Wenn das Dottersackstadium endet und dieser Vorrat im Körper aufgebraucht ist, beginnt eine neue Herausforderung: das Pre-Leptocephalusstadium. In dieser Phase steht der junge Aal am Übergang – er muss nun aktiv beginnen, Nahrung aufzunehmen, bevor er in das Leptocephalusstadium übergeht.
Erste Schritte in eine neue Welt
Nach etwa Tag 7 oder 8 tritt der Aal aus dem Dottersackstadium heraus und erreicht damit das Pre-Leptocephalusstadium. Der Körper ist noch schlank und durchsichtig, aber intern laufen vieles Umbauten ab: Verdauungssystem, Mund und Kiefer, Muskelapparat – alles wird vorbereitet auf das Leben als aktive Larve.

Morphologisch beobachtet man:
- Augen werden stärker pigmentiert.
- Der Verdauungstrakt beginnt funktionsfähig zu werden.
- Vorhandensein von Zähnen: Im Pre-Leptocephalus-Stadium, das nach der Dottersackphase beginnt und wenn die Augen pigmentiert sind, entwickeln sich diese langen, scharfen und nach vorne gerichteten Nadel-Zähne und dienen wahrscheinlich zum Greifen von kleinen, gallertartigen Beuteteilen und sogenannten Meeresschnee.
- Die Mundöffnung und Kieferstrukturen vermehren sich oder verstärken sich, sodass erste Nahrungsaufnahme möglich wird.
- Die Larven wachsen nur langsam, während sie ihre physiologischen Systeme hochfahren.
In Studien an Anguilla japonica wurde gemessen, dass im Pre-Leptocephalusstadium die Gesamtlänge (TL) typischerweise von etwa 6–7 mm auf bis zu rund 10–12 mm ansteigt.
Der Zeitraum dieses Stadiums kann variieren, oft dauert er mehrere Wochen – je nach Nahrungsangebot, Temperatur und Entwicklungsbedingungen.
Die große Herausforderung: Ernährung in einer dünnen Welt
In dieser Phase stellt sich die zentrale Frage: Was frisst ein so winziges Tier?
Forscher füttern in Laborexperimenten mit extrem feinen haptenähnlichen Futterpellets – oft aus Fischprotein-Hydrolysaten, Algenextrakten und Ölbestandteilen, um den marinen Pulverschnee nachzuahmen.
Doch diese Nährstoffe reichen oft nicht aus – eine hohe Sterblichkeit ist typisch.
Aus der MDPI-Studie (2022) zu A. japonica stammt die erschütternde Statistik:
- Bei 15 Tagen nach Schlupf (DAH) überleben noch etwa 43,7 % der Larven,
- bei 30 DAH nur noch 15,6 %,
- bei 50–200 DAH sinkt es weiter ab auf unter 1 % bei 200 DAH. – Bei diesem Wert handelt es sich um den nächsten Beitrag „Der Leptocephalusstadium der Aale“ – unter echten Aal-Anglern auch als Weidenblattstadium bekannt.
Das Pre-Leptocephalusstadium zählt dabei zu den kritischen Phasen – ein falscher Schritt, und die Larve verhungert oder stirbt an physiologischen Defiziten.
Die Analyse zeigt auch, dass diese Phase in vielen Versuchen durch Fütterungsschwächen oder schlechte Anpassung zwischen Futtertyp und Larventyp scheitert (Preprints.org).
Zwischen Hoffen und Versagen
Das Pre-Leptocephalusstadium ist eine Wippe zwischen Leben und Tod:
Zu langes Warten ohne ausreichende Nahrung, und die Larve verhungert. Frühzeitige oder zu grobe Fütterung wiederum kann schaden – das Verdauungssystem ist noch zart und nicht voll entwickelt. Eine offene Frage bleibt: Wie eng ist das Zeitfenster, in dem der Übergang gelingen kann? Wie empfindlich reagiert die Larve auf äußere Faktoren wie Temperatur oder Strömung? Und wie sehr unterscheiden sich Anguilla anguilla und A. japonica in dieser wichtigen Phase?
|
DAH |
TL (mm) |
Dottersack |
Merkmale |
Überlebensrate |
|---|---|---|---|---|
|
8 (Pre‑Leptocephalus start) |
ca. 7 |
aufgebraucht/fast aufgebraucht |
Übergang zu aktiver Nahrungsaufnahme erforderlich |
– |
|
15 |
ca. 9 |
nicht vorhanden |
aktiver Futterversuch/Prä‑Leptocephalus |
grob ca. 50 % |
|
30 |
ca. 12 |
nicht vorhanden |
Pre‑Leptocephalus → Leptocephalus Übergangphase |
grob ca. 20 % |
Hinweis: DAH = Tage nach dem Schlüpfen; TL = Totallängen (grob gemittelt); Überlebensraten von MDPI (2022) für Anguilla japonica habe ich grob aufgerundet.
Anmerkung: Diese/r Seite/Beitrag dient lediglich zur Verdeutlichung der Schwierigkeiten bei der Erforschung zur künstlichen Vermehrung von Aalen.
Wer weitere Informationen zu diesem Thema benötigt – meine Empfehlungen (Links):
Morphologische und allometrische Veränderungen bei Anguilla japonica Larven
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