Der europäische Aal hat in all seinen Entwicklungsstadien auch natürliche Fressfeinde (Predatoren). Als Glasaal ist er im Meer zwar relativ gut getarnt, er wird aber im Küstenbereich auch zur Beute von Raufischen. Insbesondere die eigenen Artgenossen (Gelbaale) haben es auf die einwandernde Aalbrut abgesehen.

Der Gelbaal ist wiederum eine beliebte Beute von größeren Raubfischen wie Zander, Hecht und Wels. Durch seine langgestreckte Form ist der Aal leicht angreifbar und gut zu schlucken. Darüber hinaus hat der Aal durch seinen Fettanteil einen sehr hohen Nährwert für diese Raubfische.
Der Blankaal wird auf Grund seiner Größe nur von Großhechten und Welsen erbeutet. Insbesondere der Bestand an Welsen hat durch Schonmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen und dadurch zu einem erheblich gestiegenen Druck auf die Aalbestände geführt.
Der Aal hat als Wasserbewohner jedoch auch Fressfeinde über der Wasseroberfläche.
Auf Grund seiner Entwicklungsstadien und der damit verbundenen Lebensräume und Körpergrößen wird er von vielen fischfressenden Vögeln angegriffen. So lange sich die entsprechenden Populationen im Einklang mit einer unterstützenden Nutzung und der natürlichen Reproduktionsfähigkeit im Sinne einer größtmöglichen Artenvielfalt sowohl ober- als auch unterhalb der Wasseroberfläche bewegt, sind all diese Vögel von Anglern gern beobachtete Lebewesen und Bewohner naturnaher Gewässer und Uferregionen.
Ist dies nicht der Fall können einige Arten jedoch erhebliche Schäden unter den Fischbeständen anrichten. Insbesondere sogenannte Spitzenprädatoren, also Tiere die keine oder kaum natürliche Feinde mehr haben und selbst am Ende der Nahrungskette stehen, die zudem nicht als Einzelgänger auftreten und sich dadurch sehr stark vermehren können, sollten zum Schutz bedrohter Arten strengstens Überwacht und soweit erforderlich auch Reguliert werden dürfen.
Sie sind einerseits Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenten anderer bedrohter Vogelarten wie z.B. Silberreiher und andererseits eine Gefährdung für den Fortbestand ganzer Fischpopulationen, die bis zur Ausrottung natürlicher Stämme führen kann und wohl auch bereits geführt hat. Sie stellen also nicht nur eine Bedrohung für die Artenvielfalt eines Ökosystems, sondern auch für die genetische Vielfalt innerhalb der bedrohten Arten dar.

Der Gemeine Kormoran (Phalacrocorax carbo), der im Volksmund auch als Scharbe, Seerabe oder Seekrähe bezeichnet wird, ist inzwischen leider zu einem besonders herausragenden Spitzenprädator avanciert. Wegen der eher schlechten Nahrungsverwertung des ca. 3 kg schweren Vogels und seines unsoliden Energiehaushalts besteht beim Kormoran ein vergleichsweise extrem hoher Bedarf an Fischnahrung (500g/Tag, zur Brutzeit bis 750g/Tag). In einigen asiatischen Ländern wird der Kormoran seit Jahrhunderten wegen seiner dienlichen Begierde nach Fisch zur Fischerei eingesetzt. Er wird dabei mit einem Schlundring präpariert, der das verschlingen der gefangenen Fische verhindert, sodass der Fischer die Beute aus ihm wieder herausschütteln kann.
Der Kormoran lebt, im Gegensatz zu den meisten anderen Spitzenprädatoren, nicht als Einzelgänger oder in kleinen Gruppen, sondern in zum Teil riesigen Kolonien. Solche Konzentrationen in lokalen Kolonien können auch der jeweiligen Aalpopulation gefährlich werden.
Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung in Schleswig-Holstein beträgt der Anteil von Aal in der Nahrung des Kormorans durchschnittlich 2%. Hochgerechnet auf Jahr ergäbe das ca. 5 Kg Aal je Kormoran, was so ziemlich genau dem durchschnittlichen Jahresfang eines Aalanglers (in Kg) nach dem o.g. Beispiel entspräche.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Verteilung der Aalangler. Diese sitzen nämlich nicht Tag für Tag zu Tausenden an einem bestimmten Gewässer. Zudem haben sich die Aalangler im Gegensatz zum Kormoran an Mindestmaße zu halten. Das heißt, die Angabe von 2% ist, was die Anzahl der Individuen betrifft, insofern nicht sehr aussagekräftig. Bei Satzaalgröße würde dies zum Beispiel bedeuten, dass im Vergleich zum Aalangler ein Kormoran etwa die 10-fache Anzahl an Aalen fängt. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der angegriffenen Fische zunächst verletzt entkommen kann, letztlich aber den z. T. schweren Verletzungen erliegt und somit für den Bestand ebenfalls verloren ist.
