Mit diesem Artikel schließt sich der Zyklus der Aale – vom Laich bis zur Fortpflanzung und die Geburt einer neuen Generation in der Sargassosee. Viele naturbewusste Besucher dieser Seite stellen sich die Frage: Wie vermehren sich die Aale?
Von antiken Rätseln ihrer Herkunft bis zu modernen Erkenntnissen der Forschung

Kaum ein Fisch hat die Neugier der Menschen so dauerhaft geweckt wie der Aal. Seit Jahrhunderten beschäftigt seine geheimnisvolle Fortpflanzung Forscher, Philosophen und Fischer gleichermaßen. Trotz moderner Technik und globaler Forschungskooperationen ist der Lebenszyklus dieses Tieres noch immer von einem Hauch des Unerklärlichen umgeben. Doch Schritt für Schritt, mit Geduld und einer Prise Demut, gelingt es der Wissenschaft, die Geheimnisse der Aale zu entschlüsseln.
Die Forschung über die Vermehrung der Aale ist eine Geschichte voller Irrtümer, Rückschläge und erstaunlicher Durchbrüche – von Aristoteles bis zu den modernen Labors in Japan, Amerika, Holland, Deutschland und Neuseeland.
Um eine große Frage – Kann der Aal (Anguilla) irgendwann aussterben? im Vorfeld zu beantworten: NEIN, es kann schon lange nicht mehr passieren.
Kaum ein anderer Fisch hat die Wissenschaft so lange beschäftigt wie der Aal. Schon Aristoteles versuchte vor über 2.000 Jahren herauszufinden, wie sich Aale vermehren – und scheiterte. Er konnte keine Geschlechtsorgane finden und vermutete daher, Aale entstünden spontan aus Schlamm und Tau. Diese Theorie hielt sich erstaunlich lange, weil selbst Jahrhunderte später kaum jemand einen geschlechtsreifen Aal zu Gesicht bekam.
Erst in der frühen Neuzeit, als Mikroskope und anatomische Untersuchungen sich verbesserten, kam Bewegung in das Rätsel. Doch auch Forscher wie Jan Swammerdam im 17. Jahrhundert oder Carlo Mondini im 18. Jahrhundert fanden keine eindeutigen Hinweise auf Fortpflanzungsorgane. Der Aal blieb ein Mysterium der Natur – ein Fisch, der wächst, altert und verschwindet, ohne jemals zu laichen.
Im 19. Jahrhundert widmete sich sogar Sigmund Freud, noch bevor er sich der Psychoanalyse zuwandte, der Suche nach den Geschlechtsorganen der Aale. In seiner Zeit als Zoologiestudent in Triest sezierte er Hunderte Exemplare – vergeblich. Er fand nichts und bezeichnete den Aal schließlich als „biologisches Rätsel“.
Erst mit dem Aufkommen moderner Meeresforschung im späten 19. Jahrhundert begannen sich die Puzzleteile zu fügen. Der italienische Forscher Giovanni Battista Grassi und später der Däne Johannes Schmidt machten entscheidende Entdeckungen: Schmidt identifizierte 1922 die Sargassosee als wahrscheinliches Laichgebiet des Europäischen Aals. Damit endete eine über zwei Jahrtausende dauernde Suche – und gleichzeitig begann die moderne Aalforschung, die bis heute von Rätseln, Rückschlägen und kleinen Durchbrüchen geprägt ist.
Geschichte der Aale in der Sargassosee
Die Sargassosee ist kein uraltes Binnenmeer, sondern ein vergleichsweise junges Gebilde der Erdgeschichte. Sie entstand erst, als sich der Atlantik im Zuge des Zerfalls des Superkontinents Pangäa öffnete und sich große Meeresströmungen dauerhaft etablierten. Seitdem wird dieses Gebiet im westlichen Atlantik weniger durch Küsten begrenzt als vielmehr durch verschiedene Strömungen zusammengehalten – ein Meer ohne feste Ufer.
Irgendwo in dieser abgeschiedenen Region, fernab jeder Küste, liegt damit einer der rätselhaftesten Orte der Meeresbiologie. Die Sargassosee fällt weniger durch Tiefe oder Sturm auf, sondern durch ihre eigentümliche Ruhe: kaum Wellengang, keine festen Strömungen, dafür ausgedehnte Teppiche treibender Sargassum-Algen, nach denen dieses Meer benannt ist. Und genau hier, so gilt heute als gesichert, befindet sich der einzige bekannte Laichplatz des Europäischen Aals.
