Lebensräume der Aale

Allgemeines

Der Europäische Flussaal (Anguilla anguilla) kommt heutzutage – abgesehen von wenigen Einzelfällen – in allen europäischen Gewässern vor. Daraus lässt sich jedoch keinesfalls folgern, dass der Aal in all diesen Gewässern auch durchweg als heimisch zu betrachten wäre. Ganz im Gegenteil.

Welche aquatischen Lebensräume dem Einzugsgebiet des Europäischen Flussaals hinzuzurechnen sind bzw. wo er als heimisch zu betrachten ist, soll im Folgenden dargestellt werden.

Der Aal ist ein katadromer Wanderfisch. Das bedeutet, er wandert in der Regel aus dem Meer in die Binnengewässer, um dort aufzuwachsen. Erst mit der Geschlechtsreife kehrt er zum Laichen wieder ins Meer zurück.

Es erscheint deshalb sinnvoll, die aquatischen Lebensräume des Aals zunächst in

  • offene Meere (Salzwasser),
  • Küsten- bzw. Übergangsgewässer (Brackwasser)
  • sowie fließende und stehende Binnengewässer (Süßwasser)

einzuteilen.

Darüber hinaus sind in Bezug auf den natürlichen und künstlichen Lebensraum weitere Unterscheidungen hinsichtlich der vorkommenden Gewässertypen zu treffen, um einen allgemeinen Überblick zu erhalten.

Offene Meere und Küstengewässer

Das natürliche Einzugsgebiet der Europäischen Aale ist bei diesen Gewässern weitestgehend, jedoch noch nicht abschließend erforscht. Nach heutigem Kenntnisstand zieht es sich von der Sargassosee im westlichen Atlantik mit dem Golfstrom ostwärts Richtung Europa und Nordafrika und umfasst dort die Küstengebiete der westeuropäischen Atlantikküste, das gesamte Mittelmeergebiet, die Nord- und Ostsee, die Küsten der Britischen Inseln und Skandinaviens sowie die Südküste Islands als nördlichste und die Kanarischen Inseln als wohl südlichste Verbreitungsgebiete. Das Schwarze Meer gilt als östliche Verbreitungsgrenze und die Bermudainseln als westliche Abgrenzung zum Lebensraum des Amerikanischen Aals (Anguilla rostrata).

Insbesondere die östliche Verbreitungsgrenze wird aus nachvollziehbaren Gründen immer wieder infrage gestellt. Dass Aale in das Schwarze Meer auf natürliche Weise einwandern konnten, ist jedoch inzwischen unstrittig und durch Fänge aus den letzten vier Jahrhunderten wissenschaftlich belegt. Es wird jedoch vermutet, dass dies nur bei zahlenmäßig besonders starken Jahrgängen und günstigen westlichen Winden geschieht, da die Fangzahlen stark schwanken und insgesamt verschwindend gering ausfallen. Die Tiefen des Schwarzen Meeres bieten den wenigen Einwanderern wegen des geringen Sauerstoffgehalts zudem keinen geeigneten Lebensraum. Überleben können dort nur jene Aale, die sich entweder oberflächennah bewegen oder – wahrscheinlicher – entlang der flacheren Küstenbereiche den Flussmündungen entgegenwandern.

Obwohl es ernsthafte Anzeichen für eine Abschwächung des Golfstroms zu geben scheint, gibt es bislang offenbar keine Beweise dafür, dass sich dadurch die Zuwanderungsmöglichkeiten derart nach Westen zurückverlagert haben, dass in manchen östlichen Gebieten gar keine Aale mehr ankommen. Solange die natürlichen Bestände in rückläufigen Regionen durch Besatzmaßnahmen aufgestockt oder ersetzt werden, lässt sich ein solcher Rückgang auch nicht einfach nachweisen, da die Untersuchungen dadurch naturgemäß verfälscht werden. Die genannten Regionen dürften daher weiterhin als natürliche Einzugsgebiete des Europäischen Aals betrachtet werden.

Auch wenn davon ausgegangen werden kann, dass das heutige natürliche Einzugsgebiet bereits vor 1492 bestand, ist der Aal an den Grenzen dieser Gebiete eher nicht als einheimisch zu betrachten, da er dort weder regelmäßig noch dauerhaft nachgewiesen werden kann. Andernfalls müsste er dort immer wieder als lokal ausgestorben bezeichnet werden.

