Das ABC der Erfolge beim Aalangeln

Wie überlistet man sportlich und fair einen strammen Aal und welche Voraussetzungen und Faktoren sollten dafür vorliegen? – Ein Petri Heil von A bis Z

Lesezeit: ca. 45 Minuten

Jeder Aalangler erinnert sich nicht gerne an Schneidernächte am Wasser. Die vergeudete Zeit und Liebesmüh werden lieber schnell vergessen. Nächte, in denen die leuchtende Pose nicht unter der Oberfläche verschwindet, sich die Rutenspitze nicht bewegt, das Glöckchen oder der Bissanzeiger keinen einzigen Ton von sich gibt und kein Schleicher im Kescher landet.

Ungern – eigentlich nie – spricht man über die Abende, an denen trotz bester Erwartungen nichts passiert ist und der Heimweg enttäuscht angetreten werden musste. Welche Gründe es für die Misserfolge beim Aalangeln gibt, habe ich bereits im Gegenbeitrag zum ABC der Misserfolge beim Aalangeln ausführlicher beschrieben. Doch wie machen es erfahrene Aalangler erfolgreicher?

Erfolg beim Aalangeln

Zum erfolgreichen Aalangeln gehören zunächst auch Misserfolge, aus denen sich Erfahrungen gewinnen lassen.

Das ist völlig normal und führt letztendlich mit der Zeit zu einem besseren Verständnis für das Aalangeln und damit auch zu mehr erfolgreichem Können. Am Anfang stellen sich deshalb ganz einfache Fragen: Wie, wo, wann und womit lassen sich Aale am besten überlisten?

Der beste Tipp für den Erfolg beim Aalangeln ist natürlich, überhaupt erst zum Angeln ans Wasser zu gehen oder zu fahren. Auch wenn einige Faktoren – beispielsweise eine klare Vollmondnacht – auf den ersten Blick eher dagegen sprechen, … ist es aber wirklich so einfach? Eigentlich nur dann nicht, wenn Schonzeit besteht, ein Fangverbot gilt oder am ausgewählten Gewässer überhaupt keine Aale vorkommen. Bei einem ohnehin bestandlosen Gartenteich dürfte die Erfolgsaussicht ebenfalls überschaubar sein. Ein kleines Augenzwinkern sei an dieser Stelle erlaubt. 😉

Gerade bei Einsteigern entstehen immer wieder vermeidbare Misserfolge. Auch das gehört zum Lernen beim Angeln dazu. Wenn andere „alte Hasen“ jedoch schon jahrelange Erfahrungen gesammelt, typische Fehler erkannt und hinter sich gelassen haben, sind deren Erkenntnisse, Lösungen und Tipps beim Aalangeln besonders wertvoll. Dieses Wissen lässt sich nicht allein durch allgemeine Theorie und Auswendiglernen erwerben. Vieles entsteht erst durch die praktische Erfahrung am Wasser.

Wer einmal mit einem erfahrenen Aalangler unterwegs war, kennt diesen Unterschied. Während Anfänger häufig vor allem Fänge in Statistiken, oberflächlichen Kommentaren oder Internetforen betrachten und sich an Bildern erfolgreicher Angeltage orientieren, achten erfahrene Angler beim Ansitz auf zahlreiche kleine Details, die in vielen Beiträgen kaum erwähnt werden.

Sie beobachten den Wasserstand, die Wassertemperatur, die Wetterentwicklung, die Gewässerstruktur, mögliche Aufenthaltsbereiche der Aale, die Köderplatzierung und zahlreiche weitere Einflüsse. Diese Beobachtungen werden miteinander verknüpft und in der Praxis umgesetzt.

Ein erfahrener Aalangler setzt sich deshalb eher nicht so einfach irgendwo ans Wasser. Er überlegt: Hier könnte es sich lohnen.

Nicht jeder einzelne dieser Faktoren entscheidet für sich allein über Erfolg oder Misserfolg. Ihre Kombination kann aber den entscheidenden Unterschied machen.

Exakt hier setzt mein Ansatz zum Erfolg beim Aalangeln an.

Nach einer erfolgreichen Nacht wird am Wasser, im Verein oder in sozialen Netzwerken häufig schnell ein „Petri Heil“ ausgesprochen – und natürlich freut man sich darüber. Doch damit erschließt sich noch lange nicht, warum die Nacht tatsächlich erfolgreich war.

War es wirklich das eigene Können oder vielleicht doch „nur“ Zufall? Lag es an der Taktik? Am verwendeten Equipment? Am Angelplatz? Oder herrschten zufällig genau die richtigen Bedingungen? Und wenn das Wetter optimal war: Welche Bedingungen waren eigentlich optimal?

Doch wäre das nicht etwas zu schlicht gedacht – Hauptsache, ein paar Aale hängen nach vielen Nächten im Räucherofen?

Wenn Wetter, Jahreszeit und Mondphase perfekt zusammenpassen, bleibt der Aal manchmal trotzdem aus. Umgekehrt gibt es Nächte, in denen nahezu alles gegen einen erfolgreichen Ansitz spricht – und dennoch wird plötzlich ein schöner Schleicher am Ufer gelandet.

War es zufälliges Glück oder eher Wissen und Können?

Die Wahrheit liegt manchmal irgendwo zwischen diesen beiden Ergebnissen.

Ein guter Erfolg hat nur selten einen einzigen Auslöser. Viel häufiger kommen mehrere kleine, zunächst vielleicht unbeachtete Einflüsse zusammen. Vielleicht war es zufällig die passende Wassertemperatur. Eventuell lag der Köder gerade genau dort, wo ein Aal auf Nahrungssuche vorbeizog. Vielleicht wurde der Angelplatz besonders gut ausgewählt. Oder der entscheidende Biss wurde dank eines neuen und passenden Bissanzeigers rechtzeitig und präzise erkannt.

Jeder einzelne Punkt mag für sich genommen zunächst unbedeutend erscheinen. In ihrer Summe machen sie jedoch genau den Unterschied zwischen einer sehr erfolgreichen Aalnacht und – im schlimmsten Fall – einem weiteren Schneider ausmachen.

Genau deshalb soll dieser Beitrag bewusst eine Sammlung von Hinweisen, Erfahrungen und Tipps für erfolgreiches Aalangeln sein. Er versteht sich als Gegenstück zum bestehenden Beitrag über die Ursachen eines Misserfolges beim Aalangeln.

Lösungen für Herausforderungen beim Aalangeln finden sich natürlich in zahlreichen Büchern, Zeitschriften und Internetbeiträgen – manche davon auch recht umfassend, andere aber eher oberflächlich. Dieser Beitrag soll die verschiedenen Faktoren etwas ausführlicher miteinander verbinden. Deshalb wird es im weiteren Verlauf auch mehrfach Verweise und Sprungmarken zu anderen passenden Abschnitten und weiterführenden Beiträgen geben.

Im Mittelpunkt steht die Suche nach möglichst günstigen Bedingungen, sinnvollen Maßnahmen und den richtigen Entscheidungen für einen Erfolg beim Aalangeln.

Die folgenden Faktoren sollen und sind deshalb auch keine Rangliste. Sie wurden von mir bewusst alphabetisch von A bis Z geordnet. In der Praxis entscheidet, wie bereits verdeutlicht, nur selten ein einzelner Punkt über Erfolg oder Misserfolg. Viele Faktoren greifen ineinander, beeinflussen sich gegenseitig oder können sich sogar verstärken beziehungsweise abschwächen.

Manche Einflüsse lassen sich vom Angler kaum beeinflussen – beispielsweise das Wetter, die Wassertemperatur oder die Anwesenheit einer Kormorankolonie. Andere Faktoren liegen dagegen weitgehend oder sogar vollständig in der Hand des Aalanglers.

Vielleicht wirst du auch nach dem Lesen meines längeren Beitrages nicht bei jedem Ansitz einen Aal fangen. Das wäre vermutlich auch etwas zu viel versprochen.

Aber vielleicht stellst du dir nach einer besonders erfolgreichen Nacht künftig auch einmal eine andere Frage:

Lässt sich dieser Erfolg wiederholen – und welche Faktoren haben diesmal tatsächlich dazu beigetragen?

Genau diese Frage ist für mich inzwischen wesentlich interessanter als lediglich das Foto einer guten Strecke oder ein voller Räucherofen. Ja, auch ich habe vor langer Zeit – Anfang der 2000er, bevor es Jahre später die ersten sogenannten modernen Medien wie Facebook und Co. im Internet auftauchten, ebenfalls „vergleichbare“ Bildchen auf Aalfreun.de stolz eingestellt. Wer aber beginnt, erfolgreiche und erfolglose Ansitze lieber miteinander zu vergleichen, sammelt positive und eben auch negative Erfahrungen. Er erkennt Zusammenhänge, hinterfragt seine Entscheidungen und entwickelt mit der Zeit ein besseres Gespür für das aussichtsreiche Aalangeln.

Und genau darin liegt der eigentliche Sinn dieses ABC der Erfolge beim Aalangeln.

Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie bezieht sich auf natürliche beziehungsweise fachgerecht bewirtschaftete Aalgewässer und ausdrücklich nicht auf kommerzielle Besatzanlagen nach dem Prinzip „Put & Take“. Sie soll vor allem dabei helfen, den eigenen Ansitz bewusster zu planen und die Erfolgsaussichten zu verbessern.

Denn wer immer wieder als Schneider nach Hause fährt, sollte sich nicht ausschließlich fragen, warum die Aale nicht gebissen haben bzw. schon wieder nichts gefangen. Manchmal ist die bessere Frage:

Was hätte ich anders und besser machen können?

Das ABC des Erfolges – keine Rangliste, sondern eine Entscheidungshilfe

Wetter und Witterung (a–g)
Welche Wetterlagen sollten bestmöglich für einen Erfolg vorliegen?

Zeit (h–k)
Wann kann selbst ein scheinbar ungeeigneter Angelplatz manchmal Erfolg versprechen?

Standort (l–s)
Der vermutlich wichtigste Bereich – denn wo Aale sind, kann man sie auch fangen.