Was dort genau geschieht, entzieht sich bis heute unserem direkten Blick. Zwar ist die Sargassosee ein Oberflächenmeer, doch das vermutete Laichgeschehen spielt sich in Tiefen von mehreren hundert bis etwa tausend Metern ab. Dort herrscht ein Wasserdruck von rund 100 bar – auf einer Fläche von der Größe eines Daumennagels lastet bereits das Gewicht eines Zementsacks, auf eine einfache Plastikkarte wirken mehrere Tonnen. Für Menschen und herkömmliche Technik sind solche Bedingungen kaum beherrschbar. Der Aal hingegen ist dafür gebaut: ohne gasgefüllte Organe (keine Luftblase mehr), mit einem weichen, anpassungsfähigen Körper, der diesen Druck überhaupt erst erträglich macht.
Hinzu kommt der besondere Charakter der Sargassosee selbst. Die großflächigen, frei treibenden Sargassum-Ansammlungen bilden einen eigenen Lebensraum, der Forschung erschwert und zugleich unzähligen Meeresbewohnern als Schutz und Kinderstube dient. Dass Aale ausgerechnet hier, seit über 100 erforscht, ihr größtes Geheimnis weiterhin bewahren, passt fast ins Bild.
Dabei ist der Aal alles andere als ein junges Wesen. Fossile Funde zeigen, dass seine Vorfahren bereits in der Kreidezeit vor rund 135 bis 65 Millionen Jahren lebten – etwa die Gattung Ureuchelys aus dem heutigen Libanon. Der bislang älteste vollständig erhaltene Süßwasseraal der Gattung Anguilla stammt aus der Grube Messel, ist etwa 45 Millionen Jahre alt, rund 63 Zentimeter lang und wird heute im Naturhistorischen Museum Mainz aufbewahrt.
Der Aal trägt seine Geschichte also seit Jahrmillionen in sich – und doch bleibt seine Fortpflanzung eines der größten ungelösten Rätsel der Meeresforschung. Genau das macht sie bis heute so faszinierend.
Europa/Deutschland → Atlantik → Sargassosee
Mit dem Übergang zum Blankaal beginnt die letzte Phase im Leben des Europäischen Aals. In dieser Zeit wird die gesamte verbliebene Energie ausschließlich für die Fortpflanzung eingesetzt – eine Nahrungsaufnahme findet nicht mehr statt. Die Abwanderung aus Mitteleuropa erstreckt sich jährlich über einen Zeitraum von rund vier Monaten. Zunehmend setzt sie im September ein, erreicht ihren Höhepunkt in den Monaten Oktober und November und klingt bis zum Jahreswechsel ab. Witterungsabhängig treten vereinzelt Frühstarter und Nachzügler auf. Die abwandernden Aale stammen dabei nicht aus einem einzelnen Jahrgang, sondern aus vielen unterschiedlichen Geburtsjahrgängen und Herkunftsgebieten.
Ankunft in der Sargassosee
Nach dem Verlassen der europäischen Küsten beginnt für den Blankaal die längste und zugleich letzte Reise seines Lebens. Die ozeanische Wanderung von Europa in Richtung Sargassosee dauert – abhängig von Startort, Route, Strömungsverhältnissen und individueller Leistungsfähigkeit – zwischen etwa 12 und 22 Monaten. Ein Aal, der bereits im September Mitteleuropa verlässt, unterliegt völlig anderen zeitlichen Rahmenbedingungen als ein Tier, das erst im Dezember abwandert. Entsprechend unterschiedlich fallen Ankunftszeitpunkt und Fortpflanzungsbeteiligung aus.
Die Fortpflanzung der Aale in der Sargassosee erfolgt nicht simultan. Vielmehr erstreckt sich die Ankunft der Blankaale über einen Zeitraum von rund vier bis sechs Monaten. Moderne Telemetrie- und Satellitendaten zeigen, dass einzelne Aale sehr unterschiedliche Reisegeschwindigkeiten aufweisen: Während manche Tiere durchschnittlich nur 5–10 Kilometer pro Tag zurücklegen, erreichen andere 15–20 Kilometer pro Tag, mit kurzzeitigen Spitzen von über 40 Kilometern. Diese Unterschiede führen zwangsläufig dazu, dass nicht alle Aale rechtzeitig zur ersten vermuteten Laichwelle eintreffen.
