Viele Angler wundern sich, dass ein gefangener Aal sich nach einem Herzstich noch so extrem zur Wehr setzen kann. Trotz direktem Stich ins Herz windet und klammert der Aal sich an alles, mit dem er auch nur in Berührung kommt. Und sei es nur das Vorfach.
Unter alten Anglerhasen gibt es die verrücktesten Geschichten über Aale. Manche schwören Stein und Bein, das ausgenommene Aale noch in der Pfanne nicht aufgegeben haben und dem Koch aus dem heißen Fett gesprungen sind. Viele dieser Geschichten sind sicherlich unter Anglerlatein zu verbuchen, aber dennoch steckt in den meisten ein Fünkchen Wahrheit. In diesem Fall ist es ein kleines und kaum bekannten biologischen Wunder: Der Aal hat eine Art Backup-Herz – das caudale Herz.
Was ist also das Caudales Herz des Aals?
- Es ist ein echtes, funktionelles Nebenherz.
- unterstützt den venösen Rückfluss aus dem hinteren Körperbereich zum Hauptkreislauf.
- arbeitet autonom, teils auch nach dem Tod des Aals.
Merkmale des caudalen Herzens:
- Oft besteht es aus muskulären Strukturen oder venösen Klappen, die durch Muskelbewegungen oder pulsierende Gefäße aktiv den Blutfluss fördern.
- Anders als das eigentliche Herz besitzt es meist keine eigenständige Pumpfunktion, sondern arbeitet als eine Art Hilfsmechanismus.
- Besonders bei Fischen mit langen Körpern (wie zum Beispiel hier bei den Aalen) kann es eine wichtige Rolle spielen, da das Blut sonst gegen die Schwerkraft und über „große“ Distanzen zum Herzen zurücktransportiert werden muss.
Bei Aalen (Anguillidae) ist das caudale Herz besonders wichtig, weil ihr Körper eben langgestreckt ist und sie oft unter besonderen Umweltbedingungen leben, beispielsweise in großen Tiefen während der Fortpflanzungswanderung.
Die Sichtbarkeit des caudalen Herzens beim Aal – was du wissen solltest
Wo genau liegt das caudale Herz?
- Während das normale Brachialherz zumindest der Lage nach wohl jedem Angler geläufig ist/sollte, kennt das 2. Herz, ausgenommen von einigen Aalfreunden hier, kaum ein Hobbyfischer oder Allround-Angler.
- „Caudal“ heißt nichts anderes als „am Schwanz gelegen“. Das ist eine Art Hilfspumpe, die den Blutfluss aus der Schwanzregion zurück zum eigentlichen Herz unterstützt. Perfekt für langgestreckte Körper – und Aale haben davon bekanntlich reichlich.
- Dies befindet sich entlang der Hauptvene, oft dorsal (rückenwärts) in der Nähe der Wirbelsäule. Direkt im letzten Drittel des Aal-Körpers.
Kann man des Caudale Herz überhaupt optisch erkennen?
Ja, man kann das caudale Herz eines Aals sehen, aber nur unter bestimmten Bedingungen und mit entsprechendem Wissen, wo und wie man danach sucht.
Sichtbar für den Laien?
- Nicht ohne Weiteres.
Beim normalen Ausnehmen eines Aals erkennt man das caudale Herz nicht eindeutig.
- Es ist recht klein in der Muskulatur am Ende der Wirbelsäule – also, wie bereits erwähnt, weit hinten im Schwanzbereich.
Man könnte auch sagen: Dies liegt hinter dem erkennbaren „Blutfaden“, tief eingebettet im Gewebe.
Sichtbar für Profis?
- Ja – mit Präparation.
In der wissenschaftlichen Anatomie kann man das caudale Herz freilegen und untersuchen, z. B. mit feiner Präparation, Färbung oder unter dem Mikroskop.
- bei präparierten Museumsexemplaren oder auf medizinischen Abbildungen/Studien ist es eindeutig zu erkennen.
Es sieht nicht aus wie ein klassisches Herz, sondern eher wie eine venöse Struktur mit muskulärer Verstärkung oder eine „gepufferte Vene“ mit Klappen.
Das Ruhigstellen eines Aals zum Entfernen eines Angelhakens ist – neben seiner Rückenlage – auch durch die Kenntnis über die Position seines „zweiten Herzens“ grundsätzlich von Vorteil.