Der Europäische Aal kann und darf in diesen Randgebieten daher nicht als bedroht bezeichnet werden. Menschliche Eingriffe (z. B. Besatzmaßnahmen zur Arterhaltung) sind dort folglich überflüssig und verfehlt.

Das Rote Meer zählt nicht zum natürlichen Einzugsgebiet des Europäischen Flussaals, auch wenn eine Einwanderung praktisch stattfindet. Es ist für den Aal erst seit dem Bau des Suezkanals erreichbar und gehört deshalb zum künstlich erweiterten Einzugsgebiet.

Es ist allgemein bekannt, dass nicht alle Aale in die Süßwassersysteme des Binnenlandes einwandern. Ein großer Teil, vor allem Milchner, verbleibt im Brackwasser. Weniger bekannt ist, dass es selbst im offenen Meer nennenswerte Aalbestände gibt, die nicht auf Wanderschaft gehen. Küstenferne Sandbänke bis 20 m Tiefe werden ebenfalls von Aalen als Lebensraum genutzt. Dies gilt insbesondere vor Flussmündungen, deren Wasserzusammensetzung durch menschliche Eingriffe (z. B. Verschmutzungen, Auswaschungen beim Gewässerausbau oder „Verbesserungen“ der Wasserqualität) so verändert wurde, dass sie den Aalen nicht mehr als geeigneter Lebensraum mit ausreichendem Nahrungsangebot erscheinen. In solchen Fällen lässt sich eine deutliche Zunahme der Bestände im offenen Meer beobachten.

Die offene See wird somit nicht ausschließlich von wandernden Aalen durchquert, sondern stellt im Hinblick auf Brack- und Süßwasser sogar einen alternativen Lebensraum dar.

Fließgewässer

Elbe

Zu den natürlichen Fließgewässern zählen Ströme, Flüsse, Bäche und Rinnsale. Diese lassen sich wie folgt unterscheiden:

  • Ströme (münden ins Meer)
  • große Flüsse (münden in einen Strom)
  • kleine Flüsse (3–10 m breit)
  • Bäche (1–3 m breit)
  • Rinnsale (bis 1 m breit)

Zu den künstlichen Fließgewässern gehören Kanäle (ab 3 m Breite) und Gräben (bis 3 m Breite). Diese künstlichen Gewässer sind in der Regel in natürliche Gewässersysteme eingebunden und haben in der Vergangenheit oftmals künstlich zu einer Vergrößerung des ursprünglichen Einzugsgebiets der Aale beigetragen.

Alle natürlichen und künstlichen Fließgewässer sind grundsätzlich als Teil eines zum Meer hin offenen Systems zu betrachten. Liegt die Mündung in ein Meer, das zum Einzugsgebiet der Aale gehört, so zählt in der Regel auch das gesamte damit verbundene Gewässersystem zum Aal-Einzugsgebiet. In diesen Fließgewässern dringen die Aale auf natürliche Weise bis in die Barbenregion vor. Die Äschen- und Forellenregion zählt dagegen nicht zum natürlichen Lebensraum der Europäischen Aale. Hier gelegentlich auftretende Bestände stellen Ausnahmen dar, die zumeist auf Fehlbesatz zurückzuführen sind und nach Einstellung solcher Maßnahmen innerhalb weniger Generationen wieder verschwinden würden. Aale gelten in diesen Regionen weder als einheimisch, da sie dort vor 1492 nicht vorkamen, noch als eingebürgert, da sie sich ohne menschliche Hilfe nicht dauerhaft halten können.

Hierzu gehören beispielsweise viele Fließgewässer Süddeutschlands, in denen besetzte Aale große Schäden an verschiedenen Salmonidenbeständen durch Laichfraß anrichteten. Ursprünglich stabile Bestände mussten deshalb durch Besatzmaßnahmen gestützt oder sogar unter besonderen Schutz gestellt werden.

Aland Niederungsgewässer

Natürlich ist auch klar, dass es darüber hinaus weitere Eingriffe gab, die für den Rückgang von Forellen, Lachsen, Huchen u. a. verantwortlich waren. Dies soll hier jedoch nicht weiter thematisiert werden.