Der wahrscheinlichste Hauptzeitraum für die Ankunft und den Höhepunkt der Fortpflanzung liegt nach heutigem Kenntnisstand zwischen dem späten Winter und dem beginnenden Frühjahr, insbesondere im Februar und März. Darauf deuten unter anderem Funde der bislang kleinsten Leptocephalus-Larven hin. Dennoch zeigen sich sowohl frühere als auch spätere Randbereiche: Einige wenige besonders schnelle Aale erreichen die Sargassosee bereits im Dezember. Diese Tiere stammen meist aus den letzten Abwanderungswellen des Vorjahres und benötigen nur etwa zwölf Monate für die gesamte Strecke. Sie sind jedoch die Ausnahme.
Am anderen Ende des Spektrums stehen Aale, die deutlich langsamer reisen oder längere Distanzen zurücklegen müssen, etwa aus dem nördlichen oder östlichen Verbreitungsgebiet Europas. Diese Tiere erreichen die Sargassosee teilweise erst im April oder Mai, bis zu 22 Monate nach Beginn ihrer Wanderung. Damit verlängert sich die gesamte Fortpflanzungsperiode erheblich und verteilt sich über mehrere Laichwellen.
Diese gestaffelte Ankunft erklärt, warum man von einer „gemischten Strategie“ ausgeht: Nicht alle Aale sind auf eine einzige, eng begrenzte Laichphase angewiesen. Stattdessen tragen unterschiedliche Individuen – abhängig von Herkunft, Wanderbeginn, Geschwindigkeit und Reifungszustand – zu zeitlich versetzten Fortpflanzungsereignissen bei. Die Sargassosee ist somit kein Ort eines einzigen synchronen Laichakts, sondern Schauplatz einer über Monate gestreckten, energetisch extremen Endphase im Lebenszyklus des Europäischen Aals.
|
Szenario |
Reisedauer |
Plausibel |
|---|---|---|
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Minimale Dauer: Dez (J0) → Dez (J1) |
12 Monate |
Ja, möglich für sehr schnelle Routen, aber wahrscheinlich selten |
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Mittlere Dauer: Sep (J0) → März (J2) |
18 bis 20 |
Sehr plausibel |
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Maximale Dauer: Sep (J0) → Mai (J2) |
20 bis 22 |
plausibel |
Fortpflanzung und Laichakt in der Sargassosee
In welcher Tiefe die eigentliche Fortpflanzung der Aale stattfindet, ist bis heute nicht direkt nachgewiesen. Trotz intensiver Forschung und zahlreicher Expeditionen wurde im gesamten vermuteten Laichgebiet weder ein lebender noch ein toter erwachsener Aal gefunden – geschweige denn ein laichendes Tier. Dennoch gilt es als gesichert, dass sich sowohl europäische als auch amerikanische Aale im Westatlantik, im Gebiet der heutigen Sargassosee, fortpflanzen. Dieses Seegebiet liegt über einer Wassertiefe von rund 5.000 Metern, wobei die Fortpflanzung selbst sehr wahrscheinlich nicht in dieser Tiefe, sondern deutlich darüber stattfindet.
Analysen zur Verbreitung der jüngsten Aallarven lassen vermuten, dass der Laichakt in Tiefen zwischen etwa 400 und 700 Metern erfolgt, in Einzelfällen möglicherweise bis maximal 1.000 Meter. Der entscheidende Hinweis hierfür sind Fänge der bislang kleinsten bekannten Leptocephalus-Larven, die wiederholt in Tiefen um 400 Meter nachgewiesen wurden. Daraus wird geschlossen, dass die Befruchtung in diesen Wasserschichten stattfindet und die Larven anschließend passiv in höhere Wasserschichten aufsteigen.
