Ernährung der Aale

Was fressen die europäischen Aale?

Vorwiegend nachts, bei trübem oder tiefem Wasser sowie bei bedecktem Wetter, aber gelegentlich auch tagsüber, geht der Aal vom Frühjahr bis zum Herbst eines Jahres auf Futtersuche. Die Aale befinden sich dann in der sogenannten Fressphase oder im Gelbaalstadium. Die Aale gelten allgemein als Allesfresser. Sie sind allerdings gleichzeitig sehr wählerisch und fressen nicht alles. Ab einer Länge von ca. 30 cm steigen Aale grundsätzlich nicht weiter in die Gewässer auf, sondern suchen sich einen geeigneten Unterschlupf. Sie sind dann relativ standorttreu und unternehmen nur noch recht kurze Ausflüge zur Nahrungssuche bzw. jahreszeitlich bedingte Standortveränderungen im Sommer-/Winterrhythmus.

Aale sind Allesfresser. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie tatsächlich alles fressen, was ihnen vor das Maul kommt. Es besagt lediglich, dass die Nahrungspalette des Aals sehr breit gefächert ist. Insbesondere verwesende Nahrung wird von Aalen nicht gern aufgenommen. Alles, was nicht frisch ist, wird zumeist konsequent gemieden.

Der Aal ist in diesem Sinne also kein Aasfresser!

Vermutlich führten ungenaue Beobachtungen und damit verbundene Irrtümer zu diesem sich hartnäckig haltenden Irrglauben. Möglicherweise wurden frische „Schlachteabfälle“, die teilweise vom Aal sehr gern genommen werden (z. B. Hühnerdarm, Leber, …), mit verwesendem Aas verwechselt. Die Aale fressen selbstverständlich auch nicht die Wasserleichen. Er nutzt vielmehr jegliche Möglichkeit, einen Unterschlupf (Kleidung wie Hosenbeine) zu finden.

Natürliche Nahrung

Die natürliche Nahrung der Aale ist von Gewässer zu Gewässer und von Jahreszeit zu Jahreszeit verschieden. Die Ernährung des Aals ist in erster Linie von der Verfügbarkeit und Konzentration der entsprechenden Nahrungsquellen abhängig, welche sich im Verlauf eines Kalenderjahres verändern können. Darüber hinaus ändert sich die Ernährung auch mit zunehmendem Alter des Fisches.

Zur natürlichen Nahrung des Europäischen Flussaals (Anguilla anguilla) zählen – ohne Wertung, Rangfolge oder Vollständigkeit – nachfolgende Quellen:

Fische (darunter auch Laich, Brutfische, Jungfische und diverse Kleinfischarten)

Fischbrut

Der Aal gilt in Salmoniden-Gewässern als unerwünscht, da er ein starker Laichräuber ist. Aber nicht nur dort macht er sich über den Laich anderer Arten her. Insbesondere zur Laichzeit der meisten Weißfischarten gerät er in einen regelrechten Fressrausch. Dieser kann sogar so weit führen, dass er selbst für seine Verhältnisse viel zu große Weißfische angreift und ihnen den Bauch quetscht, ja sogar aufreißt, nur um an deren Laich zu gelangen.

Auch die aus dem Laich schlüpfende Brut sowie die Jungfische sind nicht vor dem Aal sicher. Gleiches gilt für Kleinfischarten wie Stichling, Gründling, Stint, Ukelei, Sprotte oder Tobiasfisch. Alles, was der Aal mit seinem Maul bewältigen kann, wird auch von ihm genommen und gefressen. Darüber hinaus sind Aale auch sehr kannibalistisch veranlagt. Wie Untersuchungen des Mageninhaltes von älteren Aalen ergeben haben, werden insbesondere in Küstenregionen und in zugewanderten und besetzten Gewässern zahlreiche Glasaale von Artgenossen gefressen.

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Im Verlauf des Kalenderjahres nimmt der Anteil von Fisch an der Gesamtnahrung bis zum September stetig zu. Gleiches gilt mit zunehmendem Alter eines Aals. Je nach sonstigem Nahrungsangebot spezialisieren sich einige Aale und werden zu echten Fischräubern. Dabei verändert sich die Form des Kopfes zugunsten größerer Nahrungsbrocken. Man spricht dann von Breitkopfaalen (nicht zu verwechseln mit Blankaalen).

