Kann der Aal als politisches Symbol sein?
Kaum zu glauben – doch selbst der Aal blieb im 20. Jahrhundert nicht verschont, als die Nationalsozialisten begannen, Natur, Sprache und Kultur in ihr ideologisches Weltbild zu pressen. In vielen Regionen galt der Aal über Jahrhunderte hinweg als Delikatesse, als kräftiger Speisefisch und wertvoller Energielieferant. Doch in den 1930er- und 40er-Jahren bekam er plötzlich einen schalen Beigeschmack: Er wurde in einzelnen Veröffentlichungen und Propagandareden als „Zigeunerfisch“ bezeichnet, sein Wanderleben als Sinnbild für „Heimatlosigkeit“ diffamiert.
Die Begründung wirkte grotesk:
Der Aal entzieht sich bis heute einer vollständigen Erforschung seines Fortpflanzungszyklus. Seine geheimnisvolle Reise zur Sargassosee und sein ewiges Unterwegssein machten ihn in den Augen nationalistischer Ideologen zum „Fremdling“. Manche gingen so weit, Parallelen zum Judentum zu ziehen – ein perfides Beispiel dafür, wie biologische Eigenheiten eines Tieres in antisemitische Propaganda hineingezogen wurden. Gleichzeitig war an der Front das Gegenteil der Fall. Der Aal galt als hochwillkommener Fettlieferant, wurde geräuchert verschickt und diente Soldaten als kräftige Nahrung. Wie passt das zusammen? Ein verachteter Fisch auf der einen Seite – ein begehrter Energielieferant auf der anderen?
„Ist diese Geschichte wahr – oder habe ich sie frei erfunden?“
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