Der eigentliche Laichvorgang erfolgt vermutlich als Gruppenereignis zeitgleich ankommender Aale. Zunächst geben die Rogner ihre Laicheier ins freie Wasser ab – je nach Körpergewicht etwa 1 bis 2 Millionen Eier pro Kilogramm. Diese werden anschließend sofort von mehreren Männchen extern befruchtet. Die Eier enthalten einen ölhaltigen Tropfen, der ein rasches Absinken verhindert und vermutlich ein langsames Aufsteigen in lebensfreundlichere Wasserschichten begünstigt. Als günstige Wassertemperatur für den Laichakt gelten etwa 17 °C. Laborversuche, unter anderem in Japan und den Niederlanden, zeigen, dass Eiablage und Befruchtung mehrere Stunden bis hin zu wenigen Tagen dauern können.
Begleitet wird die Fortpflanzung von einem extremen körperlichen Umbau. Ein Blankaal, der in Europa mit etwa 2 Kilogramm Körpergewicht seine Wanderung beginnt, verliert während der Reise und der Gonadenreifung rund 30 bis 60 Prozent seiner Masse. Da keine Nahrungsaufnahme mehr erfolgt, werden Fettreserven, Muskulatur und innere Organe – insbesondere der Darm – stark zurückgebildet. Gleichzeitig wachsen die Eierstöcke massiv an. Kurz vor dem Ablaichen besteht bei Rognern etwa 30 bis 45 Prozent des verbliebenen Körpergewichts aus Rogen, bei besonders großen Tieren sogar bis zu 50 Prozent.
Das tatsächliche Körpergewicht eines Rogners unmittelbar vor dem Ablaichen ist jedoch unbekannt, da bislang kein erwachsener Aal in der Sargassosee gefangen oder untersucht werden konnte. Alle Angaben beruhen auf Startgewichten abwandernder Blankaale, Laborversuchen mit hormonell gereiften Tieren sowie indirekten Hochrechnungen. Die derzeit beste Schätzung geht von einem Endgewicht vor dem Ablaichen zwischen etwa 0,8 und 1,6 Kilogramm aus. Nach der Fortpflanzung sind die Energiereserven vollständig aufgebraucht – der Aal stirbt.
Wer schon einmal abgelaichte Lachse im Fluss bei einer Dokumentation im TV gesehen hat – ausgezehrt, kraftlos und kurz vor dem Tod – hat eine gute Vorstellung davon, in welchem Zustand sich auch Aale beim Ablaichen in der Sargassosee befinden. Nur dass sich dieser Prozess beim Aal fernab jeder Beobachtung im offenen Atlantik vollzieht.
Beispielrechnung: Körpergewicht, Rogenanteil und Eizahl eines Rogners
Ausgangssituation (Abwanderung in Europa):
Ein weiblicher Blankaal (Rogner) beginnt seine Wanderung mit einem Körpergewicht von 2,0 kg. Entscheidend ist dabei nicht nur das Gesamtgewicht, sondern vor allem der Fettanteil, der als alleinige Energiequelle für Wanderung und Fortpflanzung dient.
Wir nehmen einen realistischen Fettanteil von 30 % an (≈ 0,6 kg Fett).

1. Gewichtsverlust während der Wanderung
Während der 12–22 Monate dauernden Reise frisst der Aal nicht. Energie wird durch:
- Fettabbau
- Abbau von Muskulatur
- Rückbildung innerer Organe (z. B. Darm)
bereitgestellt.
Angenommener Gesamtverlust: 50 %
- Startgewicht: 2,0 kg
- Gewichtsverlust: –1,0 kg
- Endgewicht vor dem Ablaichen: ≈ 1,0 kg
Der Körper ist nun stark „ausgehöhlt“, aber die Fortpflanzungsorgane sind maximal entwickelt.
2. Rogenanteil am Endgewicht
Kurz vor dem Ablaichen besteht bei Rognern ein erheblicher Teil des Körpergewichts aus Rogen.
- Typischer Rogenanteil: 35–45 %
- Wir setzen 40 % an
➡️ Rogengewicht:
1,0 kg × 0,40 = 0,40 kg Rogen
3. Abschätzung der Eizahl
Die Eizahl wird häufig mit 1–2 Millionen Eiern pro kg Körpergewicht angegeben. Entscheidend ist jedoch:
Diese Angabe bezieht sich nicht auf das ursprüngliche Startgewicht, sondern effektiv auf das realisierbare Rogenvolumen.
