sind nicht fischgerecht und in der Regel auch strafbar.
Erst jetzt wird der Haken entfernt – sofern dies nicht bereits beim Ausnehmen geschehen ist.
Eine offensichtlich noch erforderliche Ergänzung:Die im Web bis heute noch verbreitete Methode und das früher erlaubte ersticken – „Aale totlaufen lassen“ in Sand, trockenem Salz oder Ammoniak sind streng verboten und sind Tierquälerei. Dies gilt in der Regel auch für das Betäuben und Entschleimen mit Salmiakgeist. Weiterhin gibt es über die Jahre hinweg unzählige martialische Aussagen über das Betäuben eines gefangenen Aals. Vom mehrfaches schmeißen auf den Boden bis zum Traktieren des zappelten Tieres mit irgendwelchen Knüppeln, Werkzeugen und sonstigen Gegenständen. Ein Hämmern auf den hinteren Körperteil (caudales Herz) ist hin und wieder in Gruppen/Foren noch zu lesen. Eine Beobachtung derartiger Frevel sollte dokumentiert und immer, ohne Ausnahme, zur Anzeige gebracht werden.
Fazit
Einen Aal zu töten sollte niemals leichtfallen – sondern stets mit echtem, bewusstem Respekt gegenüber dem Fang erfolgen! Wer weiß schon, welche lange und gefährliche Reise dieser Aal hinter sich hat? Vorbei an Glasaalfängern, auslaufenden Säuretankern, gierigen Kormorankolonien, Welsen, Hechten, häckselnden Wasserkraftturbinen, scheinbar unüberwindlichen Querverbauungen, eingeschleppten Krankheiten, massiver Gewässerverschmutzung, kommerziellen Fischereibooten – und hunderten Netzen und Haken… Aufgetaucht aus 4000 m unerforschter Tiefe. 25 Jahre und über 6000 Kilometer Reise durch die Gewässer dieser Welt. Aufgestiegen bis in die kleinsten Gräben.
Nun am Ende seiner Reise… aber nicht am Ziel. (Ziel seiner Reise war seine Geburtsstätte – die Sargassosee.)
Deshalb sollte jeder Aalfreund dem gefangenen Tier Respekt entgegenbringen und bei jedem Fang aufs Neue verantwortungsvoll und bewusst entscheiden, ob diese Reise für das Tier zu Ende sein soll – oder weitergeht. Insbesondere bei großen weiblichen Blankaalen. Nur diese Rogner sorgen für Nachwuchs und den Erhalt des europäischen Aals! Das Töten dieser Tiere darf niemals zur mechanischen Routine eines industriellen Bolzenschussgeräts verkommen…
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