Ein mäßiger Druck auf die Flanken in genau diesem Bereich ist für einen fischgerechten Umgang mit dem Fang empfehlenswert.
Der so gezähmte Aal sollte möglichst auch nach dem Umdrehen aus dieser Position heraus mit einem geeigneten Aaltöter fair und waidgerecht getötet werden – und zwar so schnell wie möglich, bevor das Tier aus seinem kurzen Delirium wieder erwacht.
- EINFACH & EFFEKTIV: Klassischer Fisch-Töter für Aale mit gefederter Stechklinge zum Durchtrennen des Rückgrats.
- SEIT JAHRZEHNTEN BEWÄHRT: Der Aalstecher in dieser Form ist seit langen Jahren genau so und in dieser Form bewährt bei Aal-Anglern im Einsatz.
- SO WIRD ES GEMACHT: V-Form kurz hinter dem Kopf des Fisches ansetzen, runterdrücken und das war es auch schon.
- EINFACHERE HANDHABUNG: Gerade weil der gefangene Aal durch seine Körperform, seine Beweglichkeit und die ausgeprägte Schleimabsonderung nicht einfach zu handhaben ist, gibt der Aaltöter zusätzliche Sicherheit.
- WAIDGERECHTER UMGANG: Fehlgeschlagene Tötungsversuche fügen den Tieren unnötiges Leid zu und sollten aus Gründen der Sportlichkeit und der Gefahr der Verletzung des Tierschutzes unbedingt verhindert werden.
Nur so ist sichergestellt, dass das Rückenmark schnell und sicher durchtrennt wird und der Fisch keine unnötigen Qualen erleidet.
Siehe auch: Der Umgang mit gefangenen Aalen
Funktion des caudalen Herzens bei Aalen:
- Das „zweite Herz“ hilft, das venöse Blut zurück zum Hauptkreislauf zu transportieren.
- Da Aale oft in engen, schlammigen oder sauerstoffarmen Gewässern leben, könnte das caudale Herz eine Rolle dabei spielen, die Blutzirkulation effizient zu halten.
- Besonders während ihrer extrem langen Wanderungen (z. B. die berühmte Reise der Europäischen Aale von Europa zur Sargassosee) kann das caudale Herz zur Unterstützung eines stabilen Kreislaufs beitragen.
- Es ist unabhängig vom zentralen Nervensystem. Es funktioniert also auch ohne Kopf bzw. Gehirn.
Fun-Fact: Die Idee, dass ein totes Organ weiterarbeitet, ist für die Medizin natürlich Gold wert. Ja, richtig gelesen: Das caudale Herz macht einfach weiter. Und das erklärt einiges über die hartnäckige Lebensenergie mancher Pfannenflüchtlinge
Wie arbeitet das caudale Herz?
- Es funktioniert nicht wie ein typisches Muskelherz, sondern eher wie eine passive Pumpe.
- Die Bewegung des Schwanzes und der Körpermuskulatur erzeugt Druck, der das Blut durch spezielle venöse Klappen weiterleitet.
- Solche Klappen verhindern ein Zurückfließen des Blutes, sodass es effizient Richtung Hauptkreislauf befördert wird.
Es handelt sich dementsprechend um ein sogenanntes „lymphatisches Herz“ mit zwei Schrittmachern, das das Blut vom Stamm über die Schwanzvene sowie von den Nieren zum Körper pumpt.
Bereits 1865 wurde es von einem Forscher namens Leeuwenhoek entdeckt und als „Höhlen-“ bzw. „Klappenapparat“ bezeichnet. Aufgrund einer englischen Publikation aus den Jahren 1867/68 erhielt es schließlich seinen bis heute gebräuchlichen Namen: „Caudal Heart“.
Während das normale Herz durch Muskelkontraktion sein Volumen verringert, um Blut aus dem Herzen zu pumpen, erweitert sich das Caudalherz durch Muskelkontraktion, um Blut aufzunehmen – indem gleichzeitig die erschlaffende Kammer Blut abgibt.
Deren Schlagfrequenz wird nicht durch das Gehirn oder das Nervensystem gesteuert, sondern hormonell und/oder durch Temperatureinflüsse reguliert. Die Atmung hat keinen Einfluss auf die Frequenz. Grundsätzlich liegt die Schlagfrequenz über der des Hauptherzens und kann – wie beim Hauptherz – auf maximal 380 Schläge pro Minute gesteigert werden. Solcher Wert wird bei einer Wassertemperatur von 34 °C erreicht. Das bedeutet, dass bei hochsommerlichen Wassertemperaturen die Gefahr eines Herzversagens besteht – ausgelöst durch ausgeschüttete Stresshormone und temperaturempfindliche Veränderungen im Gefäßsystem des Aals.