Bei einem Rogengewicht von 0,40 kg ergibt sich:
- konservativ: 1,2 Mio. Eier/kg → ≈ 480.000 Eier
- optimistisch: 2,0 Mio. Eier/kg → ≈ 800.000 Eier
➡️ Realistische Spannbreite: ca. 0,5–0,8 Mio. Eier
Warum die Eizahl nicht linear mit dem Körpergewicht skaliert
Ein größerer Aal produziert nicht automatisch mehr Eier. Entscheidend sind:
- Fettvorrat bei Abwanderung (Energiequelle)
- Rogenanteil (Gonadosomatischer Index)
- Energieverluste während der Wanderung
- physiologischer Stress (Strömungen, Temperatur, Orientierung)
Ein großer, aber fettarmer Rogner verliert unterwegs überproportional viel Energie und kann weniger Rogen ausbilden.
Ein mittelgroßer, aber fettreicher Rogner hat dagegen bessere Chancen, mehr Eier erfolgreich auszubilden und rechtzeitig zur Laichphase anzukommen.
Körperzustand nach dem Ablaichen
Nach dem Laichvorgang bleiben den erschöpften Tieren keine verwertbaren Energiereserven mehr. Eine Rückkehr in die Heimatgewässer findet nicht statt. Ausgehend von einem beispielhaften Startgewicht von etwa 2 Kilogramm ergibt sich nach der Ozeanwanderung und der Abgabe des Rogens ein verbleibendes Körpergewicht von nur noch rund 600 Gramm. Dieser Restkörper setzt sich im Wesentlichen aus stark reduzierter Muskulatur, Haut, Wirbelsäule, minimalen Organresten sowie Körperwasser zusammen. Auch wenn der genaue Ablauf nach der Paarung nicht abschließend untersucht ist, sprechen die tiefgreifenden organischen Umwandlungen zum Blankaal – insbesondere die nahezu vollständige Rückbildung des Verdauungssystems – sowie der extreme Energieverlust während der Wanderung eindeutig dafür, dass die Fortpflanzung der Aale, ähnlich wie bei laichenden Lachsen, auf Kosten des eigenen Lebens erfolgt. Dass im Gebiet der Sargassosee bislang weder lebende noch tote erwachsene Aale gefunden wurden, steht dieser Annahme nicht entgegen und ist angesichts der enormen Wassertiefen, der raschen Zersetzung und möglicher Prädation nicht überraschend.
Forschung aktuell – Erfolge und Niederlagen bei der künstlichen Vermehrung der Aale
Nach Jahrtausenden des Rätselratens begann im 20. Jahrhundert die eigentliche wissenschaftliche Phase der Aalvermehrungsforschung. Ziel war es, den kompletten Lebenszyklus des Aals im Labor nachzubilden – von der Eiablage bis zum geschlechtsreifen Tier. Doch bis heute ist das nur teilweise gelungen.
Ein zentraler Durchbruch gelang Forschern in Japan in den 1970er Jahren: Erstmals konnten Eier und Larven von Anguilla japonica, dem Japanischen Aal, künstlich befruchtet und über mehrere Stadien hinweg am Leben gehalten werden. Damit war bewiesen, dass eine Nachzucht grundsätzlich möglich ist. Doch die Nachzucht war instabil, die Sterberaten hoch, und das Nahrungsproblem blieb ungelöst. Die winzigen Leptocephalus-Larven fressen in der Natur vermutlich eine gallertartige Substanz aus Meeresschwebstoffen – ein Nahrungsersatz ließ sich lange nicht finden.
Auch in Europa und den USA starteten ab den 1990er Jahren verschiedene Projekte, meist unter Leitung von Universitäten und Fischereiinstituten. In Dänemark, Norwegen, Deutschland und Italien wurde mit Hormonen experimentiert, um Aale künstlich zur Eiablage zu bringen. Doch trotz aller technischen Fortschritte blieb die Zucht teuer, aufwendig und unvollständig.
Heute existieren weltweit mehrere erfolgreiche Zuchtlinien – allerdings fast ausschließlich beim Japanischen Aal. Die europäische und amerikanische Art lassen sich zwar bis zum Larvenstadium erzeugen, aber noch nicht über den gesamten Zyklus hinweg stabil aufziehen.
Die bisherigen Erfolge zeigen jedoch: Das Prinzip funktioniert. Die Niederlagen belegen, dass noch viele Details ungeklärt sind – etwa Ernährung, Wasserchemie und hormonelle Steuerung. Doch mit jeder Generation an Wissenschaftlern rückt das Ziel näher. Vielleicht wird es eines Tages gelingen, den Europäischen Aal vollständig zu „verstehen“ – und damit auch seine Zukunft zu sichern.