Flusskrebse, Krabben und Garnelen

Garnelen

Der Aal zählt zu den größten Fressfeinden der Krebse. Viele einheimische Flusskrebsbestände wurden u. a. durch falsche Besatzmaßnahmen mit Aalen zerstört. Der Versuch des österreichischen Sportfischers Max von dem Borne, die heimischen Arten durch Besatz amerikanischer Krebse zu ergänzen, brachte die heimischen Arten inzwischen an den Rand der Ausrottung. Denn anders als der Amerikanische Flusskrebs (Kamber-Krebs) kommen einheimische Arten mit der sog. Krebspest (Pilzerkrankung), deren Überträger der Amerikanische Flusskrebs ist und die mit ihm eingeschleppt wurde, nicht zurecht. In Gewässern mit einheimischen Krebsbeständen ist Aalbesatz i. d. R. verboten. Die einheimischen Flusskrebse (Edelkrebs, Steinkrebs usw.) stehen unter Schutz und dürfen nur noch mit Sondergenehmigung gefangen werden.

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Die Aale beschränken sich nicht, wie gelegentlich behauptet wird, nur auf junge oder frisch gehäutete und deshalb weiche Krebse (Butterkrebse), sondern jagen und fressen auch viel größere Exemplare mit festem Panzer. Er greift dabei vom Kopf her an und versucht, Scheren und Gliedmaßen nacheinander durch schnelle Drehbewegungen abzureißen. Anschließend reißt der Aal vom wehrlosen Tier Fleischstücke heraus. Dies bestätigen auch eigene Beobachtungen im Aquarium.

Für Krabben, insbesondere die eingeschleppten und massenhaft vorkommenden Wollhandkrabben, haben Aale ebenfalls eine besondere Vorliebe. Sie werden von den Aalen geknackt, der Schädeldeckel aufgeklappt und das Fleisch herausgefressen. Dies wird durch Reusenfunde von Berufsfischern bestätigt.
Da die Wollhandkrabben gleichzeitig auch eine beträchtliche Nahrungskonkurrenz für den Aal darstellen, schlägt er hier gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Amphibien (Frösche, Unken und Molche)

Kaulquappen

Amphibien haben durch ihre gespaltene Lebensweise – sowohl an Land als auch im Wasser – eine sehr hohe Anzahl an Fressfeinden. Während an Land den ausgewachsenen Tieren diverse Säugetiere, Vögel und Reptilien nachstellen, sind es im Wasser räuberische Insektenlarven, Wasservögel und Fische wie der Aal, die sich über den Laich, die Jungtiere (z. B. Kaulquappen) und gelegentlich auch über ausgewachsene Amphibien hermachen und sie fressen. Es gibt weltweit über 6000 verschiedene Arten, von denen etwa ein Drittel auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht. Auch die übrigen Arten sind zumeist durch menschliche Eingriffe gefährdet und indirekt über die FFH-Richtlinie geschützt.

Weichtiere wie Muscheln und Schnecken

Miesmuscheln

Schnecken und Muscheln zählen zur Hauptnahrung der meisten Friedfische. Es gibt weltweit ca. 50.000 Arten. Auch Aale fressen gerne Muscheln und Schnecken und zählen daher zu ihren Fressfeinde. Hinsichtlich der Schnecken beschränkt sich der Aal nicht nur auf die im Wasser lebenden Arten, sondern begibt sich zumeist im Frühjahr auch auf überschwemmte Wiesen und Felder, um dort Landschnecken zu fressen.

Insbesondere in den Sommermonaten macht der Anteil an Muscheln und Schnecken speziell bei jungen Gelbaalen offenbar bis zu 20 % der gesamten Nahrungspalette aus. Während die meisten Landschnecken – und hier besonders die Nacktschnecken – eher als eine Plage anzusehen sind, sind die meisten Muscheln durch Gewässeraus- und -verbau sowie durch Gewässerverschmutzung in ihrer Art bedroht.

Ringel- und Gliederwürmer

(z. B. Tauwurm, Blutegel, Schlammröhrenwürmer / Tubifex)

Tauwürmer

Der Europäische Tauwurm (Lumbricus terrestris) ist noch vor dem Kompostwurm die bekannteste und verbreitetste Art unter den Regenwürmern. Der Name Regenwurm hat wohl nichts mit dem Regen, der vom Himmel fällt, zu tun, sondern eher mit dem „sich regen“, also einer eifrigen Bewegung (hier unter der Erde). Ein „regender“ Wurm eben.