Praxis (t–z)
Die Erfolgschancen, die wir am ehesten selbst beeinflussen können.

Hinweis zur Erinnerung: Fast alle hier aufgeführten Faktoren von A bis Z greifen mehr oder weniger ineinander. Deshalb werden einzelne Aspekte zur Verdeutlichung im weiteren Verlauf mehrfach aufgegriffen und – wo es sinnvoll ist – miteinander kombiniert. Entsprechende Sprungmarken sollen dabei helfen, zwischen den einzelnen Themenbereichen zu wechseln.

Kategorie Wetter und Witterung

Muss es für einen Erfolg beim Aalangeln in der Nacht warm sein?

Nach einer Schneidernacht fällt der erste Verdacht fast immer auf das Wetter. War der Luftdruck ungünstig? Hätte es besser bewölk sein müssen oder war es einfach zu kalt? Tatsächlich beeinflussen Wetter und Witterung das Verhalten der Aale erheblich – allerdings nur selten als alleinige Ursache.

Nebel am See

Viele Wetterfaktoren wirken nicht für sich allein, sondern verstärken oder schwächen andere Einflüsse. Eine ungünstige Wassertemperatur kann beispielsweise wesentlich stärker ins Gewicht fallen als ein klarer Himmel, während Wind oder Regen ihre Wirkung oft erst im Zusammenspiel mit Gewässerart, Jahreszeit oder Wasserstand entfalten. Wer das Wetter deshalb nur pauschal als „gut“ oder „schlecht“ für das Aalangeln bewertet, macht es sich zu einfach.

Die folgenden Faktoren zeigen, welche Witterungsbedingungen einen Aalansitz tatsächlich begünstigen können – und warum sich hinter dem Begriff „bestes Aalwetter“ weit mehr verbirgt als nur Regen oder Sonnenschein.

A) Wassertemperatur

Die Wassertemperatur gehört zu den wichtigsten Einflussgrößen beim Aalangeln. Sie beeinflusst die Aktivität der Aale, ihren Stoffwechsel und damit auch ihre Bereitschaft zur Nahrungssuche.

Erfahrungsgemäß beginnen sich die Aale im zeitlichen Früher ab etwa 5 °C wieder zu bewegen. Bis etwa 15 °C sind sie manchmal noch vergleichsweise träge, verlassen bei steigenden Temperaturen aber bereits gelegentlich ihre Winterquartiere. In dieser Übergangsphase können sie schon kleine, vorbeischwimmende Nahrungshäppchen aufnehmen, sofern sich diese in unmittelbarer Umgebung befinden.

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Mit weiter steigenden Temperaturen ab ca. 16 °C werden die Aale zunehmend aktiver und gehen verstärkt auf Nahrungssuche. Ab diesem Temperaturbereich beginnt für viele Aalangler auch die eigentliche Saison für das gezielte Aalangeln. Andere Kameraden machen es auf ein festes Datum (oft 1. Mai) oder einen feierlichen Anlass (Himmelfahrt oder Pfingsten) fest. Besonders günstige Bedingungen können sich nach meiner Erfahrung bei Wassertemperaturen um 18 bis 20 °C ergeben.

Die Temperatur sollte allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Steigt die Wassertemperatur dauerhaft über etwa 22 °C, geht der Sauerstoffgehalt insbesondere in stehenden und flachen Gewässern deutlich zurück. Unter solchen Bedingungen können Aale ihre Aktivität stark verringern und auch die Nahrungsaufnahme einstellen. Ein eigentlich vielversprechender Sommerabend kann dann überraschend erfolglos bleiben.

Insbesondere in stillen, eher niedrigen oder langsam fließenden Gewässern können hohe Wassertemperaturen zudem eine zusätzliche Belastung für die Aale darstellen. Unter ungünstigen Bedingungen kann dies die Anfälligkeit für Krankheiten erhöhen und im Hochsommer sogar zu größeren Aalsterben beitragen. Auch die gefürchtete Aal-Rotseuche kann unter solchen Bedingungen auftreten.

Wer beim Aalangeln ausschließlich auf die Lufttemperatur im Wetterbericht achtet, übersieht deshalb möglicherweise den entscheidenderen Faktor: Die aktuelle Lufttemperatur ist weniger entscheidend, sondern die Wassertemperatur, die sich über Tage und Wochen entwickelt hat.

B) Bewölkung

Aale gelten als ausgesprochen lichtscheu. Dabei scheint weniger das Licht selbst das eigentliche Problem zu sein, sondern vielmehr die erhöhte Gefahr, von Fressfeinden entdeckt zu werden. Je heller die Umgebung, desto vorsichtiger können sich Aale bei ihrer Nahrungssuche verhalten.

Ein wolkenloser Himmel mit klarem Sternenhimmel schafft deshalb erfahrungsgemäß ungünstigere Bedingungen. Ein bewölkter Himmel ist beim Aalangeln dagegen entscheidender. Besonders bei stärkerer Bewölkung können Aale ihre Verstecke eher verlassen und sich auch in flacheren oder ufernahen Bereichen auf Nahrungssuche begeben.

Hinzu kommt, dass tag- und dämmerungsaktive Prädatoren bei starker Bewölkung schlechtere Sichtverhältnisse haben. Dadurch kann sich auch der natürliche Fluchtinstinkt der Aale gegenüber solchen Fressfeinden verändern.

Eine vorhandene Wolkendecke allein entscheidet allerdings noch lange nicht über Erfolg oder Misserfolg. Auch hier spielt das Zusammenspiel mit anderen Faktoren eine entscheidende Rolle. Mondphase, Gewässertiefe, Vegetation und Wassertrübung können die Auswirkungen der Bewölkung verstärken oder abschwächen.

Eine bewölkte Nacht ist deshalb nicht automatisch eine Fangnacht. Sie kann aber eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Aalansitz – auch manchmal am Tage, darstellen.

C) Sichtbarkeit bei Nebel

Nebel kann unter den richtigen Voraussetzungen zu einer besonders günstigen Bedingung beim Aalangeln werden. Seine mögliche Wirkung zeigt sich vor allem dann, wenn er den Fischen zusätzliche Deckung bietet und die Sichtverhältnisse für potenzielle Fressfeinde verschlechtert.

Ein dichter Nebel in den Abendstunden oder während der Nacht kann die Sichtverhältnisse so verändern, dass Aale offenbar weniger vorsichtig sind. Vor allem in klaren Nächten, in denen die Umgebung durch leichtes Mondlicht oder einen hellen Sternenhimmel vergleichsweise gut sichtbar ist, kann Nebel für eine deutliche Abdunklung sorgen. Dadurch wagen sich Aale, wie bei einer starken Bewölkung, schneller aus ihren Verstecken heraus und suchen auch flachere Uferbereiche ab.

Darüber hinaus können eingeschränkte Sichtverhältnisse für andere Fische und insbesondere für visuell jagende Raubfische von Bedeutung sein. Der Aal ist bei seiner Nahrungssuche dagegen nicht ausschließlich auf seine Augen angewiesen. Sein ausgeprägter Geruchs- und Tastsinn ermöglicht ihm die Orientierung und Nahrungssuche auch bei sehr eingeschränkter Sicht.

Besonders spannend können Wetterlagen mit Warmfrontnebel (Advektionsnebel) sein, bei denen Nebel mit milden Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit oder warmem Sommerregen zusammentrifft. Zusammen mit einem bedeckten Himmel oder einer dunklen Mondphase können dadurch optimale Jagdbedingungen, insbesondere für große Breitkopfaale, für „Sternstunden“ entstehen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Nebel automatisch einen Fressrausch auslöst. Entscheidend bleiben auch hier die Begleitumstände. Stimmen beispielsweise Wassertemperatur, Sauerstoffversorgung, Wasserstand und Nahrungsangebot, kann Nebel einen bereits günstigen Aalansitz zusätzlich begünstigen.

Aus einem durchschnittlichen Angelabend kann unter solchen Bedingungen durchaus eine außergewöhnlich erfolgreiche Fangnacht werden. Der Nebel ist dabei ein möglicher Verstärker ohnehin vorliegend günstiger Bedingungen als ein alleiniger Erfolgsgarant.

D) Luftdruck

Kaum ein anderer Wetterfaktor wird unter Anglern so kontrovers diskutiert wie der Luftdruck. Während die einen ihm kaum Bedeutung beimessen, richten andere ihre gesamte Angelplanung danach aus. Wissenschaftliche Untersuchungen und langjährige Praxiserfahrungen zeigen jedoch eindeutig, dass der Luftdruck das Verhalten von Aalen spürbar beeinflusst.

Über viele Jahre hinweg habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich vor allem ein rasch fallender Luftdruck direkt vor einer Wetterumstellung sehr günstig auf das Beißverhalten auswirkt und echte Sternstunden beschert.

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Dass an dieser Beobachtung viel dran ist, belegt eine wegweisende Untersuchung aus Japan: 2002 veröffentlichte Akihiro Okamura mit seinem Forscherteam vom IRAGO Institute eine Studie zum nahverwandten Japanischen Aal (Anguilla japonica) und dessen Abwanderung zum Laichgebiet. Die Forscher werteten zahlreiche Fänge sowie Umweltfaktoren wie Wassertemperatur, Mondphase, Niederschlag, Wasserstand und Luftdruck aus.

Besonders aufschlussreich waren sogenannte „trockene Tiefdruckgebiete“, bei denen ein Tief durchzog, ohne dass Regen fiel oder die Wasserstände stiegen. Dennoch setzte eine deutliche Abwanderung der Aale ein. Dadurch konnte der fallende Luftdruck als eigenständiger Umweltreiz von anderen Begleiterscheinungen eines Wetterumschwungs isoliert werden. Das Ergebnis war bemerkenswert: Der Luftdruckabfall erwies sich als entscheidender letzter Auslöser („final trigger“) für die Abwanderung geschlechtsreifer Blankaale. Besonders am zweiten Tag nach dem Durchzug des Tiefdruckgebietes wurden zahlreiche Fische registriert. Dies zeigt, dass Aale atmosphärische Druckveränderungen wahrnehmen und ihr Verhalten daran ausrichten.