Bisherige Forschung, Ergebnisse und aktueller Stand zur Fortpflanzung von Anguilla japonica
Wenn man über die Zucht des Aals spricht, führt kein Weg an Japan vorbei. Der Japanische Aal (Anguilla japonica) ist heute die einzige Art, bei der es Forschern gelungen ist, den kompletten Lebenszyklus – vom befruchteten Ei bis zum laichreifen Tier – künstlich zu durchlaufen. Doch dieser Erfolg war das Ergebnis jahrzehntelanger, mühsamer Arbeit, die anfangs kaum Aussicht auf Erfolg hatte.
Bereits in den 1960er Jahren begann das Japanische Fischereiforschungsinstitut in Tokushima mit systematischen Versuchen, die natürliche Fortpflanzung nachzubilden. Man wusste damals nur, dass die Aale im Meer laichen – aber nicht wo. Erst um 1991 wurde das tatsächliche Laichgebiet südwestlich der Marianen-Inseln entdeckt. Diese Erkenntnis half entscheidend, die Umweltbedingungen – Druck, Temperatur, Strömung und Salzgehalt – im Labor besser zu simulieren.
Ein erster größerer Erfolg gelang 2003: Japanische Wissenschaftler schafften es erstmals, Aallarven über das Glasaalstadium hinaus aufzuziehen. Der entscheidende Fortschritt lag in der Ernährung: Eine Mischung aus Eiergelatine, Plankton und fein zermahlenem Krill bildete eine Art „künstliches Meeres-Schwebfutter“, das das natürliche Diätverhalten der Leptocephalus-Larven imitierte. Damit überlebten sie erstmals mehrere Monate – ein Durchbruch.
2010 berichtete das National Research Institute of Aquaculture (NRIA), dass der komplette Zyklus in geschlossenen Systemen gelungen war: Rogen + Milch = Laich → Larven → Glasaale → Gelbaale → Silberaal → zurück zur künstlich ausgelösten Eiablage. Damit wurde A. japonica zur ersten Aalart, die vollständig im Labor vermehrt werden konnte.
Doch trotz dieser Meilensteine bleibt der Prozess weit von einer wirtschaftlichen Nutzung entfernt. Die künstliche Aufzucht ist extrem energieintensiv, die Ausbeute gering, und jede Generation kostet Tausende Euro pro Tier. Zudem sind die Nachzuchtgenerationen genetisch schwach und anfällig für Krankheiten.
Heute konzentrieren sich japanische Forschungsgruppen darauf, die Ernährung und Hormonsteuerung zu optimieren, um den Zyklus stabiler zu gestalten. Einige Universitäten arbeiten bereits mit teilautomatisierten Zuchtanlagen, um Kosten zu senken.
Auch wenn der Japanische Aal noch nicht in industriellem Maßstab gezüchtet werden kann – wissenschaftlich betrachtet ist er ein Symbol dafür, dass das Rätsel der Aalvermehrung lösbar ist. Seine Geschichte zeigt, dass Beharrlichkeit, Technik und biologisches Verständnis irgendwann selbst das älteste Rätsel der Meeresbiologie knacken können.
Bisherige Forschung, Ergebnisse und aktueller Stand zur Fortpflanzung von Anguilla anguilla
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) gilt seit Jahrhunderten als eines der größten Rätsel der Binnengewässer – und bis heute hat die Wissenschaft es noch nicht vollständig gelöst. Obwohl der Japanische Aal inzwischen im Labor gezüchtet werden kann, bleibt der europäische Verwandte ein hartnäckiger Sonderfall.
Die ersten ernsthaften Zuchtversuche begannen in den 1970er Jahren, inspiriert durch die Fortschritte in Japan. Doch schon früh zeigte sich, dass A. anguilla andere, deutlich empfindlichere Ansprüche an Umweltfaktoren stellt. Während der Japanische Aal relativ stabil auf hormonelle Reize reagiert, benötigen europäische Aale hochpräzise Hormonabstimmungen, um überhaupt in Laichstimmung zu kommen. Weibchen reagieren auf die künstliche Reifung häufig unregelmäßig oder gar nicht, Männchen produzieren kaum lebensfähigen Samen.