Er ist bis zu 30 cm lang (in manchen Bundesländern entspricht dies dem Schonmaß für Aal!). Sein Körper ist im Kopfbereich rot bis braunviolett gefärbt und hellt sich zum abgeplatteten Ende bis ins Blassrosa auf. Der Körper selbst besteht aus bis zu 180 Segmenten, die über Längs- und Ringmuskeln die für Würmer typische Fortbewegung ermöglichen. Jedes dieser Segmente ist zudem mit ausfahrbaren Borsten ausgestattet. Diese geben dem Wurm einen sehr guten Halt in seiner bis zu 7 m tiefen Wohnröhre.

Die Atmung erfolgt über die Haut. Das Strickleiternervensystem des Regenwurms dürfte vielen noch aus dem Biologieunterricht bekannt sein: 1 Gehirn, 2 Bauchmarkstränge und je eine Querverbindung in jedem Segment.

Der Tauwurm ist ein Zwitter, kann sich aber nicht mit sich selbst fortpflanzen. Ob er die Geschlechtsreife erreicht hat, ist an einem auffälligen Gürtelsegment (Clitellum) erkennbar. Ohne dieses Segment sind Tauwürmer nicht fortpflanzungsfähig. Obwohl jeder Wurm sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane besitzt, sind immer 2 Würmer zur Paarung erforderlich. Hierzu legen sie sich in entgegengesetzter Richtung genau an der Stelle des Gürtelsegments an und verkleben miteinander.

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Damit der Tauwurm an der Luft nicht austrocknet, bevorzugt er kühle und feuchte Nächte, um sich an der Erdoberfläche zu paaren. Zusätzlich wird von der Haut Schleim abgesondert, der ihn vor dem Austrocknen schützt. Frühjahr und Herbst sind somit die besten Zeiten, um Tauwürmer zu sammeln. Sowohl bei Bodenfrost als auch bei starker Hitze und Trockenheit zieht sich der Tauwurm tief in die Erde zurück.

Er ernährt sich von abgestorbenen Pflanzenteilen, die er in sein weit verzweigtes Röhrensystem zieht. Die Verdauungsreste werden zum Teil aus der Wohnröhre herausgeschoben. An diesen kleinen Erdhäufchen („Kleckerburgen“) ist die Anwesenheit der scheuen Würmer zu erkennen.

Als Gartenbesitzer sollte man sich genau überlegen, den Rasen mit Exemplaren zu „impfen“, um vor Ort diese Köder frisch zur Verfügung zu haben. Konsequenz: Die Würmer sorgen zwar für gute Durchlüftung des Rasens, locken aber Maulwürfe magisch an!


Keine Häufchen = keine Tauwürmer.


Wurmhaufen

Nach der Paarung legt der Tauwurm einen kleinen, hellbraunen bis gelblichen, max. 90 mg schweren Kokon mit mehreren Eiern tief in der Erde ab. Meistens entwickelt sich jedoch nur ein einziger Wurm daraus. Die Brutzeit beträgt ca. 90 Tage. Bis zur Geschlechtsreife vergehen weitere 200 bis 250 Tage. Die Lebensdauer in der Natur beträgt in der Regel nur 2 Jahre, oft wird dieses Alter jedoch nicht erreicht, da es sehr viele Fressfeinde und auch Angler gibt. In wenigen Ausnahmefällen erreicht ein Tauwurm bis zu 10 Jahre.

Tauwürmer besitzen Stammzellen. Diese können theoretisch zu allem werden, was ursprünglich vorhanden war. Praktisch ist es für den abgetrennten Kopfteil immer möglich, ein neues Schwanzende auszubilden. Das Schwanzende kann jedoch nur dann einen neuen Kopf regenerieren, wenn nicht mehr als 16 Segmente des Kopfteils abgetrennt wurden. Fehlen mehr, stirbt der Hinterteil ab und nur aus dem Vorderteil entsteht ein neuer Wurm. Sich auf diese Weise eine Tauwurmzucht anzulegen und die Zahl zu verdoppeln, indem allen Tauwürmern die Köpfe abgeschnitten werden, ist im Übrigen keine gute Idee.