Ein besonders stark mit Aalen besetztes Fließgewässer ist die Donau mit ihrem gesamten Einzugsgebiet. Bevor in Süddeutschland Ende des vorletzten Jahrhunderts begonnen wurde, Europäische Flussaale in fremde Gewässer einzusetzen, gab es dort praktisch keine Aalbestände. Erst durch intensive Besatzmaßnahmen wurden im Mittel- und Oberlauf der Donau Aale angesiedelt.

Es ist fraglich, ob jemals ein einziger Blankaal aus der Donau den Rückweg in den Atlantik gefunden hat, da er hierfür zunächst Richtung Osten wandern und anschließend entgegengesetzt wieder nach Westen orientieren müsste.

In der unteren Donau ließ sich trotz der massiven Besatzmaßnahmen im Oberlauf nur eine marginale Bestandsentwicklung feststellen. Dies ist möglicherweise auch auf Querverbauungen und Wasserkraftwerke zurückzuführen.

Am 4. April 2008 hat die Europäische Kommission per Entscheidung 2008/292/EG festgestellt, dass das Schwarze Meer und die daran angeschlossenen Flusssysteme nicht zum „natürlichen Lebensraum“ (im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1100/2007) des Europäischen Aals gehören. Ein Besatz ist dort verboten. Aalfreunde/-experten begrüßen diese Entscheidung. Aber in „Put-&-Take-Teichen“ ist es erlaubt und wird online sogar beworben!

Stillgewässer

Tonloch Baars

Stillgewässer oder stehende Gewässer haben als wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber Fließgewässern kein Gefälle. Es gibt also grundsätzlich keine Strömung, die eine natürliche Verbindung zum Meer und damit zu den Jungaalen herstellen würde. Allgemein lässt sich daher zunächst sagen, dass stehende Gewässer nicht zum Einzugsgebiet der Aale gehören. Nicht zuletzt deshalb lautet die amtliche Bezeichnung auch „Europäischer Flussaal“. Dennoch gibt es in vielen stehenden Gewässern auch natürliche Aalbestände.

Stehende Gewässer lassen sich in natürliche und künstliche Gewässer einteilen. Für die Beurteilung der Zugänglichkeit für den Aal reicht diese Einteilung jedoch allein nicht aus. Auch eine grobe limnologische Unterteilung ermöglicht keine eindeutige Einschätzung. Natürliche Stillgewässer können zunächst wie folgt unterschieden werden:

  • Seen (große/tiefe Gewässer mit stabiler Temperaturschichtung)
  • Teiche (Gewässer mit mindestens einem Ablauf)
  • Weiher (kleine Seen ohne stabile Temperaturschichtung)
  • Tümpel (periodisch austrocknend)
  • Pfützen (trocknen innerhalb weniger Tage aus)

Für die Beurteilung der Zugehörigkeit zum Einzugsgebiet sind weitere Eigenschaften entscheidend.
Bei Seen – den größten und tiefsten stehenden Gewässern – gibt es sowohl natürliche als auch künstliche, die unter bestimmten Bedingungen eine natürliche Einwanderung von Aalen ermöglichen. Vorrangig sind dies natürliche Seen, die über dem Meeresspiegel liegen und durch ausreichende Niederschläge gespeist werden, sodass ein Abfluss entsteht, der wiederum mit einem Fließgewässersystem verbunden ist. In diesem Fall wird der See zum Teil des Systems, unabhängig von der Größe des Abflusses. Gehört das System zum Aal-Einzugsgebiet, gehört auch der angeschlossene See bis in die Barbenregion dazu. Seen der Äschen- und Forellenregion zählen grundsätzlich nicht zum Einzugsgebiet, selbst wenn sie an ein Fließgewässersystem angeschlossen sind.

Eine zweite Ausnahme bilden Teiche. Diese sind entweder Bestandteil eines Fließgewässersystems, da sie über einen freien Zu- und Ablauf verfügen, oder sie besitzen eine Quelle sowie einen Ablauf und bilden damit den Ursprung eines Fließgewässers.
Diese beiden stehenden Gewässertypen können daher auch als „offene Gewässer“ bezeichnet werden.