Trotzdem wurden wichtige Etappenziele erreicht. Ab den 1990er Jahren gelang es dänischen, deutschen und niederländischen Forschergruppen, laichreife Tiere zu gewinnen und befruchtete Eier zu erhalten. 2006 wurde die Danish Eel Hatchery (DTU Aqua) gegründet, um die Fortpflanzung gezielt voranzutreiben. Dort konnte man erstmals die Larven mehrere Wochen lang am Leben halten – ein Erfolg, der jedoch noch weit vom Glasaalstadium entfernt war.
Ein entscheidender Fortschritt kam durch die Arbeiten des EELRIC-Projekts (European Eel Reproduction Innovation Centre) in den 2010er Jahren. Durch verbesserte Wasserqualität, optimierte Temperaturprofile und eine neue Fütterungstechnik gelang es, Leptocephalus-Larven über 60 Tage zu ernähren – ein europäischer Rekord. 2023 meldeten Forscher der Universität Leiden, dass einige Larven sogar über 100 Tage überlebten. Dennoch blieb der Übergang zur Glasaalform bislang unerreicht.
Die größten Hürden liegen in der Ernährung und im Stoffwechsel. Leptocephali ernähren sich in der Natur von sogenannten „marine snow“–Partikeln, einer organischen Schwebstoffmischung aus Algenresten, Mikroorganismen und Detritus – eine Zusammensetzung, die im Labor kaum nachzuahmen ist.
Heute gilt: Die vollständige künstliche Reproduktion des europäischen Aals steht unmittelbar vor einem möglichen Durchbruch. Die Experimente aus Dänemark und den Niederlanden zeigen, dass die Überlebensraten stetig steigen. Sollte der Übergang ins Glasaalstadium gelingen, wäre dies nicht nur ein wissenschaftlicher Triumph – sondern auch die vielleicht letzte Chance, die Art langfristig unabhängig von Wildfängen zu erhalten.
Bisherige Forschung, Ergebnisse und aktueller Stand zur Fortpflanzung von Anguilla rostrata
Der Amerikanische Aal (Anguilla rostrata), der östlich des Atlantiks zwischen Grönland und der Karibik beheimatet ist, teilt sich mit seinem europäischen Verwandten (A. anguilla) den gleichen Laichplatz in der Sargassosee – und doch verlief seine Forschungsgeschichte etwas anders.
Während Europa noch in den 1970er Jahren mit hormonellen Experimenten und orientierungslosen Laichtieren kämpfte, begannen in den USA und Kanada bereits koordinierte Projekte zur künstlichen Reifung von A. rostrata. Grund war das zunehmende Verschwinden der Glasaale entlang der nordamerikanischen Küste, das ab den 1980er Jahren immer deutlicher wurde.
Die kanadische Forschungsgruppe um Cairns und Jessop legte in den 1990er Jahren die Grundlage für die moderne Fortpflanzungsforschung beim Amerikanischen Aal. Sie experimentierten mit temperaturabhängigen Hormonzyklen, schwimmstimulierenden Strömungen und unterschiedlichen Lichtspektren – inspiriert von den natürlichen Bedingungen in der Tiefsee der Sargassosee. Dabei gelang es erstmals, reife Weibchen mit funktionstüchtigen Eiern zu gewinnen und einige tausend befruchtete Eier zu erhalten.
Ein echtes Problem blieb allerdings die Lebensfähigkeit der Larven. Wie beim europäischen Aal überlebten sie nur wenige Tage. Erst 2015 gelang einer Arbeitsgruppe an der University of Massachusetts eine deutliche Verlängerung dieser Phase – dank besserer Nährlösungen auf Basis von marinen Mikroplankton-Extrakten. Dennoch scheiterte auch hier die Weiterentwicklung über das frühe Leptocephalus-Stadium hinaus.
Interessanterweise zeigte sich, dass A. rostrata im Vergleich zu A. anguilla robuster auf Schwankungen von Druck und Temperatur reagiert. Dies macht ihn zu einem wertvollen Vergleichsobjekt in der globalen Aal-Forschung. 2024 meldete eine Kooperation zwischen kanadischen und japanischen Forschern, dass hybridisierte Larven aus A. rostrata und A. japonica im Labor über 120 Tage überlebten – ein Rekord, der neue Einblicke in genetische Anpassungen eröffnet.