Im Garten und auf der Wiese sind Tauwürmer besser und einfacher aufgehoben – und vor allem viel nützlicher. Durch ihre Grabetätigkeit lockern sie den Boden auf und sorgen für eine gute Durchlüftung. Ebenso kann Wasser besser vom Boden aufgenommen werden. Zudem fressen sie alte und abgestorbene Pflanzenteile und wandeln diese in wertvolle Pflanzennährstoffe um. Untersuchungen haben ergeben, dass Tauwurmkot 11-mal mehr Kalium, 7-mal mehr Phosphat, 2,5-mal mehr Magnesium, 5-mal mehr Stickstoff und 50 % mehr Calcium als normale Erde enthält.

In Deutschland steigt pro Jahr die Höhe von Weideflächen durchschnittlich um 5 mm – nur durch den Kot von Regenwürmern! Oder anders ausgedrückt: Auf einer Weidefläche von 100 × 100 Metern (1 ha) werden pro Jahr bis zu 40 Tonnen nährstoffreiche Regenwurmerde produziert.

Seeringelwurm und Wattwurm

Wattwürmerhaufen

Wattwürmer (auch Sandpierwurm oder Pierer) und Seeringelwürmer (auch Nereiden) kommen ausschließlich im Meer vor und gehören dort zur Nahrung der überwiegend männlichen Aale.

Wattwürmer werden bis zu 40 cm lang und sind im vorderen Bereich ca. 2 cm im Durchmesser, der sich zum Ende hin verjüngt. Sie leben, wie der Name schon sagt, im Sandboden des Wattenmeers. Sie liegen in U-förmigen Wohnröhren, die ca. 20 bis 40 cm tief reichen können. Am Kopfende der Wohnröhre befindet sich eine kleine Vertiefung, die durch das Fressen des Sediments entsteht. Am hinteren Ende der Wohnröhre taucht ca. alle 30 Minuten das Ende des Wattwurms auf und hinterlässt einen spaghettiförmigen Wurmhaufen. Auf diese Weise filtert der Wattwurm die Nahrungsbestandteile aus dem Meeresboden. Je Quadratmeter Watt tummeln sich durchschnittlich 40 Wattwürmer, die je Wurm ca. 25 kg Sand im Jahr fressen und wieder ausscheiden. Auf diese Weise wird das gesamte Watt der Nordsee alljährlich bis zu einer Tiefe von ca. 20 cm durchgefiltert.

Seeringelwürmer

Seeringelwürmer kommen nicht nur in den Gezeitenzonen der Nordsee, sondern auch in Ostsee, Mittelmeer und Atlantik vor. Sie werden bis zu 20 cm lang und graben sich ebenfalls ins Sediment des Meeresbodens ein. Hier legen sie jedoch weit verzweigte Gänge an. Seeringelwürmer fressen pflanzliche und auch tierische Nahrung und besitzen neben 2 Augen auch 2 mit Zähnen ausgestattete Kiefer in einem ausstülpbaren Rüssel.

Grashüpfer, Heupferde, Grillen (Springschrecken)

Weltweit gibt es fast 20.000 Springschreckenarten. In Europa sind es jedoch gerade einmal 135 Arten. Sie stehen in der Regel nicht unter Schutz. Einige Arten können sich unter günstigen Bedingungen sogar zu einer regelrechten Heuschreckenplage entwickeln und ganze Landstriche verwüsten. Die Aale fressen diese Tiere eher zufällig von der Gewässeroberfläche, wo sie durch Fehlsprünge oder durch Wind ins Wasser gelangen.

Nymphen der Stein- und Eintagsfliegen

Eintagsfliege

Es gibt jeweils über 100 Arten der Stein- und Eintagsfliegen in Europa. Sie werden von Aalen im Larvenstadium, das mehrere Jahre andauern kann und sich im Wasser abspielt, sehr häufig gefressen. Insbesondere im Frühjahr stehen diese Insektenlarven bei mehr als der Hälfte der Aale auf dem Speiseplan.

Schlammfliegenlarven (Tobifex), Köcherfliegenlarven, Mückenlarven u. a. Fliegenlarven

Köcherfliegenlarven sind ein Indikator für gute Wasserqualität und stehen auf dem Speiseplan der meisten Fischarten. Auch der Aal kann diesem Leckerbissen nicht widerstehen. Von den weltweit ca. 7.000 Köcherfliegenarten kommen ca. 300 in Mitteleuropa vor. Auffälligstes Kennzeichen der erwachsenen Tiere sind die behaarten Flügel.