Weiher, Tümpel und Pfützen hingegen sind geschlossene Gewässer und zählen definitiv nicht zum Einzugsgebiet der Aale.

Tümpel

Künstliche stehende Gewässer werden oft nach ihrer Entstehung oder ihrem Zweck unterschieden, z. B. Regenrückhaltebecken oder Baggerseen (auch Kuhle, Grube, Restloch usw.). Bei Letzteren wird häufig zusätzlich die Art des Bodenschatzes oder der Gewinnung genannt, z. B. Lehmkuhle, Tonloch, Kiesgrube oder Braunkohletagebaurestloch.


Diese geschlossenen künstlichen Gewässer zählen nicht zum Aal-Einzugsgebiet. Besonders die verbreiteten Baggerseen stellen sogenannte Nährstofffallen dar: Sie werden zunächst mit Grundwasser gespeist, doch dieser Prozess versiegt irgendwann. Frischwasser gelangt dann nur noch über Regen hinzu. Durch natürliche Einträge und menschliches Zutun sammeln sich Nährstoffe und Biomasse im Gewässer. Die Biomasse vermehrt sich innerhalb der Nahrungskette, was zu einer Anhäufung organischer Nährstoffe (Eutrophierung) führt. Dies verursacht verstärktes Algenwachstum und eine weitere Anreicherung organischer Substanzen. Beim Abbau dieser Stoffe entsteht zunächst am Gewässergrund, später im gesamten See Sauerstoffmangel. Erfolgt spätestens dann keine umfassende und kostspielige Sanierung, verbleibt der gesamte Phosphor im Wasser und das Gewässer „kippt“. In solchen Gewässern kommt es nicht selten zu massiven Aalsterben im Hochsommer.

Tagebaurestlöcher werden durch Grundwasser, oft aber auch durch nahegelegene Flüsse gespeist. Sie würden damit zum Einzugsgebiet der Aale gehören, wenn der jeweilige Zufluss dazugehört. Meist sind sie jedoch aufgrund chemischer Belastungen durch Eutrophierung oder Gesteinsauswaschungen nicht als Fischlebensraum geeignet.

In geschlossene Gewässer gelangen Aale grundsätzlich nur durch Besatzmaßnahmen, die seit etwa 1880 von Berufsfischern durchgeführt werden. Als man erkannte, dass damit im Vergleich zu natürlichen Einzugsgewässern besonders hohe Erträge erzielt werden konnten, setzten immer mehr Berufsfischer – und später auch Vereine – Aale in solche atypischen Gewässer. Schließlich betrachteten viele diese Aale als reines Privateigentum. Ja, auch Angler haben dafür gesorgt, dass selbst in den kleinsten Vereinstümpeln europäische Flussaale leben müssen – ohne jede Chance auf Fortpflanzung. Sportlich oder fair ist das sicher nicht.

Die ausgewachsenen Aale hatten in diesen Gewässern keine Möglichkeit zur Abwanderung und Fortpflanzung und wuchsen daher oft zu kapitalen Fischen von über einem Meter Länge heran. Profitsucht und Neid führten in der Folge dazu, dass immer weniger Aale in Fließgewässer und immer mehr in geschlossene Standgewässer besetzt wurden. Heute erreichen kaum noch Aale die Sargassosee zur Fortpflanzung (nur etwa 1 %), wodurch auch vielerorts kaum noch Glasaale einwandern.

Sonderformen

Altarme bzw. Altgewässer

Altarme oder Altwasser sind ehemals zu einem Fließgewässer gehörende, oft flache und sumpfige Bereiche, die durch natürliche Mäandrierung oder durch künstliche Regulierung vom Hauptgewässer abgetrennt wurden. Sie gelten somit als stehende Gewässer. In den ersten Jahren oder bei regelmäßiger Überflutung können sie noch dauerhaft einen natürlichen Aalbestand aufweisen. Je länger die Abtrennung jedoch zurückliegt, desto unwahrscheinlicher ist ein solcher Bestand.

