Der „Weibchen-Fluch“ der Aale

Wird das Mindestmaß den Aal ausrotten, statt ihn zu schützen?

Man meint es ja nur gut in den Amtsstuben. Ein Mindestmaß, so lernt es jeder Jungangler, soll dem Fisch die Chance geben, sich mindestens einmal im Leben fortzupflanzen. Ein edler Gedanke – der beim Europäischen Aal jedoch in einer biologischen Katastrophe endet. Während wir Angler brav mit dem Maßband am Ufer messen, begehen wir (gezwungenermaßen durch die gesetzlichen Regelungen) einen verhängnisvollen Fehler.

Die Mathematik des Scheiterns

Schauen wir uns die Biologie an, die in den EU-Verordnungen und Landesfischereigesetzen scheinbar niemanden interessiert: Ein männlicher Aal, also der Milchner, erreicht in seinem ganzen Leben selten mehr als 43 bis 45 Zentimeter. Das ist wissenschaftlich belegt, unter anderem durch das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow. Mit spätestens 45 Zentimetern sagt jeder Milchner „Tschüss“ und macht sich auf den Weg in die Sargassosee. Um auch statistische „Ausreißer“ hier einzubeziehen, setzte ich großzügig max. 50 cm an.

Und jetzt kommt der bürokratische Wahnsinn: In vielen Regionen liegt das Mindestmaß bei 50 Zentimetern.

Das bedeutet im Klartext:

Jeder Aal, den wir laut Gesetz entnehmen dürfen/müssen, ist garantiert ein Weibchen (Rogner).

Die Milchner hingegen stehen quasi unter einem 100-prozentigen Schutz, den sie gar nicht brauchen, weil sie ohnehin klein bleiben und abwandern.

Wir entnehmen also systematisch genau die Tiere, die für die „Produktion“ von Millionen von Eiern verantwortlich sind.

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Von Preußen bis Brüssel: Ein Jahrhundert der Fehlplanung

Schon im Preußischen Fischereigesetz von 1874 fing es an, und heute würgt uns die EU-Verordnung 1100/2007 mit ihren auswuchernden Vorschriften endgültig die Logik ab. Man verkauft uns das „Brittelmaß“ als Schutzmaßnahme, dabei ist es für den Aalbestand ein Todesurteil auf Raten.

Früher, im 19. Jahrhundert, war die Wasserqualität durch die Industrialisierung katastrophal – und der Aal? Er kam klar. Der Aal ist ein Überlebenskünstler, sein Geruchssinn leitet ihn aus jeder „stinkigen“ Brühe heraus. Was ihm heute das Rückgrat bricht, ist nicht der Schmutz, sondern die Querverbauung, die Wasserkraftwerke, Prädatoren wie Kormorane, Parasiten und eine Gesetzgebung, die biologische Fakten ignoriert.

Das „Küchenfenster“ als letzter Ausweg?

Wir reden oft vom „Entnahmefenster“. In gewissen Anglerkreisen wird es gerne als „Küchenfenster“ bezeichnet. Es wäre die Rettung: Ein Fenster, das es erlaubt, auch kleinere Aale (die Milchner) zu entnehmen und dafür die großen, hochproduktiven Rogner wieder zurückzusetzen. Doch stattdessen klammert man sich, in fasst allen Bundesländern, an veraltete Mindestmaße, die das Gegenteil von Nachhaltigkeit bewirken.

Fazit

Das aktuelle Mindestmaß schützt nicht den Aal, sondern lediglich die männlichen Tiere, während die wertvollen Weibchen massenhaft in der Küche landen müssen, sobald sie das „gesetzliche Maß“ erreicht haben. Es ist ein biologischer Widerspruch, den man kaum noch erklären kann. Wer den Aal wirklich retten will, muss aufhören, in Zentimetern zu denken, und anfangen, die Biologie zu verstehen.

Petri Heil von Aalexperten.de


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