Mit Ausnahme der Larvenstadien werden Aale in allen Entwicklungsstadien ihres Lebens intensiv befischt.
Glasaalfischerei
Die Glasaalbestände wurden in westeuropäischen Ländern auch früher schon zum Teil zur Ernährung befischt. Zu dieser Zeit wusste man dort noch nicht, dass aus ihnen einmal Aale werden würden. Deshalb wurde der weitaus größere Teil der gefangenen Glasaale damals zur Schweinemast verwendet, in großen Mengen als Dünger auf den Feldern verstreut und zu Klebstoff verarbeitet. All Dies hat den Beständen offenbar kaum geschadet.

Erst mit aufkommender Privatisierung bzw. Kommerzialisierung für Mast- und Besatzzwecke wurde die Glasaalfischerei sehr stark intensiviert und der Handel mit lebenden Glasaalen zu einer profitablen Einnahmequelle. Da aber gleichzeitig auch die traditionelle Nutzung nicht komplett aufgegeben wurde, kam es mit der Zeit zu einer rücksichtslosen Ausbeutung der Glasaalbestände.
Trotzdem man sich bewusst sein musste, dass der Besatz in verbaute und/oder nicht zum Einzugsgebiet gehörende Gewässer für die Bestandserhaltung komplett verloren war, wurden diese Gewässer in unvorstellbarem Maße mit Glasaalen besetzet. Durch diese räumliche Ausdehnung auf künstliche und ungeeignete Gewässer, stieg auch der Bekanntheitsgrad und die Nachfrage. Dies ließ wiederum den Preis für Aal in allen Entwicklungsstadien steigen.
Die hohe Sterblichkeit der wertvollen Glasaale lies angeblich sich nur reduzieren, wenn die Aale bis zu einer bestimmten Größe vorgestreckt wurden, wodurch sich letztlich auch der Profit weiter in die Höhe treiben lies.
In der Folge wurden nicht nur in Europa, sondern auch in Nordafrika und Asien, Aalfarmen gebaut, die sich auf die künstliche Mästung von Glasaalen spezialisiert haben. Da diese Farmen aber auch mit wilden Glasaalen aus westeuropa eingedeckt werden mussten, und dafür auch völlig überhöhte Preise zahlen konnten, wurde der Glasaalfang weiter derart verstärkt, dass es letztlich zur Überfischung der europäischen Glasaalbestände und inzwischen zum zusammenbrechen der gesamten europäischen Glasaalpopulation gekommen ist. Der europäische Aalbestand befindet sich in seiner Gesamtheit seither außerhalb sicherer biologischer Grenzen.
In zentraleuropäischen Flüssen findet kein nennenswerter Aufstieg an Glasaalen mehr statt. In hiesigen Gewässern schwimmen heute englische, französische und spanische Aale. Inzwischen ist die Situation soweit vorgeschritten, dass selbst für den Besatz der natürlichen Einzugsgebiete keine bzw. nicht mehr genügend Aalbrut verfügbar ist, weil so gut wie alle zur Verfügung stehenden Bestände von Aalhändlern im In- und Ausland aufgekauft werden. Daher bleibt den meisten Fischern und Vereinen nur noch der Besatz mit vorgestreckten Aalen aus ausgerechnet solchen Aalfarmen (Satzaale).
Angelfischerei
Satzaale befinden sich am Anfang der Fress- und Wachstumsphase, welche allgemein auch als Gelbaalstadium bezeichnet wird.
In dieser Wachstumsphase werden Aale vor allem von Anglern mit natürlichen Ködern gefangen. Obwohl die meisten Angler eine Fangstatistik zu führen haben, die u.a. auch die Grundlage für Besatzmaßnahmen darstellen soll, liegen kaum offizielle Zahlen über die gesamte Fangmenge an Gelbaalen vor.
Es ist daher nicht unproblematisch den Einfluss der Angler auf den Aalbestand anhand von Hochrechnungen zu schätzen. Klar dürfte jedoch sein, dass auch jeder von Anglern entnommene Aal, unabhängig ob ursprünglich besetzt oder natürlich aufgestiegen, einen reduzierenden Einfluss auf den Aalbestand hat. Gegenteilige Behauptungen wären unglaubwürdig und zudem unseriös.
Nach Auswertung einer Umfrage zur Anzahl der beim gezielten Aalfang gefangenen Aale wurden im Jahr 2006 durchschnittlich 20 Aale je Aalangler ermittelt. Insgesamt wurden 1378 Aale von 68 Aalanglern mitgeteilt. Gut 70 % der Aalangler fingen jedoch nicht mehr als 20 Aale in diesem Jahr. Jeder 2. Aalangler hatte sogar nur max. 10 Aale gefangen. Hingegen hatten 3 Aalangler jeweils über 100 Aale erwischt.
