Milliarden Dollar mit den Glasaalen (Doku 2026)

Kaum jemand schaut und hört hin

Manchmal stolpert man über Themen, bei denen man sich fragt, warum eigentlich nicht viel mehr darüber gesprochen wird. Mir ging es genau so, als ich per E-Mail im Rahmen der Premierenveranstaltung am 24. März im Filmtheater am Friedrichshain in Berlin auf die neue ARTE-Dokumentation und den begleitenden Podcast zum weltweiten Aal-Schmuggel aufmerksam gemacht wurde.

Glasaalfischer

Ein abgestürztes Flugzeug in der Karibik, beladen mit Glasaalen. Klingt erstmal wie eine absurde Randnotiz. Ist aber in Wirklichkeit der Einstieg in eines der größten, weitgehend unsichtbaren Wildtierverbrechen unserer Zeit.

Vom Rätsel zur globalen Spurensuche

Die Journalisten Sebastian Weis und Marcel Ozan Riedel haben sich über Jahre hinweg auf Spurensuche begeben. Was als einzelner Vorfall beginnt, führt sie einmal um die halbe Welt – von Ländern in Europa über die Karibik bis nach Asien.

Und plötzlich wird klar: Glasaale werden nicht einfach nur gefangen und verkauft. Sie werden geschmuggelt. Organisiert. Systematisch. Und offenbar mit Methoden, die man sonst eher aus ganz anderen kriminellen Bereichen kennt.

Besonders bedenklich: Es geht hier nicht um Einzelfälle oder „schwarze Schafe“. Es geht um ein verbrecherisch funktionierendes System.

Der Aal als Ware – und als Erzähler

Der Podcast „BILLION DOLLAR BABIES – Der Aal und die Gier“ geht dabei einen ungewöhnlichen Weg. Eine Erzählerfigur – gesprochen von Katja Riemann – begleitet die Geschichte aus Sicht des Aals.

Das klingt im ersten Moment vielleicht ungewohnt, funktioniert offenbar aber erstaunlich gut. Gerade weil dadurch immer wieder der Blick zurück auf das Wichtige gelenkt wird: Es geht nicht nur um Kriminalität, sondern um eine Art, die ums Überleben kämpft.

Eine Film-Doku, die hängen bleibt

Die ARTE-Dokumentation zeigt das Ganze noch einmal aus einer anderen Perspektive – aufrichtiger und durchdringender.

Erschreckend sind die Szenen, in denen Glasaale direkt am Strand gegen Bargeld gehandelt werden. Summen, bei denen einem klar wird, warum dieser Markt so attraktiv ist. 1500 bis 1700 Dollar je Kg und in jeder einzelnen Nacht.

Und dann diese Transportwege. Europa → Zwischenstationen → Asien. Teilweise über große Drehkreuze wie Paris oder Hongkong. Das wirkt fast schon wie ein professionelles Logistiksystem – nur eben für illegal gehandelte Tiere.

Hier kannst du dir die komplette Doku ansehen: 91 Min.- Verfügbar bis zum 19.09.2026

Milliarden Dollar Babies – Große Gewinne mit kleinen Aalen – Die ganze Doku | ARTE

Was viele nicht sehen (oder nicht sehen wollen)

Der Europäische Aal steht seit Jahren unter Druck. Das ist nichts Neues für echte Aalfreunde und AaleXperten. Diskussionen über Fangverbote, Kormorane, Querverbauungen, Besatzmaßnahmen oder Lebensraumprobleme kennen wir seit Jahren zur Genüge.

Aber genau hier wird es schwierig und an der einen oder anderen Stelle auch ein bisschen unangenehm.

Während bei uns über allgemeine Schonzeit oder generelles Entnahmefenster diskutiert wird/wurde, läuft in der Kulisse im Hintergrund ein internationaler Handel, der ganz andere Dimensionen hat. Einer, der sich nicht an Regeln hält. Einer, der mit jedem gefangenen Glasaal direkt in die Zukunft des Bestands eingreift.

Ich will das an dieser Stelle gar nicht gegeneinander ausspielen. Aber man kommt schon ins Grübeln, ob die öffentliche Debatte manchmal am eigentlichen Problem vorbeigeht.

Zwischen Faszination und Frust

Was bei mir nach der Doku länger hängen geblieben ist, ist eine Mischung aus Erstaunen und Ernüchterung.

Erstaunen, weil die Recherche wirklich stark gemacht ist und zeigt, wie komplex dieses Thema tatsächlich ist.

Ernüchterung, weil man merkt, wie wenig davon im Alltag ankommt. Weder in der breiten Öffentlichkeit noch, so ehrlich sollte man auch sein, in vielen Diskussionen innerhalb von allgemein zugänglichen und/oder geschlossenen Gruppen/Foren und/oder am Wasser.

Mein Eindruck

Wenn du dich ausführlich und tiefgründig für Aale interessierst, solltest du dir beides anschauen bzw. anhören – die Doku und den Podcast.

Nicht, weil du danach plötzlich alle Antworten hast. Sondern weil sich der Blick etwas verändert um alle Seiten wirklich zu verstehen. Und vielleicht ist genau das ein wichtiger Schritt: überhaupt erst zu begreifen, in welchen Dimensionen wir uns hier bewegen.

ZDFkultur-Podcast „BILLION DOLLAR BABIES – Der Aal und die Gier“ in 6 Teilen.

Anmerkung: Eventuell stehen (noch) nicht alle Teile des Podcast online zur Verfügung.

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