Diese wissenschaftliche Erkenntnis deckt sich eng mit meinen eigenen Erlebnissen am Wasser. Nicht nur bei fallendem Druck, sondern auch nach deutlichen Wetterumstellungen oder Gewitterlagen, wenn der Luftdruck langsam wieder anstieg, habe ich über viele Jahre hinweg ausgesprochen gute Aalnächte erlebt.

Ein einzelner, aktueller Barometerwert sagt jedoch wenig aus und sollte nie isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist die Dynamik: Fällt der Druck gerade, steigt er nach einem Tief wieder oder bleibt er stabil? Gleichzeitig verändern sich oft auch Windrichtung, Bewölkung, Niederschlag und Temperatur. Aus meiner Sicht ist der Luftdruck ein relevanter Indikator für eine sich wandelnde Wetterlage, der günstige Bedingungen zusätzlich verstärken kann.

Nicht der absolute Luftdruck ist entscheidend, sondern seine Veränderung. Ein dauerhaft hoher oder niedriger Druck sagt allein wenig über die bevorstehende Aalnacht aus. Spannend wird es bei einem deutlichen Wechsel von Hoch zu Tief oder umgekehrt. Treffen solche Schwankungen mit passenden Mondphasen, Gewitterfronten und günstigen Wassertemperaturen zusammen, können sie die Aktivität der Aale maßgeblich steigern. Wer seine Fänge über längere Zeit dokumentiert und die Richtung der Barometernadel im Auge behält, kann diese Zusammenhänge gezielt für den eigenen Erfolg nutzen.

E) Niederschlag und Gewitter

Niederschlag gehört zu den Wettererscheinungen, die einen Aalansitz unter geeigneten Voraussetzungen deutlich entscheidender machen können. Besonders ein warmer Sommerregen verändert nicht nur die Bedingungen an der Oberfläche, sondern kann auch unter Wasser verschiedene Prozesse in Gang setzen.

Mit dem Regen können je nach Gewässer und Umgebung auch Sauerstoff, organische Stoffe und Nährstoffe eingetragen werden. An Einläufen, Gräben oder steileren Uferbereichen können außerdem Würmer, Insekten und andere Kleinstlebewesen ins Wasser gespült werden. Für den Aal bietet sich dadurch eine zusätzliche Nahrungsquelle. Als opportunistischer Räuber kann er solche plötzlich verfügbaren Nahrungsangebote gezielt nutzen.

Stärkerer Niederschlag kann zudem für eine Trübung des Wassers und eine zusätzliche Abdunklung der Umgebung sorgen. Die eingeschränkte Sicht kann die Scheu der Aale gegenüber potenziellen Fressfeinden auch tagsüber verringern. Dadurch können sie ihre Verstecke, wie bei Nebel oder starker Bewölkung, früher verlassen und auch eher flachere Uferbereiche aufsuchen.

Besonders entscheidend kann ein sanfter, länger anhaltender Regen bei bereits geeigneten Wassertemperaturen im späten Frühjahr oder Sommer sein. Wer seine Köder dann an Stellen präsentiert, an denen eingespülte Nahrung zu erwarten ist, kann seine Chancen auf Bisse deutlich verbessern.

Auch ein Gewitter kann die Bedingungen für das Aalangeln verbessern.

Vor einem Gewitter herrscht häufig eine schwüle Wetterlage, teilweise verbunden mit fallendem Luftdruck. Diese Phase wird von vielen Anglern als besonders erfolgreich beobachtet. Auch ich habe vor solchen Wetterwechseln schon ausgesprochen sportliche Aalnächte erlebt.

Während eines Gewitters verändert sich die Situation erneut. Starker Regen kann zwar für Trübung und zusätzliche Nährstoffeinträge sorgen, gleichzeitig bringen Blitz, Donner, Starkregen und starke Druckveränderungen erhebliche Unruhe in die gesamte Situation. Das Beißverhalten lässt während dieser Phase stark nach.

Nach dem Gewitter beruhigt sich die Wetterlage häufig wieder. Das eingetragene Wasser und die eingeschwemmte Nahrung können dann erneut bessere Bedingungen für die Nahrungssuche schaffen.

Dabei gibt es allerdings einen Faktor, der wichtiger ist als jeder mögliche Fangerfolg:

Die Sicherheit.

So interessant die Beißphase vor einem Gewitter auch sein mag – Sicherheit geht immer vor. Angelruten, insbesondere Ruten aus elektrisch leitfähigem Kohlefaserverbund, können bei Gewitter ein erhebliches Risiko darstellen. Sobald ein Gewitter spürbar aufzieht oder unmittelbar bevorsteht, sollte der Aalansitz unter- oder komplett abgebrochen werden. Das Angelgerät wird sicher abgelegt und ein geeigneter geschützter Bereich aufgesucht.

Kein Aal ist es wert, dafür die eigene Sicherheit aufs Spiel zu setzen.

F) Wasserstand

Ein steigender oder leicht erhöhter Wasserstand ist ein ausgesprochen günstiger Faktor für erfolgreiche Aalnächte. Besonders nach längeren Trockenphasen verändert ein deutlicher Wasseranstieg die Bedingungen im Gewässer zum Teil erheblich.

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Steigt das Wasser, werden zuvor trockene Uferbereiche, Wiesenränder und Schilfgürtel überschwemmt. Aale können solche frisch überfluteten Flachwasserbereiche auch zur Nahrungssuche aufsuchen, wo oft Würmer, Schnecken, Käfer und andere Kleintiere ins Wasser gespült werden. Selbst größere und vorsichtige Aale können dann näher an das Ufer kommen, wenn dort entsprechend attraktive Nahrungsbedingungen vorliegen. Für den Aal entsteht damit ein zusätzliches und leicht zugängliches Nahrungsangebot.

Zusätzlich kann die mit einem Wasseranstieg verbundene Trübung eine gewisse Deckung schaffen. Gleichzeitig können neue Strömungsbereiche, Kehrwasserzonen und Nahrungseinträge entstehen.

Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Uferlinie: Wo heute noch trockenes Ufer war, kann sich nach einem Wasseranstieg plötzlich ein neuer Fressbereich befinden.

Ein erhöhter Wasserstand ist allerdings nicht automatisch ein Garant für einen erfolgreichen Ansitz. Entscheidend ist vielmehr, wodurch er entstanden ist, wie stark er ansteigt und wie sich gleichzeitig Wassertemperatur, Strömung, Trübung und Nahrungsangebot verändern.

Wer bei deutlich steigendem Pegel die neu entstandenen Flachwasser- und Kehrwasserzonen gezielt beangelt, verbessert seine Chancen auf eine erfolgreiche Fangnacht deutlich.

G) Wind

Der Wind wird beim Aalangeln häufig entweder völlig überschätzt oder nahezu ignoriert. Tatsächlich entscheidet er nur selten allein über Erfolg oder Misserfolg, kann die Bedingungen an einem Angelplatz aber deutlich verändern.

Dabei ist nicht unbedingt die Windstärke, sondern eher die Windrichtung entscheidend.

Anlandiger Wind – also Wind, der auf das Ufer drückt – kann Insekten und andere Kleinstlebewesen in Ufernähe zusammentreiben. Gleichzeitig kann durch die Wellenbewegung Nahrung aus dem Uferbereich aufgewirbelt werden. Dies kann zunächst kleinere Fische und in der Folge auch fressgierige Aale anlocken.

Gerade große Aale können solche nahrungsreichen Uferbereiche gezielt aufsuchen. Ein windzugewandtes Ufer kann deshalb unter passenden Bedingungen wesentlich besser sein als die vermeintlich angenehmere windabgewandte Seite.

Allerdings sollte der Angler nicht den Fehler machen, anlandigen Wind grundsätzlich als Erfolgsgarantie zu betrachten. Auch hier wirken mehrere Faktoren zusammen. Wassertemperatur, Wasserstand, Gewässerstruktur, Jahreszeit und Nahrungsangebot können wesentlich wichtiger sein.

Ein noch kalter Wind im Frühjahr oder bereits im Herbst wird am anlandigen Ufer zudem schnell unangenehm, weil der Wind ins Gesicht bläst. Ausgerechnet der möglicherweise optimale Sitzplatz wird dann häufig gemieden, weil der Angler dort schlicht nicht komfortabelgenug sitzen möchte.

Das zeigt einen weiteren wichtigen Punkt beim Aalangeln: Nicht jede günstige Bedingung muss automatisch genutzt werden können. Der beste Angelplatz ist wenig wert, wenn der Ansitz dort unter den gegebenen Bedingungen nicht sicher oder vernünftig durchzuführen ist.

Der Wind sollte deshalb weniger ein absolutes Entscheidungskriterium sein, sondern vielmehr ein weiterer Mosaikstein im Gesamtbild eines Aalansitzes.

Ein bewölkter Himmel, steigender Wasserstand, milde Temperaturen, leichter Niederschlag und anlandiger Wind können sich beispielsweise gegenseitig perfekt ergänzen. Fehlt dagegen die passende Wassertemperatur oder befindet sich am ausgewählten Platz überhaupt kein Aal, kann auch das vermeintlich beste Aalwetter wenig bewirken.

Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung beim erfolgreichen Aalangeln: Nicht auf den einen perfekten Wetterfaktor zu warten, sondern möglichst viele der vorhandenen Bedingungen richtig zu erkennen, miteinander zu verbinden und daraus die passende Entscheidung für den eigenen Ansitz abzuleiten.

Kategorie Zeit

Liegt ein Erfolg beim Aalangeln an einem perfekten Timing?

Nur selten wird ein anderer Bereich beim Aalangeln so unterschätzt wie der richtige Zeitpunkt. Viele Angler achten auf Wetter, Köder oder Angelplatz und verlieren dabei den zeitlichen Aspekt aus den Augen. Dabei entscheidet häufig nicht nur wo, sondern vor allem wann ein Aal überhaupt aktiv wird.