Nach der Paarung werden Ei-Pakete auf verschiedenen Wegen ins Wasser abgegeben. Die meisten Larven wachsen ausschließlich im Wasser auf. Zum Schutz vor Fressfeinden bauen sich viele Larven einen Köcher als Panzer. Hierzu besitzen sie spezielle Drüsen, mit denen sie spinnwebenartige Fäden erzeugen können. Diese werden zum Verkleben diverser Substrate (zumeist Schilf- und Pflanzenstücke oder kleine Steinchen) verwendet. Zudem gibt es einige räuberische Arten, die mit den Fäden kleine Fangnetze bauen.

Zuckmücken gibt es weltweit in ca. 5.000 verschiedenen Arten, von denen etwa 15 % in Mitteleuropa vorkommen. Diese Mücken können nicht stechen und ernähren sich meist von Nektar.

Tobifex

Die Larven einiger Arten kommen selbst unter extremsten Lebensbedingungen vor. So gibt es Arten, die in über 50 °C heißen Quellen leben, und andere, die vorübergehend sogar ein Einfrieren überleben können. Einige Arten bilden zum Schutz ebenfalls einen Panzer, ähnlich wie die Köcherfliegenlarven.

Zuckmückenlarven gehören nicht nur zur Nahrungsgrundlage vieler Fischnährtiere, sondern auch zur Nahrung vieler Fische selbst. In sauerstoffarmen Gewässern leben vorrangig rot gefärbte Arten, die ihren Sauerstoffbedarf durch einen höheren Hämoglobinanteil (Blutfarbstoff) decken können.

Libellenlarven

Großlibellenlarve

Es gibt ca. 80 einheimische Libellenarten. Ihre Larven entwickeln sich vorwiegend unter Wasser. Sie jagen und fressen dort Flohkrebse und Mückenlarven. Größere Arten greifen auch Brutfische an. 16 Arten sind vom Aussterben bedroht, die übrigen gelten zumeist als gefährdet.

Auch wenn Libellen nicht in der Lage sind zu stechen oder schmerzhaft zu beißen (Aberglaube), dürfen sie nicht zum Angeln oder Ähnlichem verwendet werden.

Wegen der schwierigen Artbestimmung stehen alle Libellenarten unter strengstem Artenschutz. Auch wenn die abgebildete Mosaikjungfer relativ häufig vorkommt, dürfen lediglich die Rückstände aus den Häutungsvorgängen gesammelt werden. Die Aale fressen lediglich die Larven der Libellen.

Käfer und Käferlarven

Borkenkäferlarve

Es sind weltweit ca. 350.000 Käferarten beschrieben, und alljährlich kommen Hunderte hinzu. Sie kommen mit Ausnahme der Antarktis auf allen Kontinenten vor. Sie sind sowohl unter Wasser als auch an der Luft zu finden. Einige Arten verbringen ihr Leben im Wasser, können aber dennoch sehr gut fliegen. Manche Arten erreichen eine Länge von bis zu 17 cm.

In Europa ist der Hirschkäfer mit 7,5 cm Länge die größte Art. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen Käfer im Larvenstadium. Und als solche, insbesondere bei den im Wasser aufwachsenden Arten, werden sie auch überwiegend von Aalen und anderen Fischen gefressen.

Ein sehr guter Köder ist die Lave des Borkenkäfers.

Aber auch ausgewachsene Wasserkäfer sowie Larven und Käfer von landlebenden Arten werden vom Aal gefressen. Im Bereich von überhängenden Büschen und Bäumen fallen sie nicht selten ins Wasser und werden so zur leichten Beute.

Einige Käferarten zählen als Nützlinge für den Menschen, andere als Schädlinge. Vom Aussterben bedrohte Arten wie der Hirschkäfer – der schon so manchem Aalangler zwischen Ende Mai und Anfang Juli bei seinem laut brummenden Ausflug in die Dämmerung aufgefallen ist – stehen unter Schutz.

Weitere Nahrungsquellen des Aals:

Wasserflöhe und Krebstiere: Flohkrebse, Asseln und Schwebgarnelen

Salinenkrebs

Von den weltweit vermuteten 35.000 Flohkrebsarten sind bisher nur etwa 7.000 beschrieben worden. Flohkrebse kommen auf allen Kontinenten vor, die meisten Arten jedoch im Meer. Im Süßwasser ist hierzulande der Bachflohkrebs am weitesten verbreitet. An Land lebende Flohkrebse werden als Sandflöhe bezeichnet.

In einigen Gewässern machen Flohkrebse und Wasserflöhe bis zu 20 % der Nahrung des Aals aus – unabhängig davon, ob es sich um Spitzkopf-, Schmalkopf- oder Breitkopfaale handelt.