Im Jahr 2007 wurden je Aalangler (bei gezieltem Aalangeln) durchschnittlich 25 Aale gefangen. In diese Auswertung sind 856 Fänge von 34 Aalanglern eingegangen. Wobei auch hier ca. 70 % der Aalangler weniger als 20 Aale im Jahr 2007 gefangen haben. Lediglich ein Angler hatte mehr als 100 Aale.
Übereinstimmend lässt sich also feststellen, dass zumindest nach dieser Auswertung ein Aalangler im Schnitt wohl 20 bis 25 Aale im Jahr fängt. 70 % der Aalangler fangen jedoch weniger als 20 Aale pro Jahr. Wenn von den ca. 5 Millionen Anglern in Deutschland nur jeder 100. Angler ein entsprechender Aalangler wäre, so würden jedes Jahr ca. 1.000.000 Aale in Deutschland von Anglern gefangen/entnommen werden. Die tatsächliche Zahl der Aalangler lässt sich leider nicht feststellen, sie dürfte aber weitaus höher liegen als hier angenommen. Erstaunlicherweise passen meine groben Überschläge recht gut zu den wenigen offiziellen Angaben (2022) im Beitrag Stadium der Gelbaale.
Der Übergang vom Gelbaal zum Blankaal erfolgt, wie beim Übergang vom Glasaal zum Gelbaal, innerhalb einer Übergangsphase. In diesem Entwicklungszeitraum werden abwandernde Blankaale ebenfalls noch mit der Angel gefangen. Nach Abschluss der Umwandlung gelingen aber nur noch selten Fänge mit der beköderten Rute, da der Aal keine Nahrung mehr verwerten kann und allenfalls nur noch reflexartig zubeißt.
Die Wilderei und der Einsatz verbotener Fangmethoden stellen ein ernsthaftes Problem für die Aalbestände dar. Insbesondere das legen von Aalschnüren stellt grundsätzlich eine vorsätzliche Quälerei gemäß Tierschutzgesetz dar und wird allzu oft als Kavaliersdelikt angesehen. Mit Angelei haben solche skrupellosen Methoden nichts mehr zu tun.
Berufsfischerei
Während der Abwanderung werden die Blankaale überwiegend mit Reusen- und Reusensystemen von der Berufsfischerei gefangen. Aber auch die kleineren Gelbaale werden von den Berufsfischern entnommen, wenn sie in die Netzte gehen. In einigen Gewässern sind die Flussmündungen regelrecht mit Reusen oder Hamen abgesperrt. Die Hamenfischerei hat in der Vergangenheit große Bestandsschäden in den Fließgewässern verursacht. Es wurden über Jahrzehnte viel zu viele Aale auf ihrer Laichwanderung aus den Flüssen gefiltert. Immer weniger Aale schafften die Passage durch das engmaschige Netz der Fanggeräte.
Alles, was bisher nicht gefangen oder auf andere Art und Weise umgekommen war, muss nur noch unbeschadet der zerstörerischen industriellen Netzfischerei mit Grundschleppnetzen auf den Meeren überstehen, um letztlich eine Chance zur Fortpflanzung zu haben. Es ist schon verwunderlich, dass es überhaupt noch einige Aale schaffen.
Mögliche Maßnahmen:
- Quotierung der Glasaalfänge
- Quotierung der Verwendung von Glasaalen zur industriellen Aalmast in Aalfarmen
- Verwendungsgebot von Glas- und Satzaalen für Besatz natürlicher Einzugsgebiete
- Exportverbot für Glasaale in Länder außerhalb des natürlichen Einzugsgebietes
- Maximalmaß (z.B. 90 cm)
- Schonzeiten (z.B. jede 2. KW)
- Fanglimitierung (z.B. 50/Jahr und Berufsfischer nach Quoten – ähnlich der Seefischerei)
- Eindämmung der Fischwilderei/Schwarzfischerei und striktes Verbot von Nachtschnüren in ganz Europa (deutlich höhere Strafen und mehr Kontrollen)
- Wegfall des Entnahmegebots für mäßige Aale (soweit es sich um Beifang handelt)
- Drillings- und Zwillingshakenverbot bei der Verwendung von Naturködern
- Begrenzung der Fangerlaubnisse durch Sonderlizenzen ( z.B. Nachtangelberechtigungen nach dem Vorbild der Salmoniden-Lizenzen ggf. gegen eine Gebühr die ausschließlich für Aalbesatz zu verwenden ist)
- Strenges Verbot von Besatz in Put & Take Anlagen
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