Noch bleibt der Weg bis zum Glasaalstadium offen. Doch der Amerikanische Aal liefert zunehmend entscheidende Puzzleteile, um das Rätsel der gesamten Gattung Anguilla zu lösen.
Forschung, Ergebnisse und aktueller Stand bei anderen Anguilla-Arten
Während die meiste Aufmerksamkeit auf den europäischen, japanischen und amerikanischen Aal gerichtet ist, hat die Forschung an den tropischen Arten der Gattung Anguilla in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Besonders Anguilla marmorata, der Riesenmarmor-Aal, steht seit etwa 2018 im Fokus internationaler Projekte – und das nicht ohne Grund: Er besitzt ein riesiges Verbreitungsgebiet von Ostafrika bis Polynesien und gilt als eine der anpassungsfähigsten Aalarten überhaupt.
Forscher aus Indonesien, Taiwan und Neuseeland versuchen, an ihm zu verstehen, warum manche Arten offenbar weniger stark von Bestandsrückgängen betroffen sind als andere. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass A. marmorata mehrere Laichgebiete besitzt und in verschiedenen ozeanischen Strömungssystemen ablaicht – eine Art „natürliche Sicherheitsstrategie“. So könnten selbst klimatische Veränderungen oder Verschiebungen der Meeresströmungen nicht alle Populationen gleichzeitig treffen.
In Taiwan gelang es 2022 einer Forschergruppe der National Taiwan Ocean University, den kompletten Reifungsprozess bis zur Eibildung im Labor zu beobachten – ein Fortschritt, der bislang bei kaum einer tropischen Art dokumentiert werden konnte. Dennoch blieb die Entwicklung der befruchteten Eier erneut am Übergang zum Larvenstadium stecken. Die Wissenschaftler vermuten, dass Mikroorganismen und der biochemische Aufbau des umgebenden Meerwassers eine entscheidende Rolle spielen – ähnlich wie beim Japanischen Aal.
Auch bei A. australis und A. dieffenbachii, den beiden neuseeländischen Arten, konnten in den letzten Jahren Teilerfolge erzielt werden. Die Universität Auckland meldete 2023 die erfolgreiche Hormoninduktion von Weibchen und die Befruchtung lebensfähiger Eier, die bis zu zehn Tage überlebten. Besonders spannend: Diese Arten scheinen in etwas geringerer Tiefe zu laichen als ihre europäischen und japanischen Verwandten, was neue Erkenntnisse über die ökologische Bandbreite der Gattung liefert.
Obwohl der vollständige Lebenszyklus bislang nur beim Japanischen Aal gelang, wächst durch die tropischen Arten das Gesamtverständnis der Fortpflanzungsbiologie aller Anguilla-Aale stetig. Sie zeigen, wie flexibel diese uralten Fische sind – und dass das Geheimnis ihres Überlebens vielleicht gerade in ihrer Vielfalt liegt.
Fazit und Ausblick
Trotz aller Fortschritte bleibt die Fortpflanzung der Aale eines der faszinierendsten Rätsel der Natur. In modernen Laboren ist es heute möglich, den Lebenszyklus vom Ei bis zum erwachsenen Tier nachzubilden – doch noch ist dieser Triumph teuer, fragil und fern von der rauen Realität des Ozeans. Während japanische Forscher den vollständigen Zyklus bei Anguilla japonica erstmals vollenden konnten, steht Europa noch immer vor der Herausforderung, diesen Erfolg beim heimischen Aal zu wiederholen.
Doch vielleicht liegt die wahre Bedeutung dieser Forschung nicht allein in der Zucht oder der kommerziellen Nutzung, sondern in der Erkenntnis, wie empfindlich, wie perfekt abgestimmt dieses uralte System aus Strömungen, Temperaturen und Instinkten ist. Jeder neue Versuch, das Geheimnis zu entschlüsseln, bringt uns nicht nur dem Verständnis des Aals näher – sondern auch der Frage, wie wenig wir tatsächlich über das Leben in unseren Meeren wissen. Der Aal, dieser ewige Wanderer zwischen den Welten, wird uns wohl noch lange lehren, dass Fortschritt Geduld braucht – und dass manche Wunder nur dann bestehen, wenn wir sie zu verstehen suchen, ohne sie zu zerstören.
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