Mondphasen

Zeit bedeutet beim Aalangeln weit mehr als nur die Uhrzeit. Auch Jahreszeit, Schonzeiten, Mondphasen, die eigene Vorbereitung und die oft nur kurzen Beißfenster bestimmen mit darüber, ob ein Ansitz erfolgreich verläuft. Manche dieser Faktoren lassen sich planen, andere muss man einfach akzeptieren. Wer sie kennt und richtig einordnet, versteht normalerweise auch besser, warum eine vermeintlich perfekte Aalnacht auch tatsächlich mit einem Fang endet – und eine andere scheinbar ebenfalls ideale Nacht völlig erfolglos bleibt.

H) Jahreszeit und Schonzeit

Die Jahreszeit beeinflusst das Verhalten der Aale in vielerlei Hinsicht. Zunächst sollte allerdings zwischen den biologischen Zusammenhängen und den gesetzlichen Regelungen unterschieden werden.

Während einer festgelegten Schonzeit stellt sich die Frage nach einem erfolgreichen Aalansitz im Grunde natürlich nicht. Zielgerichtetes Aalangeln ist dann selbstverständlich nicht zulässig. Die abwandernden Blankaale sollen auf ihrem Weg in Richtung Sargassosee geschützt werden. Die genauen Zeiträume unterscheiden sich je nach Bundesland und teilweise auch nach Gewässerordnung. Die geltenden Schonzeiten und Fangbestimmungen müssen vor dem Angeln anhand der für das jeweilige Bundesland und Gewässer geltenden Vorschriften geprüft werden. Die zeitpunktbezogenen Recherchen und unverbindlichen Informationen zu den rechtlichen Einschränkungen in den Bundesländern beim Aalangeln sind hier als Übersicht zusammengetragen.   

Außerhalb einer Schonzeit gewinnt die eigentliche Jahreszeit wieder an Bedeutung.

Im Frühjahr müssen sich die Gewässer zunächst ausreichend erwärmen, bevor Aale regelmäßig aktiver werden. Einige ungeduldige Kameraden machen den Startschuss zur Aalsaison bereits am Ende der Schonzeit. Viele versuchen es bei einer Wassertemperatur von etwa 8 °C. Die meisten Aalangler legen den eigentlichen Beginn ihrer persönlichen Aalsaison jedoch praktischer Weise auf Feiertage wie Himmelfahrt beziehungsweise Vatertag, Pfingsten oder die Nächte rund um den 1. Mai.

Der entscheidende Punkt ist dabei aber nicht unbedingt das Kalenderdatum. Viel wichtiger ist, ob sich die Wassertemperatur und die übrigen Bedingungen bereits entsprechend entwickelt haben. Ein warmer Mai kann deutlich bessere Voraussetzungen bieten als ein ungewöhnlich kalter Frühling, obwohl genaugenommen beide Kalenderjahre denselben Saisonbeginn haben/hätten.

Im Hochsommer kann sich die Situation wiederum verändern. Sehr hohe Wassertemperaturen, sinkende Wasserstände und geringere Sauerstoffgehalte können die Nahrungssuche der Aale verringern. Ein warmer Sommerabend ist deshalb nicht automatisch eine gute Aalnacht.

Im Herbst verändert sich das Verhalten der Aale erneut. Bei vielen Tieren beginnt die Vorbereitung auf die spätere Laichwanderung. Damit ändert sich auch die Aktivität, Aufenthaltsbereiche und Nahrungssuche.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der Fangstatistiken manchmal verzerren kann: die Ferien- und Urlaubszeit. Während der Sommerferien verbringen viele Familien ihre Freizeit am Wasser oder verreisen. Sinkende und/oder zeitlich verschobene Fangmeldungen bedeuten deshalb nicht zwangsläufig, dass weniger Aale aktiv sind. Möglicherweise wird schlicht seltener gezielt auf Aal geangelt.

In manchen Fällen kann die geringere Angleraktivität sogar einen interessanten Nebeneffekt haben: Die Auswahl der verfügbaren und weniger stark frequentierten Angelplätze kann besser sein als während anderer Phasen der Aalsaison.

Die Jahreszeiten entscheiden also nicht allein über einen Erfolg. Sie bilden vielmehr die zeitlichen Rahmen, die innerhalb dessen auch andere Faktoren positiv beeinflussen können.

I) Mondphasen

Unter Aalangler werden, im Vergleich zu vielen anderen Faktoren, die denkbaren Auswirkungen unterschiedlicher Mondphasen auf den Aalfang kontrovers diskutiert. Für die einen ist er ein entscheidender Erfolgs- oder Misserfolgsfaktor, für andere spielt er beim Aalangeln weniger eine Rolle.

Ein Neumond mit wolkenverhangenem Himmel beeinträchtigt die nächtlichen Lichtverhältnisse und verbessert damit aber deutlich die Fangaussichten. Besonders in flachen Gewässern oder ufernahen Bereichen. Aus der praktischen Erfahrung vieler Aalangler werden rund um den Neumond häufig bessere Fangergebnisse berichtet.

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Auch Untersuchungen zur Aktivität von Aalen ergaben einen Zusammenhang mit den Mondphasen. Die von mir zugrunde gelegten Ergebnisse zeigen eine erhöhte Aktivität beziehungsweise Fangphase im Zeitraum von etwa einer Woche vor dem Neumond bis zum Neumond, bevor sie danach wieder abflacht.

Achtung: Diese Ergebnisse stammen grundsätzlich aus der Berufsfischerei mit Reusen und weniger aus Fangstatistiken von Aalanglern. Sie lassen sich somit nicht so einfach eins zu eins auf das Angeln mit der Rute übertragen. Sie sind aber ein Hinweis aus der Praxis darauf, dass die Aktivität der Aale im Verlauf der Mondphasen durchaus einen Einfluss haben.

Ich halte allerdings auch beim Mond wenig davon, ihn grundsätzlich als alleinigen Faktor für einen Erfolg zu betrachten. Seine Wirkung kann sich erst im Zusammenspiel mit anderen Einflüssen deutlich bemerkbar machen. Beim konkreten Aalansitz kann daher im Ergebnis aber auch überhauptkeine Rolle spielen.

Eine starke Bewölkung, eine Gewässerstruktur mit tiefen Unterschlüpfen, dichte Vegetation über und unter der Wasseroberfläche oder ein reichhaltiges natürliches Nahrungsangebot können den Einfluss des Mondlichts verstärken, abschwächen oder nahezu vollständig überlagern.

Hinzu kommt ein weiterer Gedanke aus der Praxis: Häufig wird über den Mond diskutiert, während die eigene Angelmethode unabhängig von den Lichtverhältnissen immer gleich bleibt.

Wer seine Montage und Köderpräsentation bei jeder Mondphase identisch einsetzt, verschenkt unter Umständen Möglichkeiten. Nicht selten liegt die eigentliche Herausforderung deshalb weniger beim Mond selbst als bei der fehlenden Anpassung an die jeweiligen Bedingungen.

Auch sollte man nicht vergessen, dass der Mond nicht nur nachts existiert. Seine Einflüsse auf Gezeiten und verschiedene biologische Abläufe begleiten die Natur rund um die Uhr – auch wenn sie für uns beim Aalangeln längst nicht immer unmittelbar sichtbar sind.

Der Mond gehört deshalb für mich durchaus zu den Faktoren, die bei der Planung eines Aalansitzes berücksichtigt werden sollten. Die Mondphase ist jedenfalls nur selten die alleinige Erklärung für eine erfolgreiche Nacht am Wasser.

J) Planung, Vorbereitung und strukturierte Ordnung

Mancher Erfolg entsteht nicht durch perfektes Wetter oder eine optimale Mondphase, sondern ganz einfach durch die optimale Nutzung der verfügbaren Angelzeit am Gewässer.

Gerade die besten Beißphasen dauern manchmal nur wenige Minuten. Wer genau dann nach passenden Haken sucht, ein Vorfach neu binden oder erst irgendwo im Angelgepäck nach dem benötigten Zubehör suchen muss, verpasst unter Umständen das entscheidende Zeitfenster.

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Zum erfolgreichen Ansitz gehört deshalb auch eine gute Vorbereitung des Angelplatzes. Je weniger Hektik während einer Beißphase entsteht, desto mehr Aufmerksamkeit bleibt für das Wesentliche.

Eine vollständige und funktionierende Ausrüstung, einfache Ersatzmontagen, einsatzbereites Zubehör, volle Akkus beziehungsweise Batterien und eine der Situation angepasste Beleuchtung können wertvolle Zeit sparen.

Wer auf unangenehme Überraschungen vorbereitet ist, hat bereits einen großen Teil der sprichwörtlichen „Miete für einen entspannten und ruhigen Ansitz“ bezahlt.

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Aus eigener Erfahrung hat sich auch eine einfache Reserve bewährt. Gemeint ist keine komplett fangfertig montierte Ersatzrute, sondern eine vorbereitete Rute mit montierter Hauptschnur, die im Bedarfsfall innerhalb weniger Augenblicke mit einer passenden Montage ergänzt und einsatzbereit gemacht werden kann.

Das ist im Allgemeinen und selbstverständlich auch zulässig, sofern die jeweils geltenden Vorschriften eingehalten werden. Geht während einer Sternstunde etwas schief, können dadurch wertvolle Minuten/Sekunden eingespart werden.

Zeit lässt sich auch beim Aalangeln nicht anhalten. Man kann jedoch verhindern, sie unnötig zu verplempern.

K) Beißphasen

Aale fressen nicht rund um die Uhr und auch nicht mit gleicher Intensität. Wie bei vielen anderen Fischarten gibt es Zeiträume, in denen ihre Aktivität deutlich zunimmt oder spürbar nachlässt.

Unter normalen Bedingungen gelten beim Aal allgemein die Abend- und Nachtstunden als vielversprechend und erfolgreich. Während der hellen Tagesstunden und – abhängig von Jahreszeit und Gewässer – teilweise auch in den frühen Morgenstunden können auch deutlich längere Ruhephasen auftreten.

Abgesehen von statistisch eliminierten Ausreißern decken sich diese allgemeinen Aussagen mit meiner längeren Umfrage unter Aalfreunden (keine repräsentative Umfrage).      