Auch Wasserasseln gehören zum Nahrungsspektrum des Aals. Sie leben am Grund der meisten stehenden und langsam fließenden Gewässer Europas, ernähren sich von Pflanzenresten und sind relativ unempfindlich gegenüber Gewässerverschmutzungen. In Mitteleuropa gibt es allerdings nur ein bis zwei Arten der Wasserassel. Asseln – auch die an Land lebenden wie die Kellerassel – atmen durch Kiemen.

Immer größere Verbreitung in Binnengewässern finden die Süßwasserschwebegarnelen. Ursprünglich nur in Weltmeeren, Brackwasser und Flussmündungen heimisch, wurden einige Arten durch den Menschen in große Binnenseen (z. B. Bodensee) eingeschleppt. Dort bilden sie inzwischen riesige Schwärme und können das natürliche Gleichgewicht beeinflussen. Die Donau gilt mittlerweile sogar als das mysidenreichste Binnengewässer der Welt.

Wanzen und Wasserläuse

Rückenschwimmer

Es gibt weltweit rund 40.000 Wanzenarten, davon ca. 1.000 in Europa. Die meisten leben an Land, nur etwa 350 Arten weltweit im Wasser. Dazu zählt auch der weit verbreitete Rückenschwimmer, im Volksmund „Wasserbiene“ genannt, da er beim Fang schmerzhaft stechen kann. Wanzen gehören nicht zu den bevorzugten Beutetieren des Aals, werden aber gelegentlich gefressen.

Ähnlich verhält es sich mit einigen Wasserläusen, die vor allem in stehenden Gewässern vorkommen. Algenläuse besitzen eine elliptische, schildkrötenförmige Körperform. Fischläuse hingegen sind entfernte Verwandte der Krebstiere. Von den rund 130 bekannten Arten leben sie parasitisch auf Fischen und können diese schädigen. Auch Wasserläuse landen nur selten auf dem Speiseplan des Aals.

Wasserspinnen und Wassermilben

Wassermilben

Wasserspinnen und -milben sind aufgrund ihrer Seltenheit und geringen Größe nur selten Teil der Aalnahrung, sollen hier jedoch nicht unerwähnt bleiben.

Raupen

Teboraupen

Raupen gehören ebenfalls zu den eher zufälligen Nahrungsbestandteilen des Aals. Ähnlich wie Käfer fallen sie gelegentlich von überhängenden Ästen und Sträuchern ins Wasser. In solchen Fällen werden sie vom Aal gern gefressen. Diese Raupen stammen von verschiedenen Schmetterlings- und Falterarten. Auch die sogenannten Teboraupen – fälschlicherweise oft als Tebolarven bezeichnet – gehören dazu.

Quallen

Ohrenquallen

In Küstengewässern und wenigen Binnengewässern kommt es vor, dass Aale auch Quallen fressen. Der Anteil an der gesamten Nahrungsaufnahme ist jedoch unbedeutend.

Algen, Polypen und Moostierchen

In stehenden Gewässern mit geringem Nahrungsangebot fressen Aale auch Algen, Polypen und Moostierchen. Der Anteil an der Gesamt­nahrung kann in solchen Habitaten sogar mehr als 10 % ausmachen.

Fazit

Der Aal hat als Allesfresser eine große und vielfältige Auswahl an natürlichen Nahrungsquellen. Einige dieser Nahrungsquellen sind durch menschliche Eingriffe inzwischen lokal stark in Bedrängnis geraten und stellen somit auch eine latente Ursache für den Rückgang der Aalbestände dar.

In Gewässern, in denen bestimmte Nahrungsangebote überwiegen, können sich spezielle ernährungsbedingte Kopfformen der Aale herausbilden. In verbutteten Gewässern wird man vermehrt Breitkopfaale feststellen. Dagegen wird man in stark eutrophen Gewässern mit gleichzeitig hohem Raubfischbestand doch eher Spitzkopfaale antreffen.
Wie bereits an anderer Stelle geschildert, stellen diese Extreme jedoch nur Ausnahmen der vornehmlich präsenten Normalform des europäischen Aals dar.

Bitte immer die jeweiligen gesetzlichen Vorschriften (Fangverbote, Schonzeiten, Artenschutz, …) beachten. Dies ist besonders bei der Verwendung von tierischen Ködern zu beachten.

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