Da beim Fang eines Aals nachweislich das im Nebennierenmark gebildete Stresshormon Adrenalin verstärkt ausgeschüttet wird, sollte die Tötung eines maßigen Aals so schnell wie möglich erfolgen. Fotos kann man auch später noch machen!
Denn wer kann schon mit Sicherheit sagen, ob nicht das Hilfsherz im venösen System des Aalschwanzes den Aal noch über Stunden am „Leben“ halten könnte?
Im Übrigen dürfte dieser Artikel einige Anhaltspunkte zum Grund für die immer mal wieder publizierte Anlandung von toten Aalen mit der Angel im Hochsommer liefern.
Eine versteckte Kraft aus dem Hinterteil im Focus der modernen Wissenschaft und Forschung
Die Entdeckung des caudalen Herzens bei Aalen
Das caudale Herz wurde auch durch anatomische Studien an Aalen beschrieben, insbesondere durch die Forschungen des berühmten Physiologen Johannes Müller im 19. Jahrhundert. Müller untersuchte die Gefäßsysteme verschiedener Fische und stellte fest, dass einige von ihnen spezialisierte venöse Pumpmechanismen besaßen, die nicht direkt vom Hauptherz gesteuert wurden. Spätere Forschungen, insbesondere im 20. Jahrhundert, bestätigten durch experimentelle Studien, dass das caudale Herz beim Aal und einigen anderen Fischen eine bedeutende Rolle im venösen Rückfluss spielt. Dies wurde beobachtet, dass es auch nach dem Tod des Aals noch aktiv bleibt, weil es nicht vom zentralen Nervensystem gesteuert wird, sondern durch lokale mechanische oder chemische Reize weiterhin arbeitet.
- Physiologische Studien: Heute nutzen Forscher moderne Bildgebungsverfahren, um die Funktion des caudalen Herzens bei den Aalen besser zu verstehen. Mithilfe von Ultraschall und Druckmessungen wird untersucht, wie effektiv es den Blutfluss unterstützt.
- Evolutionäre Forschung: Wissenschaftler vergleichen das caudale Herz mit ähnlichen Strukturen bei anderen Tieren, um herauszufinden, wie sich dieses System entwickelt hat.
- Medizinische Anwendungen: Da das caudale Herz des Aals eine Art autonome Pumpfunktion besitzt, gibt es Überlegungen, ob solche Mechanismen für biomedizinische Anwendungen, z. B. in künstlichen Blutpumpen, genutzt werden könnten.
Forschung zu Dinosauriern und Kreislaufsystemen:
Obwohl keine direkten Beweise für ein caudales Herz bei Dinosauriern existieren (kann), gibt es interessante Hypothesen und Forschungen zu Kreislaufsystemen und physiologischen Anpassungen bei Dinosauriern, die in gewisser Weise mit ähnlichen Mechanismen wie dem caudalen Herz in Verbindung stehen könnten. Diese Forschungen beruhen auf den Vergleichsstudien zwischen Dinosauriern und ihren direkten Nachfahren, den Vögeln.
1. Langhalsdinosaurier (Sauropoden):
Sauropoden, wie Brachiosaurus oder Apatosaurus, hatten extrem lange Hälse, was zu großen Herausforderungen für ihr Kreislaufsystem führte. Ihr Herz musste sehr stark pumpen, um das Blut gegen die Schwerkraft zu den Köpfen zu transportieren. Es gibt Hypothesen, dass sie entweder zusätzliche Pumpmechanismen oder venöse Klappen im Halsbereich gehabt haben könnten, um den Blutfluss effizient zu steuern. Diese Mechanismen wären ähnlich denen, die im caudalen Herz von Fischen wie Aalen zu finden sind, da sie ebenfalls den Blutfluss über lange Distanzen und gegen die Schwerkraft unterstützen.
2. Blutdruck und Kreislaufsystem:
Es wird spekuliert, dass einige große Dinosaurier, wie Sauropoden, ein spezielles Kreislaufsystem entwickelt haben, bei dem möglicherweise elastische Arterien als „Druckspeicher“ dienten, ähnlich wie bei Giraffen. Diese Arterien könnten als eine Art „Pumpe“ gewirkt haben, um den Blutdruck aufrechtzuerhalten, besonders im Kopfbereich.