Unter gewöhnlichen Bedingungen und natürlichen Gewässers passiert zwischen 7 und 16 Uhr fast überhaupt nichts. Danach bis 20 Uhr kommen vereinzelt die ersten Bisse/Fänge. Zwischen 20 und 22 Uhr sind immerhin schon 12% der Aalfreunde erfolgreich. Die Sternstunden liegen mit 66% der Bisse/Fänge zwischen 22 und 0 Uhr. Danach bis 3 Uhr noch 15% aussichtsreich – aber deutlich gegen Null abnehmend. Eine Stunde vor Sonnenaufgang bis 7 Uhr kommen dann noch einmal 7% an den Haken. Danach wieder Ruhe.

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Natürlich gibt es beim Aal wieder einmal Ausnahmen. Wassertemperatur, Wetterlage, Jahreszeit, vorhandener Bestand und Gewässertyp können die Beißzeitfenster deutlich verschieben, verlängern oder verkürzen. Gerade die Zeit kurz vor Sonnenaufgang kann sich dabei manchmal als überraschend erfolgreich erweisen.

Das macht die Sache für Einsteiger manchmal schwierig. Wer zufällig genau während einer natürlichen Aktivitätspause am Gewässer sitzt, gewinnt schnell den Eindruck, dass es am Angelplatz überhaupt keine Aale gibt. Dabei kann sich die Situation bereits wenige Minuten/Stunden später vollkommen verändert haben.

Zusätzlich gibt es Gewässersituationen, in denen äußere Einflüsse die Aktivität oder die Sichtbedingungen unter Wasser verändern. Bei Hochwasser, Tide oder beispielsweise stärkerem Schiffsverkehr können sich Strömung, Trübung, Lichtverhältnisse und andere Bedingungen verändern. Solche Situationen können für Aale zusätzliche Möglichkeiten schaffen, sich bei der Nahrungssuche sicherer zu bewegen.

Beißphasen lassen sich natürlich nicht auf die Minute genau vorhersagen. Sie erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Wer diese natürlichen Aktivitätsfenster kennt und bei seiner Planung berücksichtigt, vermeidet manche vermeintlich rätselhafte Schneidernacht bereits im Vorfeld.

Denn manchmal war der Angelplatz durchaus richtig gewählt – nur die Uhrzeit war falsch.

Kategorie Standort

Benötigt man zunächst viele verschiedene Orte am Gewässer, um den erfolgreichsten Platz zum Aalangeln zu finden?

Wetter, Jahreszeit und die richtige Uhrzeit können noch so gut passen – wenn der Köder dort liegt, wo sich keine Aale aufhalten oder auf Nahrungssuche gehen, bleibt der Kescher trotzdem leer. Genau deshalb entscheidet der Standort beim Aalangeln häufig mehr über Erfolg oder Misserfolg als jeder noch so ausgefallene Köder oder eine perfekt gebundene Montage.

Aalgewässer Aland

Dabei geht es nicht nur um die Wahl des richtigen Gewässers. Auch innerhalb eines Sees, Flusses oder Kanals unterscheiden sich die Lebensräume der Aale erheblich. Manche Bereiche werden regelmäßig aufgesucht, andere dagegen nur selten oder überhaupt nicht. Wer diese Unterschiede erkennt, erhöht seine Chancen bereits, bevor der erste Köder im Wasser liegt.

Die folgenden Faktoren beschäftigen sich deshalb mit einer der wichtigsten Fragen beim erfolgreichen Aalangeln:

Wo lohnt sich ein Ansitz überhaupt?

L) Unberührte Potenzialgewässer

Gerade an Gewässern, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, keinen großen Angeldruck aufweisen oder an denen schlicht niemand gezielt auf Aal fischt, können manchmal überraschend gute Fänge möglich sein. Voraussetzung ist natürlich, dass dort tatsächlich ein Aalbestand vorhanden ist.

Dabei muss es sich nicht unbedingt um ein bekanntes Aalgewässer handeln. Ein alter Besatz, ein vergessener Fischbestand eines aufgegebenen Pachtgewässers oder ein unscheinbarer Graben als Verbindung zu einem anderen Gewässersystem können dazu geführt haben, dass sich Aale über einige Jahre in einem solchen Gewässer gehalten haben.

Ein vermeintlich unscheinbares Gewässer kann sich deshalb beim Aalangeln als echte Überraschung erweisen. Während stark befischte Hauptgewässer möglicherweise vorsichtigere Fische beherbergen, können kleine Weiher, alte Tonkuhlen oder abgelegene Nebengewässer einen vergleichsweise wenig beangelten Bestand aufweisen.

Unter geeigneten Bedingungen können sich dort über viele Jahre auch besonders große Aale entwickeln, wenn ausreichend Nahrung und geeignete Lebensräume auch vorhanden sind. Die Aale sind nicht zwangsläufig an regelmäßig präsentierte Köder oder Angelmontagen gewöhnt. Entsprechend kann es zu sehr entschlossenen Bissen kommen.

Auch die überschaubare Größe und Tiefe vieler Kleingewässer kann dem Angler entgegenkommen. Totholz, Krautkanten, Unterspülungen oder andere mögliche Einstände lassen sich häufig leichter erkennen. Gleichzeitig müssen die Aale keine großen Entfernungen zurücklegen, um einen geeigneten Nahrungsbereich zu erreichen.

Wer sich deshalb die Mühe macht, Erkundigungen bei alteingesessenen und ortskundigen Anglern einzuholen und bisher wenig beachtete Kleingewässer mit einem tatsächlich nachgewiesenen Aalbestand zu erkunden, kann sich unter Umständen durchaus auf spannende Angelerlebnisse freuen.

Manchmal liegt der vermeintliche Hotspot für kapitale Aale nicht am bekanntesten Gewässer, sondern dort, wo kaum jemand danach sucht.

M) Bewirtschaftung, Hege und verantwortungsvoller Nutzungsdruck

Erfolgreiches Aalangeln beginnt oftmals lange bevor die erste Angel ausgeworfen wird. Ein gesunder Aalbestand entsteht nicht zufällig, sondern kann das Ergebnis einer verantwortungsvollen Gewässerbewirtschaftung, geeigneter Hegemaßnahmen und eines nachhaltigen Umgangs mit der Ressource Fisch sein.

Dazu gehören unter anderem geeignete Lebensräume, möglichst durchgängige Wanderwege sowie gesetzlich und gewässerbezogen passende Schonzeiten und Entnahmeregelungen. Wo Gewässerwarte, Fischereiberechtigte, Berufsfischer und Angler gemeinsam Verantwortung übernehmen, profitieren letztlich alle – nicht zuletzt auch die Aale selbst.

Ein gut entwickelter und reproduktionsfähiger Gesamtbestand erhöht schließlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich überhaupt eine angebrachte Anzahl von Aalen im Gewässer aufhalten, um angebotene Köder finden zu können. Welche Aalgrößen gegebenenfalls besetzt wurden, wie sich ein Bestand entwickelt hat und welche anderen Fischarten gleichzeitig gefördert oder besetzt wurden, unterscheidet sich von Gewässer zu Gewässer erheblich. Dadurch können sich selbst äußerlich ähnliche Gewässer völlig unterschiedlich entwickeln.

Auch der Nutzungsdruck spielt eine Rolle. Gewässer, an denen sich der Anglerdruck auf viele Bereiche verteilt und nicht ausschließlich auf wenige bekannte oder online als besonders lohnend beworbene Hotspots konzentriert, können über längere Zeit erhebliche Fangmöglichkeiten bieten.

Wer bereit ist, auch einmal weniger bekannte Uferabschnitte zu erkunden, wird deshalb nicht selten mit überraschend guten Ergebnissen belohnt.

Auf natürliche Fressfeinde wie Kormorane, Fischotter oder größere Raubfische haben Angler dagegen nur sehr begrenzten Einfluss. Ein ausgewogenes Bestandsmanagement kann – sofern regional erforderlich und gesetzlich zulässig – dazu beitragen, geeignete Lebensbedingungen für den Aalbestand zu erhalten oder zu verbessern.

Entscheidend bleibt jedoch immer das Zusammenspiel vieler Faktoren. Kein Gewässer gleicht dem anderen.

Nicht zuletzt tragen auch wir Aalangler Verantwortung für den zukünftigen Erfolg. Wer maßvoll entnimmt, geltende Regelungen respektiert und gute Fangplätze nicht unüberlegt in sozialen Medien veröffentlicht, kann dazu beitragen, dass attraktive Aalbestände und geeignete Angelplätze auch langfristig erhalten bleiben.

Nachhaltiges Handeln ist damit nicht nur eine Frage des Gewässerschutzes, sondern letztlich auch eine Investition in die eigenen zukünftigen Chancen beim Aalangeln.

N) Vegetation

Für Aale kann ein dichter Pflanzenbewuchs am Gewässerrand unter geeigneten Bedingungen von großer Bedeutung sein. Schilf, Seerosenfelder, Krautbänke, überhängende Büsche oder eingestürzte Ufergehölze bieten Deckung und zugleich Lebensraum für zahlreiche Beutetiere.

Solche Strukturen sind für Aale besonders wichtig, weil dort mehrere günstige Bedingungen zusammentreffen: Versteckmöglichkeiten, Nahrung und Schutz vor Fressfeinden liegen dicht beieinander.

Insekten, Kleinfische, Würmer und zahlreiche andere Beutetiere nutzen die Vegetation ebenfalls als Lebensraum. Wo sich Nahrung konzentriert, können sich früher oder später auch Aale einstellen.

Für uns bedeutet das: Nicht einfach nur auf die freie Wasserfläche schauen, sondern die Ufervegetation aufmerksam beobachten. Ein scheinbar unspektakulärer Schilfrand kann wesentlich fängiger sein als ein weit hinausgeworfener Köder im offenen Wasser.

Allerdings gilt auch hier: Dichte Vegetation ist nicht automatisch ein Fangplatz. Entscheidend ist, ob die vorhandene Struktur tatsächlich von Aalen genutzt wird und ob die Montage dort sinnvoll und ohne unnötige Verluste präsentiert werden kann.