Kormoranpopulationen können sich nicht auf natürliche Art und Weise regulieren ohne dabei andere Arten lokal stark zu gefährden oder gar auszulöschen. Die Vermehrung findet bis zur Grenze der verfügbaren Nahrungsressourcen statt und kann letztlich sogar dieses Ökosystem zerstören. Eine Standortgebundene Art würde sich durch Krankheiten, Verhungern o.ä. selbst regulieren. Der Kormoran bildet jedoch einfach neue Kolonien und/oder zieht an das nächste Gewässer.
Auf Grund seines großen Einzugsgebietes ist der Kormoran auf diese Art und Weise zum ernsthaften Problem für viele Gewässer ganzer Regionen Europas geworden. Die meisten Gewässer, die vom Kormoran fast leergefressen wurden, was oft erst im Rahmen von Bestandskontrollen mit dem elektrischen Fanggerät bemerkt wurde, haben nur durch den Eingriff des Menschen wieder einen nennenswerten Fischbestand aufzuweisen. Dieser wurde zumeist durch Besatzmaßnahmen neu aufgebaut und führte zumindest zur Erhaltung der Artenvielfalt. Der Schaden für die genetische Vielfalt ist jedoch nicht wieder gutzumachen, weil mit dem verschwinden angestammter Arten auch die genetischen Informationen verloren gegangen sind. Künstlicher Besatz vermag dies nicht wieder in Ordnung zu bringen.
Die Behauptung der Kormoran stünde auf der roten Liste gefährdeter Arten ist irreführend. Denn es gibt 43 verschiedene Kormoranarten. Und nur solche Arten, die seit je her nur in begrenzten Gebieten mit kleinen Populationen vorkommen, stehen völlig zu Recht auf dieser roten Liste.
Der Gemeine Kormoran jedoch nicht, den er bringt es weltweit auf ca. 1.600.000 Tiere. Er ist somit, im Gegensatz zu immer wieder vorgebrachten Behauptungen, in Europa nicht gefährdet.
In Amerika, wo die dort lebenden Populationen einen vergleichbaren Schaden anrichten wie in Europa, konnten die Schäden an natürlichen Gewässern inzwischen konkret nachgewiesen werden. In Europa konnten Schäden an Teichanlagen bewiesen werden. Angesichts der länderübergreifenden Probleme mit der Überpopulation sollte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis auch hier der Nachweis der Schädigung von natürlichen Gewässern erbracht werden kann. Dabei ist unverständlich, wieso in Amerika nachgewiesene Schäden für Europa nicht vergleichbar und nachgewiesene Schäden in Teichanlagen nicht auch auf natürliche Gewässer übertragbar sein sollen. Weshalb soll ein Kormoran in einer Teichanlage durch seinen täglichen Bedarf an Fisch (500g) die Anlage nachweislich schädigen, ein anderer oder auch der gleiche Kormoran, Fischbedarf ebenfalls 500g, aber an einem natürlichen Gewässer keinen Schaden anrichten. Zumal bei einem natürlichen Gewässer zusätzlich zum Kormoran noch viele andere Faktoren relevant sind und sich nicht ohne weiteres so einfach beziffern und/oder abstellen lassen. Der Schaden für die Biodiversität dürfte in einem natürlichen Gewässer logischer Weise sogar um ein vielfaches höher liegen als in einer Teichanlage, wo durch die Vernichtung eines Fischbestandes lediglich ein finanzieller Schaden im Vordergrund steht.
Durch diese Verzögerungstaktik könnte der Eindruck entstehen, als bedürfe es tatsächlich erst der Ausrottung eines Lebewesens innerhalb eines, von allen anderen Einflüssen abgekoppelten, natürlichen Gewässers, zum Beweis einer umweltschädigenden Überpopulation an Prädatoren.
