Die Europäisch-Asiatische Aal-Mafia

Handschnellen

Wie bedroht ist der Europäische Aal wirklich? Die ZDF-Dokumentationsreihe „planet e.“ geht dieser Frage nach – und legt schonungslos offen, wie kriminelle Netzwerke mit dem illegalen Handel von Glasaalen jährlich Hunderte Millionen Euro verdienen. Etwa 30 Tonnen verschwinden jedes Jahr spurlos aus dem legalen Bestand. Die Reportage zeigt, welche dramatischen Folgen das für die ohnehin stark gefährdete Art hat – und warum internationale Schutzmaßnahmen bislang kaum greifen.

„planet e.“ nimmt den illegalen Handel mit Glasaalen unter die Lupe

Die preisgekrönte Umweltdokumentationsreihe „planet e.“ des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) widmet sich in einer aktuellen Folge einem der dramatischsten, aber oft übersehenen Umweltverbrechen Europas: dem illegalen Handel mit dem Europäischen Aal (Anguilla anguilla). Im Mittelpunkt steht dabei der Schmuggel von Glasaalen – den nur wenige Zentimeter großen Jungfischen, die in Asien als Delikatesse gelten und dort mit hohen Gewinnmargen weiteraufgezogen und verkauft werden.

Die Dokumentation beleuchtet eindrucksvoll, wie jedes Jahr etwa 30 Tonnen dieser vom Aussterben bedrohten Tierart aus dem offiziellen Handel verschwinden. Recherchen zufolge landen viele der Tiere über kriminelle Netzwerke außerhalb Europas – allen voran in China und Japan, wo für Glasaale bis zu 6.000 Euro pro Kilogramm gezahlt werden. Besonders betroffen sind Küstenregionen in Spanien und Frankreich, wo die Jungfische traditionell gefangen werden. Heute jedoch operieren dort teils hochorganisierte Banden, die mit ausgeklügelten Methoden arbeiten und enorme Gewinne erzielen: Der illegale Glasaalhandel bringt schätzungsweise rund 400 Millionen Euro jährlich ein – eine Summe, die den Profit aus Drogen- und Waffenhandel zumindest in Teilen vergleichbar macht.

„planet e.“ deckt in gewohnt fundierter Weise auf, wie das kriminelle Netzwerk funktioniert: von der nächtlichen Wilderei an Europas Flussmündungen über dubiose Transporte in Koffern und isolierten Verpackungen bis hin zur internationalen Verschiffung unter falschen Deklarationen. Die Doku zeigt auch, wie schwer es den Behörden fällt, dem organisierten Umweltverbrechen Einhalt zu gebieten – trotz verschärfter Kontrollen und internationaler Abkommen.

Die Reportage bietet nicht nur schockierende Einblicke in ein kriminelles Milliardengeschäft, sondern stellt auch die Frage, wie Europa die letzten Bestände des Europäischen Aals noch retten kann – bevor es zu spät ist.

Trotz strenger EU-Fangquoten und eines Exportverbots floriert der illegale Handel mit Glasaalen weiterhin. Schmuggler nutzen abgelegene Küstenabschnitte, um die Jungfische an Land zu bringen, und transportieren sie über komplexe Routen, die mittlerweile auch über Länder wie Mauretanien und Senegal führen. In Asien, insbesondere in China und Japan, gelten Glasaale als Delikatesse und erzielen auf dem Schwarzmarkt Preise von bis zu 6.000 Euro pro Kilogramm – deutlich mehr als für Cannabis oder Kaviar . Ein Kilogramm Glasaale besteht aus etwa 3.500 Individuen .

Allein in den letzten Monaten beschlagnahmten Behörden in Südeuropa fünf Tonnen illegal gehandelter Glasaale, was einem Schwarzmarktwert von rund 30 Millionen Euro entspricht . Seit 2017 konnten durch internationale Operationen insgesamt 87 Tonnen Glasaale im Wert von über einer halben Milliarde Euro sichergestellt und 850 Verdächtige festgenommen werden . Dennoch wird geschätzt, dass die beschlagnahmte Menge nur etwa 5–10 % des tatsächlichen Schwarzmarkthandels repräsentiert, was auf ein erheblich größeres Ausmaß des illegalen Handels hindeutet .

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