O) Uferprofil, Boden- und Gewässerstruktur

Wenn ich nur einen einzigen Standortfaktor nennen dürfte, wäre es vermutlich dieser.

Manche Angler investieren viel Zeit in die Wahl des richtigen Köders und werfen ihn anschließend an eine Stelle, deren Untergrund sie überhaupt nicht kennen. Dabei entscheidet gerade die Gewässerstruktur häufig darüber, ob ein Aal den Köder überhaupt findet.

Kanten, Vertiefungen, flach auslaufende Ufer, kleine Rinnen, versunkene Äste oder Übergänge zwischen unterschiedlichen Untergründen können für Aale interessante Bereiche darstellen. Besonders attraktiv sind Strukturen, an denen Nahrung, Deckung und geeignete Aufenthaltsmöglichkeiten zusammenkommen.

Ein sorgfältiges Ausloten eines unbekannten Angelplatzes gehört deshalb zu den wichtigsten Vorbereitungen überhaupt. Es geht dabei nicht nur darum, bei einer Posenmontage die richtige Tiefe zu ermitteln. Auch bei einer Grundmontage sollte der Angler möglichst wissen, was sich unter seinem Köder befindet.

Wer den Gewässergrund nicht aufmerksam erkundet, kann leicht viele Stunden an einer Stelle sitzen, an der sich der Köder zwar technisch korrekt präsentieren lässt, aber nur geringe Chancen bestehen, dass ein Aal dort regelmäßig vorbeikommt.

Auch sehr steil abfallende Ufer größerer Seen oder tieferer Flüsse werden beim Aalangeln manchmal überschätzt. Entscheidend ist nicht die größtmögliche Tiefe, sondern die Frage, warum ein Aal genau dort Nahrung suchen sollte.

Interessante Übergangsbereiche zwischen flach und tief oder strukturreiche Uferzonen, in denen Nahrung und Verstecke zusammenkommen, können deshalb wesentlich erfolgversprechender sein.

Wer den Gewässeruntergrund seines Angelplatzes gut kennt, versteht schließlich auch, warum ein danebensitzender Angler wenige Meter weiter nichts fängt, während am eigenen Platz regelmäßig Bisse kommen.

Manchmal liegen zwischen Erfolg und Misserfolg tatsächlich nur wenige Meter.

P) Bodensediment

Nicht nur der Angelplatz selbst entscheidet über den Erfolg, sondern auch das, was sich direkt unter dem Köder befindet. Der Gewässergrund wird beim Aalangeln sehr häufig unterschätzt.

Nicht jeder vermeintlich gute Aalplatz lässt sich auch problemlos befischen.

In Stillgewässern sollte deshalb auch der Uferbewuchs berücksichtigt werden. Über Jahre eingetragenes Laub und abgestorbenes Pflanzenmaterial können zur Bildung von weichen Sedimenten und Faulschlamm beitragen. Liegt der Köder darin, kann seine Präsentation erheblich beeinträchtigt werden.

In solchen Bereichen kann eine flexible Posenmontage Vorteile bieten. Bei einer Grundmontage können je nach Situation auftreibende Elemente wie Tiroler Hölzchen oder längere Vorfächer helfen, den Köder besser über dem weichen Grund zu präsentieren.

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Auch die Windrichtung kann bei der Wahl eines Platzes wichtig sein. In vielen Gewässern können anhaltende Winde und die dadurch entstehende Wasserbewegung dazu beitragen, dass sich organisches Material an bestimmten Uferbereichen sammelt.

Zwar verfügt der Aal über einen außergewöhnlich guten Geruchs- und Geschmackssinn, dennoch nützt der beste Köder wenig, wenn er tief im Schlamm verschwindet oder zwischen Pflanzenresten kaum wahrgenommen beziehungsweise erreicht werden kann.

In Fließgewässern entstehen ähnliche Herausforderungen durch Steinpackungen, Buhnen, Wurzelwerk oder größere Geröllfelder. Für Aale sind solche Strukturen ideale Verstecke, gleichzeitig erschweren sie aber die Köderplatzierung.

Nicht selten verschwindet der Köder in einer Spalte, während Wollhandkrabben, Krebse oder Grundeln ihn deutlich früher entdecken als der eigentliche Zielfisch Aal.

Viele Angler deuten ausbleibende Bisse dann schnell als Hinweis auf einen mangelnden Aalbestand – obwohl der Köder längst verschwunden ist.

Die Montage muss deshalb an das vorhandene Bodensediment und die Position des Köders angepasst werden. Gleichzeitig sollte der Angler mögliche Schnurabrieb, Hänger und Materialverluste einkalkulieren. An schwierigen Strukturen kann entsprechend belastbares Material notwendig sein.

Der beste Angelplatz nützt wenig, wenn der Köder dort nicht sinnvoll angeboten werden kann.

Q) Fließgeschwindigkeit

Aale sind zwar gute Schwimmer, vermeiden aber nach Möglichkeit unnötigen Energieaufwand. In starken Strömungen müssen sie erheblich mehr Kraft aufwenden, um ihre Position zu halten. Deshalb sind besonders strömungsberuhigte Bereiche für sie wichtig.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Aale Strömung grundsätzlich meiden. Im Gegenteil: Gerade strukturreiche Strömungsbereiche können sehr attraktive Nahrungsplätze darstellen.

Kehrwasser, Buhnenfelder, Einläufe und strömungsberuhigte Uferbereiche bieten den Aalen verschiedene Vorteile. Nahrung wird mit der Strömung transportiert, während der Aal gleichzeitig Möglichkeiten findet, sich ohne permanenten Kraftaufwand in einer günstigen Position aufzuhalten.

Die Strömung selbst ist aber nicht automatisch die Quelle des Erfolges. Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus Strömung, Nahrung und geeigneten Unterständen.

Wer ausschließlich die stärkste Hauptströmung beangelt, kann sich deshalb durchaus fragen, warum der Ansitz trotz scheinbar guter Bedingungen ohne Biss geblieben ist.

Wichtiger sind eher die Übergänge: Dort, wo eine starke Strömung in ruhigeres Wasser übergeht, können sich Nahrung und Beute konzentrieren. Genau solche Bereiche sollte man gezielt beangeln.

Hinweis: Beim Abzug der Blankaale im Herbst oder bei Schiffsverkehr in großen Kanälen können andere Bedingungen gelten. Dann können sich Strömung, Wasserbewegung und Verhalten der Aale deutlich verändern. Entsprechend müssen Angelplatz und Montage angepasst werden, wenn man die Laichabwanderung an dieser Stelle beenden möchte.

R) Nahrung und Konkurrenz

Selbst ein gesunder Aalbestand garantiert noch keine guten Fangergebnisse. Entscheidend ist auch, mit welchen anderen Bewohnern des Gewässers sich die Aale ihr Nahrungsangebot teilen müssen.

In manchen Gewässern haben sich beispielsweise eingeschleppte Wollhandkrabben und Grundel oder invasive Krebsarten stark ausgebreitet. Sie reagieren extrem schnell auf unsere Köder und können diese innerhalb kurzer Zeit vollständig auffressen und/oder inklusive der Montage/Haken abknipsen.

Für den Aalangler entsteht dadurch leicht der Eindruck, dass die Aale überhaupt nicht beißen. Tatsächlich ist der Köder möglicherweise längst verschwunden, bevor ein Aal überhaupt die Möglichkeit hatte, ihn zu finden.

Das allgemeine Nahrungsangebot spielt ebenfalls eine Rolle. Finden Aale reichlich natürliche Nahrung, kann ihr Interesse an einem „künstlich“ angebotenen Köder unter bestimmten Bedingungen geringer ausfallen. Umgekehrt können besondere Nahrungssituationen dazu führen, dass bestimmte Köder besonders attraktiv werden.

Damit kommt auch das Besatz- und Bewirtschaftungsmanagement ins Spiel. Welche Aalgrößen gegebenenfalls besetzt wurden, wie sich der Bestand entwickelt hat und welche Fischarten gleichzeitig gefördert oder besetzt wurden, unterscheidet sich von Gewässer zu Gewässer erheblich.

Dadurch können sich selbst äußerlich ähnliche Gewässer vollkommen unterschiedlich entwickeln.

Nahrungskonkurrenz bedeutet deshalb weit mehr als nur „zu viele Mitesser“. Sie ist Bestandteil eines komplexen ökologischen Gleichgewichts und kann unmittelbar beeinflussen, wie erfolgreich ein bestimmter Köder angeboten werden kann.

Für einen erfolgreichen Ansitz kann es deshalb sinnvoll sein, den vorhandenen Bestand und die Nahrungssituation möglichst gut zu kennen. Auch unterschiedliche Köder am Anfang des Einsatzes liefern dabei wichtige Erkenntnisse.

Wer also an mehreren Ruten ausschließlich denselben Köder verwendet, erfährt nur wenig darüber, ob vielleicht ein anderer Köder unter den aktuellen Bedingungen deutlich besser angenommen würde.

Gerade bei unbekannter Nahrungskonkurrenz kann eine bewusste Variation der Köder deshalb nicht nur die Fangchance erhöhen, sondern gleichzeitig wichtige Informationen über das Gewässer liefern.

S) Biochemische Einflüsse

Der hochentwickelte Geruchs- und Geschmackssinn des Aals gehört zu seinen wichtigsten Fähigkeiten bei der Nahrungssuche. Gerade in der Dunkelheit kann der Aal seine Beute nicht ausschließlich über das Sehen finden. Chemische Signale im Wasser spielen für seine Orientierung und Nahrungssuche eine extrem wichtige Rolle.

Genau hier liegt für uns eine entscheidende Möglichkeit.

Natürliche Köder geben unterschiedliche Stoffe an das Wasser ab. Verletzte Beutefische, Würmer, Maden oder andere natürliche Nahrungsorganismen können dabei chemische Signale erzeugen, die von Aalen wahrgenommen werden können. Ein frischer und natürlicher Köder ist deshalb unter geeigneten Bedingungen deutlich fängiger als ein bereits stark ausgelaugter oder falsch präsentierter Köder.