Vergleichbare Tiere mit ähnlichen Mechanismen und „mehr Herz“
Das caudale Herz des Aals ist nicht einzigartig – ähnliche Strukturen gibt es bei anderen Fischen und einigen wirbellosen Tieren:
Manche Tiere haben sogar nicht nur zwei, sondern gleich mehrere Herzen oder herzähnliche Strukturen – und das hat oft evolutionäre Vorteile.
1. Andere Fische mit caudalem Herzen:
Knochenfische (Teleostei) wie der Atlantische Lachs (Salmo salar) oder der Arapaima besitzen ähnliche Pumpmechanismen in der Schwanzregion.
Einige Knorpelfische (z. B. Haie und Rochen) haben ebenfalls venöse Klappen, die den Blutrückfluss erleichtern.
2. Schleimaale (Myxini):
Diese primitiven Fische besitzen mehrere Nebenherzen (bis zu vier), die als zusätzliche Pumpstationen im Körper fungieren.
Ihr Kreislaufsystem ist besonders, da sie eines der wenigen Tiere mit mehreren unabhängigen Herzstrukturen sind.
3. Tintenfische (Cephalopoden):
Kraken und Kalmare besitzen drei Herzen: Ein Hauptherz pumpt das Blut durch den Körper, während zwei branchiale Herzen das Blut durch die Kiemen treiben.
Dies zeigt, dass sich mehrere unabhängige Pumpmechanismen in der Evolution entwickelt haben, besonders bei Tieren mit langen Körpern oder speziellen Kreislaufanforderungen.
Fazit: Aale – mehr als nur aalglatt und lecker
Das caudale Herz macht den Aal zu einem kleinen medizinischen und biologischen Wunder. Es erklärt nicht nur seine zähe Lebenskraft, sondern auch, warum er selbst dann noch kämpft, wenn das Hauptherz längst stillsteht. Wer also beim Angeln oder Kochen das Gefühl hat, der Aal habe ein zweites Leben – hat gar nicht so Unrecht.
Das nächste Mal, wenn du einem Aal begegnest, denk dran: Da schlägt mehr als ein Herz – und das mit voller Kraft.
Anmerkungen: Das Caudale Herz hat mit dem sogenannten „Blutfaden“ selbst nur wenig zu tun. Es gibt keine direkte strukturelle Verbindung.
Wichtige Info und Verdeutlichung: Blutfaden und häufige Irrtümer
- Blutfaden (es bedeutet BLUT– (Flüssigkeit) + Faden (längeres Gefäß)
Es ist die Küchenbezeichnung für die Aorta dorsalis oder Arterie (sauerstoffreich/rot).
Sie verläuft direkt unter der Wirbelsäule und transportiert Blut vom Herz in den Körper.
Der „-faden“ wird beim Ausnehmen aus Geschmacks- und Haltbarkeitsgründen entfernt bzw. vorsichtig herausgezogen. - Postcardinale Vene & caudales Herz
Beide dienen der Rückführung des sauerstoffarmen Blutes zum eigentlichen Herz.
Die Vene (Vena cardinalis caudalis) ist ein passives Leitungsgefäß, das caudale Herz unterstützt aktiv den Rückstrom aus dem hinteren Körperbereich.
Diese Strukturen liegen tiefer im Gewebe und sind beim Ausnehmen meist nicht sichtbar und sind nicht der sogenannte „Blutfaden“. - Ein Begriff „Blut-Ader“ ist Umgangssprachlich und bedeutet in diesen Fall Aorta und Vene zusammen. Also ebenfalls ungenau/falsch.
- Eine weitere begriffliche Ungenauigkeit: „Der Blutfaden ist die Niere“
Dies ist genaugenommen Falsch. Die Niere liegt zwar ebenfalls nahe an der Wirbelsäule, ist aber KEIN Blutgefäß sondern ein eigenes Organ.
Beim Entfernen des Blutfadens (Blutgefäß) wird sie häufig mitverletzt oder teilweise mitentfernt, was zur Verwechslung/Vermischung führt. - Bitterer Geschmack?
Fast immer Folge einer verletzten Gallenblase – nicht des Blutfadens. - Das Blut in beiden Bahnen (Aorta und Vene) ist roh giftig (Ichthyotoxin) und wird durch Erhitzen „neutralisiert“.
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