Der Kormoran war zu keinem Zeitpunkt in Europa ausgestorben. Er war jedoch in einigen Gebieten durch den Menschen derart stark verfolgt worden, dass er dort nur noch relativ selten vorkam. Weltweit ist bisher „nur“ eine Kormoranart ausgerottet worden. Sie wurde durch Seefahrer, welche die Tiere als Proviant mit auf die Schiffe nahmen, schlichtweg aufgegessen. Auch in Mitteleuropa stand der Kormoran lange Zeit auf dem Speisezettel der Menschen. Über den verbleib der alljährlich im Rahmen von gesetzlich zulässigen Vergrämungsmaßnahmen geschossenen Tiere ist nur wenig bekannt.
Mögliche Maßnahmen
Die Maßnahmen zur Regulierung der Kormoranbestände sind vielfältig, aber nur selten erfolgreich. Zuallererst muss die Politik auf die veränderte Situation der europäischen Kormoranbestände reagieren.
Ein Räuber der vielerorts zur Plage geworden ist, darf nicht daneben weiter unter vermeintlichen Generalschutz gestellt werden. Hier reagiert die Politik zuweilen leider extrem schleppend auf Veränderungen der jeweiligen Situation. Schonzeiten sind z.B. wesentlich zweckmäßiger für eine echte Biodiversität als einseitig propagierter und unzeitgemäßer Prädatorenschutz.
An Vergrämungsmaßnahmen durch Lärm gewöhnen sich die Tiere recht schnell, wenn nichts weiter passiert.
Das Fällen von Brutbäumen, die wegen des aggressiven Kots der Vögel ohnehin keine Chance haben, verhindert zumindest die Bildung und Ausbreitung der Kolonien.
Nestzerstörungen sind bisher kaum erfolgreich verlaufen.
Ähnlich erfolglos ist das Aufscheuchen der Brutvögel in kühlen Nächten mittels Scheinwerfer, was teilweise zum Brutabbruch führen kann.
In manchen Ländern werden die Eier aufwendig mit Wachs besprüht, was zum absterben der Eier führt und eine erneute Brut verhindert.
Das illegale aussetzen von Waschbären oder Haustieren mag zwar zu gewissen Erfolgen führen, richtet aber gleichzeitig unbeschreiblich hohen Schaden für den Rest des Ökosystems an und ist deshalb zurecht verboten.
Nur als letzter Ausweg und zum Schutz der bedrohten Artenvielfalt unter Beibehaltung traditioneller Gebräuche sollten Kormorane auch gezielt bejagt werden.
Der Schutz seiner Nahrungsreserven vor ihm selbst, dient letztlich sogar zum Schutz seiner eigenen Existenz. Ohne Regulierung durch den Menschen würde der Kormoran sich letztlich bis an die Grenzen der Gesamtgewässerbelastung vermehren, die Nahrungsreserven vollständig aufbrauchen und anschließend von selbst aussterben. Hierzu müsste der Mensch jedoch zusehen, wie viele andere Arten vom Kormoran vernichtet werden. Er dürfte keine Fische in die Gewässer mehr setzen, Wiederansiedlungsprojekte lokal bereits ausgestorbener oder gefährdeter Fischarten wären hinfällig und es müssten viele traditionelle Sitten und Gebräuche und z.T. auch die berufliche Existenz aufgegeben werden.
Der Mensch hat sich die Natur zu nutze gemacht. Seitdem und solange es Menschen auf der Erde gibt, ist dies nur durch Eingriffe in die Natur möglich. Jeder Eingriff hat jedoch oft auch schwerwiegende Folgen. Dies gilt es wiederum zu korrigieren um weiteren Schaden von der Natur abzuwenden. Nicht nur die Ausrottung einer Art ist solch ein schwerwiegender Eingriff in die Natur. Auch der Schutz einer einzelnen Art kann zu Schäden in der Natur führen, wenn mögliche und tatsächliche Folgen unterschätzt oder gar ignoriert werden, anstatt schnellstmöglich aus einem entstandenen Ungleichgewicht wieder ein Gleichgewicht herzustellen.
Es geht nicht darum den Kormoran oder andere Arten auszurotten bzw. an den Rand der Ausrottung zu treiben, wie es gerne von einigen Interessengruppen in z.T. verleumderischer Art und Weise gegenüber der Öffentlichkeit behauptet und propagiert wird. Es geht darum, sowohl den Kormoran, als auch die Fischbestände und damit die Biodiversität insgesamt zu erhalten und dabei gleichzeitig die traditionelle Nutzung der natürlichen Ressourcen durch den Menschen zu hüten und für nachfolgende Generationen zu bewahren.
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