Besonders bei natürlichen Ködern kann es sinnvoll sein, deren natürliche Geruchs- und Geschmackssignale zu erhalten. Ein Köder, der unnötig lange in der Wärme liegt, gar austrocknet oder bereits mehrfach im Wasser war, verliert mit hoher Wahrscheinlichkeit einen wesentlichen Teil seiner ursprünglichen Attraktivität.

Auch ein vorsichtiges Anritzen, Öffnen oder Teilen eines natürlichen Köders trägt dazu bei, dass dessen natürliche Duftstoffe schneller ins Wasser gelangen. Dabei gilt allerdings: Weniger ist häufig mehr. Der Köder sollte nicht unnötig zerstört werden, sondern möglichst natürlich wirken und seine eigentlichen Eigenschaften behalten.

Auch biologische Prozesse im Gewässer können die chemische Zusammensetzung des Wassers verändern. Nach längeren und/oder stärkeren Niederschläge können beispielsweise organische Stoffe und aufgewühltes Sediment in das Gewässer gelangen. Dadurch können sich Geruchs- und Nahrungsbedingungen in bestimmten Uferbereichen leicht verändern.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder veränderte pH-Wert oder jede chemische Veränderung automatisch einen besseren Aalplatz erzeugt. Entscheidend ist vielmehr das gesamte biologische Umfeld.

Der Aal verfügt über hoch entwickelte Sinne, aber daraus lässt sich keine einfache chemische „Erfolgsgarantie“ ableiten. Gerade deshalb sollte man natürliche Duft- und Geschmackssignale vor allem bei der Auswahl und Präsentation des Köders berücksichtigen.

Wer versteht, dass der Aal seinen Köder nicht ausschließlich über die Augen findet, betrachtet plötzlich auch scheinbar unscheinbare Angelplätze anders. Ein ruhiger Uferbereich, eine Krautkante oder eine kleine Rinne kann gerade dann interessant sein, wenn dort natürliche Nahrung vorhanden ist und sich entsprechende Geruchssignale im Wasser verbreiten.

Damit schließt sich der Kreis zum gesamten Standortkapitel:

Nicht der schönste Angelplatz (sehr oft nur aus Sicht und Bequemlichkeit des Anglers) ist automatisch der beste – sondern derjenige, an dem Nahrung, Deckung, Gewässerstruktur und die aktuellen Bedingungen möglichst günstig zusammenkommen.

Und genau deshalb gilt beim erfolgreichen Aalangeln eine einfache Grundregel:

Wo sich Aale regelmäßig aufhalten oder auf Nahrungssuche gehen, dort bestehen auch die besten Chancen, sie zu fangen.

Kategorie Praxis

Die Praxis bestätigt die Theorie – und am Ende zählt nur ein gefangener Aal

Nicht jeder Erfolg beim Aalangeln entsteht allein durch perfektes Wetter, die richtige Jahreszeit oder einen sorgfältig ausgewählten Angelplatz. Ausrüstung, Montage und die eigene Vorgehensweise entscheiden häufig darüber, ob ein Ansitz tatsächlich erfolgreich endet. Gerade diese Faktoren sind besonders entscheidend, denn anders als Wetter, Mondphase und andere äußere Einflüsse liegen sie weitgehend in unserer Hand.

Praxis Aland

Genau deshalb lohnt es sich, erfolgreiche Nächte nicht einfach nur mit einem „Petri Heil“ abzuhaken. Was hat funktioniert? Warum wurde gerade an diesem Abend gefangen? War es tatsächlich nur Glück oder wurden Ausrüstung, Methode, Köder und Angelplatz richtig miteinander kombiniert?

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Die Praxis bestätigt schließlich häufig die Theorie – aber eben nicht immer.

T) Angelmethode

Nicht jede Angelmethode eignet sich gleichermaßen für jede Gewässersituation. Das klingt zunächst logisch, wird in der Praxis aber erstaunlich häufig übersehen. Selbst eine bewährte Methode kann unter ungünstigen Bedingungen an ihre Grenzen stoßen.

Beim gezielten Aalangeln spielen vor allem Grundangeln und Posenangeln die wichtigste Rolle. Welche Methode erfolgreicher ist, hängt dabei wesentlich von den Bedingungen am jeweiligen Gewässer ab.

Das klassische Grundangeln steht bei vielen erfolgreichen Aalfreunden deutlich an erster Stelle. Nach meiner langjährigen Umfrage (nicht repräsentativ) wurde diese Methode von Aalangler mit annähernd 76% bevorzugt und erfolgreich angewandt. Es bietet gerade bei stärkerem Wind, Wellengang oder Strömung die Möglichkeit, den Köder relativ gezielt an einem bestimmten Punkt zu präsentieren. Auch in sehr flachen oder sehr tiefen Gewässern haben Grundmontagen deutliche Vorteile, weil der Köder unabhängig von der Oberflächenbewegung kontrolliert am oder knapp über dem Gewässergrund angeboten werden kann.

Auch hinsichtlich der notwendigen Wurfweite ist das Grundangeln mehr flexibeler. Je nach Jahreszeit und Aufenthaltsort der Aale kann der Köder direkt am Ufer oder in größerer Entfernung präsentiert werden.

Gerade an bekannten Standplätzen ist eine sauber platzierte Grundmontage deshalb eine ausgesprochen erfolgreiche Methode.

Das Posenangeln bietet dagegen andere Vorteile. Besonders bei dichtem Bewuchs, ausgedehnten Steinpackungen, Wurzelwerk oder hohen Beständen von Grundeln, Wollhandkrabben und anderen Köderkonkurrenten kann es sinnvoll sein, den Köder grundsätzlich vom Gewässergrund abzuheben.

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So lässt sich vermeiden, dass der Köder im weichen Faulschlamm verschwindet oder zwischen Hindernissen unerreichbar wird. Gleichzeitig kann die Tiefe jederzeit angepasst werden. Gerade dort, wo Aale nicht unmittelbar am Grund, sondern in bestimmten Wasserschichten (z.B. unterhalb/an von Seerosenfeldern) nach Nahrung suchen, kann die Pose ihre Stärken ausspielen.

Damit zeigt sich bereits ein wesentlicher Grundsatz:

Nicht die Angelmethode allein entscheidet über den Erfolg, sondern ihre Eignung für die jeweilige Situation.

Wer immer mit derselben Montage und derselben Methode ans Wasser geht, ohne Gewässer, Wetter, Struktur und Aufenthaltsbereich der Aale zu berücksichtigen, wird den Erfolg eher dem Zufall überlassen. Bei einer bestehenden Unsicherheit zur geeignetsten und verwendenden Methode an einem neuen Gewässer lohnt es sich zunächst beide grundlegenden Methoden parallel auszutesten.   

Ein erfolgreicher Aalangler sollte deshalb nicht fragen: „Welche Methode ist die beste?“, sondern vielmehr: „Welche Methode passt heute zu diesem Gewässer und diesem Angelplatz?“

U) Montage

Für das erfolgreiche Anlanden eines gehakten Aals ist eine möglichst schwachstellenarme und zuverlässige Montage erforderlich.

Wenn nach vielen erfolglosen Ansitzen endlich der ersehnte Biss kommt und ein kräftiger Aal am Haken zerrt, sich windet und kämpft, möchte niemand anschließend feststellen, dass die Hauptschnur beschädigt, ein Knoten schlecht gebunden oder der Haken zu klein war.

Genau deshalb sollte vor dem ersten Auswerfen kontrolliert werden, ob Hauptschnur und Vorfach tragfähig, unbeschädigt und für die Bedingungen geeignet sind. Knoten sollten sicher sitzen und der Haken ausreichend scharf (Nagelprüfung) sein.

Eine Montage muss dabei nicht möglichst kompliziert sein, um erfolgreich zu sein. Im Gegenteil: Je einfacher eine Montage zuverlässig funktioniert, desto besser.

Jeder zusätzliche Wirbel, jeder weitere Knoten und jedes zusätzliche Verbindungsteil kann eine weitere Fehlerquelle darstellen. Außerdem kostet eine komplizierte Montage beim Wechsel oder bei einem Defekt oft vollkommen unnötig Zeit.

Die Montage sollte selbstverständlich an das jeweilige Gewässer angepasst werden. Was an einem kleinen, ruhigen Vereinssee problemlos funktioniert, muss an einem strömenden Fluss oder einem steinigen Kanal noch lange nicht die beste Lösung sein.

Entscheidend ist deshalb nicht, wie technisch interessant eine Montage aussieht, sondern ob sie zuverlässig, schnell ersetzbar und für die vorhandenen Bedingungen geeignet ist.

Eine einfache und gut vorbereitete Montage kann damit wesentlich mehr zum Erfolg beitragen als eine komplizierte Konstruktion, die zwar manchmal für einige Angler außerhalb des Wassers (z.B. im Web) beeindruckend aussieht, sich am Wasser aber oft nur umständlich und zeitaufwändig verändern lässt.

V) Bissanzeiger

Ein Fang kann natürlich erst dann realisiert werden, wenn der Angler einen Biss überhaupt erkennt. Was selbstverständlich klingt, wird beim nächtlichen Aalangeln aber logischer Weise unentbehrlich wichtig.

Manchmal wird ein Biss schlicht übersehen oder bisweilen viel zu spät erkannt.

Elektronische Bissanzeiger sollten deshalb zuverlässig funktionieren, Batterien beziehungsweise Akkus ausreichend geladen sein und ggf. manuelle Knicklichter rechtzeitig erneuert werden. Bei einer Pose sollte die Balance stimmen und die Sichtbarkeit auch unter den tatsächlichen Lichtbedingungen gewährleistet sein.

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Besonders beim Grundangeln kommt eine weitere Herausforderung hinzu: der sogenannte Fallbiss. Nimmt ein Aal den Köder auf und schwimmt anschließend auf den Angler zu, kann die Schnur plötzlich erschlaffen. Ohne entsprechend abgestimmte Bissanzeige wird dieser Bewegungsablauf möglicherweise kaum oder deutlich verspätet erkannt. Ein geeignetes Gegengewicht beziehungsweise eine passende Schnurspannung ist deshalb unerlässlich. Zudem ist im Ergebnis hiermit eine zusätzliche und erhöhte Sensibilität solcher Bissanzeige gegeben.