Staugewässer

Stauseen bzw. Staubecken sind massive Unterbrechungen innerhalb natürlicher Fließgewässer. Sie entstehen auf natürliche Weise (z. B. durch Erdrutsche, Lavaströme oder Gletscherzungen), meist jedoch durch künstliche Verbauungen wie Staumauern, Staudämme oder Talsperren. Kleinere Stauseen werden auch als Stauteiche, Mühlteiche oder Woog bezeichnet.
Staugewässer gehören grundsätzlich nicht – oder besser gesagt: nicht mehr – zum Einzugsgebiet der Aale. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn geeignete Maßnahmen existieren, die eine verletzungsfreie Ein- und Abwanderung in ausreichender Zahl ermöglichen (z. B. Umgehungskanäle oder Fischtreppen bei kleineren Stauanlagen).

Strandseen

Strandseen, auch Küstenseen genannt, gehören zum Einzugsgebiet der Aale. Sie werden regelmäßig überflutet. Bei der Abwanderung ins Meer legen Blankaale oft sogar kurze Strecken über Land zurück. Dieses Verhalten wurde und wird angeblich von findigen Fischern ausgenutzt, die die Aale auf ihrem „Landgang“ einfach einsammeln.

Kolke

Kolke sind Gewässer, die sich im Zentrum von Mooren aus Regenwasser gebildet haben. Sie werden deshalb auch Mooraugen genannt. Sie sind sehr flach, trocknen jedoch durch das umgebende Moor nicht aus. Kolke gehören nicht zum Lebensraum der Aale.

Salzlaken

Salzlaken sind aus sogenannten Eislinsen der Eiszeit entstanden und heute sehr selten. Sie trocknen regelmäßig aus und weisen zudem eine spezielle Wasserzusammensetzung auf. Daher sind sie für Fische aller Art ungeeignet und gehören nicht zum Lebensraum der Aale.

IJsselmeer

Das IJsselmeer ist ein sehr spezielles Gewässer. Es handelt sich um eine ehemalige Meeresbucht, die 1932 zum Küstenschutz durch einen 29 km langen und 90 m breiten Damm zwischen Friesland und Nordholland vom Meer abgetrennt wurde. Benannt ist es nach dem süßwasserspeisenden Fluss IJssel. Das niederländische Wort „Meer“ bedeutet in diesem Zusammenhang Binnensee und hat nichts mit der ursprünglichen Meeresbucht zu tun.
Heute ist das IJsselmeer ein Süßwassersee mit einer Fläche von ca. 1.100 km² und einer durchschnittlichen Tiefe von etwa 3 m. Dieses Gewässer wird seit seiner Anlegung äußerst erfolgreich auf Aal befischt. Über zwei verschließbare Zuläufe besteht zeitweise eine Verbindung mit dem offenen Meer. Trotz seiner künstlichen Veränderung zählt es daher noch zum natürlichen Einzugsgebiet der Aale. Besonders bei geöffneten Schleusen strömt verstärkt Süßwasser ins Meer. Dies übt eine starke Lockwirkung auf die dort „wartenden“ Glasaale aus, sodass im IJsselmeer vergleichsweise gute Aalbestände vorkommen.

Fazit

Der europäische Aal (Anguilla anguilla) ist ein außergewöhnlicher Wanderfisch, dessen Lebensraum sich über ein weites Spektrum von offenen Meeren bis hin zu kleinen Binnengewässern erstreckt. Dennoch zeigt die detaillierte Betrachtung: Nicht jedes Gewässer, in dem Aale vorkommen, gehört automatisch zu ihrem natürlichen Einzugsgebiet. Vielmehr unterscheiden sich ursprüngliche Lebensräume von künstlich erschlossenen oder durch Besatzmaßnahmen geschaffenen Beständen.
Diese Erkenntnis ist entscheidend, um Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen sinnvoll zu gestalten. Denn nur wenn die natürlichen Wanderwege erhalten bleiben und Eingriffe wie Besatz, Querverbauungen oder künstliche Stillgewässer realistisch eingeordnet werden, kann der Bestand des Aals langfristig gesichert werden. Der europäische Flussaal ist somit nicht nur ein faszinierender Bestandteil unserer Gewässer, sondern auch ein Gradmesser dafür, wie verantwortungsvoll wir mit aquatischen Lebensräumen umgehen.

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