Seuchen sind definitionsgemäß stark ansteckende und epidemieartige Krankheiten innerhalb einer Population. Da die Aalrotseuche eine durch Bakterien ausgelöste Krankheit ist und eine Ansteckung bzw. Übertragung von einem Tier auf ein anderes Tier nicht möglich ist, handelt es sich im Grunde also nicht wirklich um eine Seuche.

Da diese Krankheit jedoch ausschließlich den Aal befällt und dies in der Regel gleich massenweise, wird hier dennoch der Begriff verwendet. Die Aalrotseuche wird gelegentlich auch als Süßwasseraalseuche u.ä. bezeichnet. Die Bakterien stammen aus der Familie der Pseumonaden und Aeromonaden (z.B. Aeromonas punctata) und sind in allen Gewässern für den Abbau organischer Substanzen zuständig und kommen auch in allen natürlichen Gewässern zu jeder Zeit vor. Erst bei Wassertemperaturen von über 24 °C kommt es zu einer explosionsartigen Vermehrung dieser Bakterien und bei gleichzeitig stark abfallenden Sauerstoffgehalt zum Ausbruch der Krankheit. Da die Bakterienkonzentration in Grundnähe am höchsten ist und gleichzeitig durch den ringen Sauerstoffgehalt vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden, sind die in Grundnähe lebenden Aale für diese Krankheit sehr anfällig.
Insbesondere bei lange anhaltenden Hitzeperioden und in kleineren Stillgewässern ohne Abwanderungsmöglichkeit kommt es häufig zu sommerlichen Massensterben der Aale. Verdächtig sind alle langsam und träge schwimmenden Aale. Zeichen der Rotseuche sind anfangs rote Punkte im Maul- oder Bauchbereich und später größere rote Flächen (daher der Name), mit Fortschreiten der Krankheit löst sich dann die Haut ab und es entstehen große Löcher im Tierkörper, welche mit Geschwüren umrandet sein können. Diese werden durch das eindringen der Bakterien in die Aalhaut verursacht. Unter normalen Bedingungen schützt die schleimige Aalhaut die Fische sehr gut gegen solche äußeren Einflüsse. Bei großer Hitze und Sauerstoffmangel wird die Schleimschicht der Aale jedoch sehr stark geschädigt. Dadurch gelangen die Bakterien in tiefere Schichten der Aalhaut und beginnen auch dort mit dem Abbau der organischen Substanzen, wofür sie schließlich im Wasser allgemein zuständig sind. Die Bakterien können also nicht zwischen lebenden und toten organischen Substanzen unterscheiden und bauen alle entsprechenden Stoffe ab, mit dehnen sie in Kontakt geraten. Im späteren Verlauf der Krankheit löst sich die Haut ab und die Aale treiben auffällig gekrümmt an der Oberfläche bevor sie sterben.
Eine Behandlung der Aale ist unmöglich. Es gibt keine Therapie und wohl auch keine Forschung auf diesem Gebiet. Tote Aale sollten schnellstmöglich aus dem Gewässer entfernt werden. Die Krankheit selbst ist zwar nicht ansteckend für andere Fische oder den Menschen, aber die toten Aale stellen Infektionsherde dar. Die Bakterien sterben bei Temperaturen über 60 °C ab, was den Verzehr nicht erkannter aber doch infizierter Fische unbedenklich macht. Normalerweise sind durch die Seuche meist ohnehin geschwächte Tiere betroffen. Da in einigen Gebieten aber bis zu 90% der Bestände mit dem Schwimmblasenwurm befallen sind, fällt das Aalsterben bei hohen Temperaturen schnell in der gleichen Größenordnung aus. Regional begrenzt kommt es in fast jedem Jahr zu einem Fischsterben. In heißen und langen Sommern (1976, 1991 und 2003) fielen die Aalsterben extrem stark aus.
Mögliche Maßnahmen:
- Sauerstoffzufuhr bei starkem Sauerstoffmangel und hohen Temperaturen
- Besatzverbot für Gewässer ohne Abwanderungs- bzw. Fluchtmöglichkeit
- Umsiedlung von Aalbeständen aus gefährdeten Gewässern in geeignetere Gewässer Schnellstmögliches entfernen toter Aale aus betroffenen Gewässern, da sie als Infektionsherde für andere Fische gefährlich werden können
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