Doch auch wir selbst können zur Fehlerquelle werden.

Wer nachts längere Zeit konzentriert auf ein einzelnes Knicklicht oder eine schwach beleuchtete Rutenspitze blickt, kann dem sogenannten autokinetischen Effekt unterliegen. Dabei kann ein tatsächlich unbewegter Lichtpunkt scheinbar zittern, blinken oder sich bewegen.

Bei Dunkelheit arbeiten außerdem überwiegend die lichtempfindlichen Stäbchen des Auges, während die für Farben und feine Details zuständigen Zapfen deutlich weniger beitragen. Oft kommt manchmal auch eine gewisse Müdigkeit hinzu. Dadurch können und werden Bewegungen und Lichtreize irritierend wahrgenommen – die ich persönlich als „tanzende Knicklichter“ bezeichne.

Die Folge: Ein vermeintlicher Biss wird angeschlagen, obwohl die Pose oder das Knicklicht vollkommen ruhig war.

Ein einfacher Tipp kann helfen: Nicht permanent starr auf das Licht schauen, sondern den Blick zwischendurch leicht daneben richten. Alternativ können moderne, ausreichend helle und gut sichtbare Bissanzeiger mit blinkenden und/oder Farbwechselfunktionen für eine Bissanzeige deutlich erleichtern.

Auch Wind, Wellen, größere Fluginsekten oder Fledermäuse können nachts, insbesondere bei Verwendung von Aalglöckchen, für viele Fehlanzeigen sorgen. Wer bei jedem vermeintlichen Zupfer sofort anschlägt, einholt und kontrolliert, kann im schlimmsten Fall einen tatsächlich interessierten Aal immer wieder unmittelbar vor dem Maul vom Köder wegziehen.

Gerade deshalb sollte ein guter Bissanzeiger nicht immer möglichst empfindlich, sondern zur jeweiligen Angelmethode und Situation, wenn möglich, passend eingestellt sein.

W) Köderwahl, Köderplatzierung und Lebensraum

Der beste Köder nützt wenig, wenn er dort angeboten wird, wo sich (gerade) keine Aale aufhalten.

Im Laufe des/der Jahre/s können sich die bevorzugten Aufenthaltsbereiche der Aale verändern. Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt, Wasserstand und Nahrungsangebot beeinflussen, wo sich die Tiere innerhalb eines Gewässers aufhalten und auf Nahrungssuche gehen.

Der Angelplatz, der im Frühjahr hervorragend funktioniert hat, muss deshalb im Hochsommer oder Herbst nicht automatisch weiterhin die beste Wahl sein.

Selbst die bevorzugte Nahrungsart kann sich verändern. Wer seine Köderwahl niemals an die Bedingungen anpasst, verschenkt am Ende echte Chancen.

Auch die Erkenntnis über die jeweilige Zusammensetzung des Aalbestandes kann sehr hilfreich sein. In Gewässern mit starkem Friedfischbestand und bestimmten Besatzbedingungen (Glasaale, Satzaale oder Gelbaale) können sich unterschiedliche Ernährungsstrategien und Körperformen entwickeln. Spitzkopfaale werden häufig stärker mit einer Ernährung aus kleineren Beutetieren in Verbindung gebracht, während größere Breitkopfaale eher größere Beute wie Fische nutzen können.

Das sollte allerdings nicht als starre Regel verstanden werden. Auch ein Breitkopfaal kann auch einen Wurm nehmen und ein Spitzkopfaal manchmal einen kleinen Fisch fressen. Zudem ist eine solch angepasste Ernährung mit der Folge einer Kopfform (Schädelknochen/Kiefer) nicht in Zement gegossen. Die Mehrheit der Aale besitzen Normal- bzw. Zwischenformen der Kiefer, weil sie sich sowohl aus Kleinwesen als auch aus Wirbeltieren ernähren. 

Für die praktische Köderwahl ist also wesentlich entscheidend, welche natürliche Nahrung im jeweiligen Gewässer tatsächlich vorhanden ist.

Wer in einem Gewässer mit vielen Kleinfischen ausschließlich auf Tauwurm setzt, obwohl größere Aale (ab 50 bis 60 cm = Rogner) regelmäßig Fische jagen, verschenkt möglicherweise eine Chance. Umgekehrt kann ein Köderfisch an einem Gewässer mit überwiegend kleineren, wirbellosen Beutetieren für Spitzkopfformen deutlich weniger interessant sein.

Auch die Sensorik des Aals spielt bei der Köderwahl eine wichtige Rolle. Der Aal kann Geruchs– und Geschmacksreize sehr fein wahrnehmen. Deshalb sollte ein natürlicher Köder möglichst frisch und unverfälscht verwendet werden.

Ein Hotspot für Aale, insbesondere für kapitale Exemplare, ist eine vorhandene Scharkannte. Sie ist der steile Übergang von der Flachwasserzone im Uferbereich zum tieferen Freiwasser und zählt zu den interessantesten Strukturen eines Gewässers.

Mit einem elektronischen Echolot lässt die Scharkante am präzisesten lokalisieren, kann aber auch etwas aufwändiger durch Ausloten mit Lotblei ermittelt werden. Auch mit etwas Erfahrung lassen sich anhand steil abfallender Uferbereiche eine Scharkante zuverlässig erkennen.

In Kombination mit einer Thermokline (Sprungschicht) bildet sich an der Scharkante oft eine strömungsberuhigte Zone, an der die Köder am besten direkt knapp oberhalb oder entlang dieser ausgeprägten Sprungschicht platziert werden.

Aale bevorzugen diese Kanten als primäre Wanderrouten, da ihnen das abfallende Profil oft auch Deckung mit Unterständen bieten kann sowie vor Fressfeinden und Schutz vor starker Strömung. Sie finden dort auch kurze Wege zwischen Versteck und Nahrung und stabile Temperaturen.

Gleichzeitig sammeln sich entlang der Scharkante durch die Gewässerstruktur organische Sedimente, Kleintiere, Würmer und Kleinfische – eine natürliche Nährstoff- und Beutekonzentration, die Aale regelmäßig auf ihrer nächtlichen Nahrungssuche absuchen.

Das Ablegen des Köders direkt an der Sohle der Scharkante garantiert daher eine optimale Präsentation im unmittelbaren Fressbereich der Aale.

Ein erfolgreicher Ansitz hängt nicht nur vom Köder und auch nicht nur vom Aal ab.

Beide müssen logischerweise mindestens zur gleichen Zeit am gleichen Ort zusammenkommen.

X) Lockstoffe

Lockstoffe gehören seit Jahrzehnten zum Angebot vieler Angelgeschäfte. Ihre tatsächliche Wirkung wird allerdings unter Aalanglern sehr unterschiedlich beurteilt. Die Unterschiede liegen manchmal nur in einer unangemessenen Verwendung.

Unabhängig davon, ob natürliche oder künstliche Zusätze verwendet werden, gilt für mich dabei ein einfacher Grundsatz:

Weniger ist besser.

Eine Überdosierung – quasi „Viel hilft viel“ oder ein sehr intensives künstliches Aroma haben unter Umständen überwiegend sogar einen gegenteiligen Effekt. Nicht jeder starke Geruch muss für einen Aal automatisch attraktiv sein.

In der Praxis haben sich bei manchen Aalanglern verschiedene natürliche Lockstoffe bewährt. Dazu gehören beispielsweise Knoblauch sowie Blut- und Fischmehl. Ob und wie stark solche Zusätze tatsächlich wirken, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab und lässt sich nicht pauschal auf jeden Köder und jedes Gewässer übertragen.

Eine besonders außergewöhnliche Ausnahme ist aus wissenschaftlichen Untersuchungen bekannt: Das Drüsensekret einer afrikanischen Schleichkatze zeigte eine bemerkenswert starke Lockwirkung auf Aale.

Als Geheimwaffe für den nächsten Ansitz scheidet dieser außergewöhnliche Duft/Lockstoff allerdings schon aus einem ganz praktischen Grund aus:

Er ist extrem teuer.

Der praktische Nutzen handelsüblicher Lockstoffe sollte deshalb realistisch eingeschätzt werden. Sie können einen bereits gut geeigneten Köder etwas interessanter machen, aber sie ersetzen weder einen guten Angelplatz noch eine passende Montage oder die richtige Köderposition.

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Ein Lockstoff kann schließlich nicht dafür sorgen, dass Aale plötzlich an einem vollkommen ungeeigneten Platz auftauchen.

Ich sehe Lockstoffe deshalb eher als möglichen Verstärker ohnehin vorhandener Voraussetzungen. Gerade an unbekannten Gewässern kann ein Versuch sinnvoll sein. Wer anschließend seine Fänge und Bedingungen vollständig dokumentiert, kann mit der Zeit sogar eigene Erfahrungen sammeln.

Y) Zeitpunkt des Anhiebs

Kaum ein Zeitpunkt entscheidet so unmittelbar über Erfolg oder Misserfolg wie der richtige Anhieb beim Aalangeln. Gleichzeitig gibt es wohl kaum einen Bereich, über den unter Aalanglern so unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen existieren.

Aufregung, Ungeduld oder mangelnde Erfahrung führen häufig dazu, dass der Anhieb zu früh oder manchmal auch zu spät erfolgt.

Besonders beim Einsatz größerer Köderfische wird immer wieder diskutiert, ob zunächst ein weiterer Schnurabzug beziehungsweise ein zweiter Run abgewartet werden sollte. Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht.

Entscheidend können unter anderem Ködergröße, Hakenform, Angelmethode, Lichtverhältnisse, Gewässerstruktur und das Verhalten des jeweiligen Aals sein.

Gerade deshalb sollte der richtige Anhieb nicht auf eine einzige starre Faustregel reduziert werden.

Bei einem vorsichtigen ersten Kontakt kann etwas Geduld sinnvoll sein. Ein Aal, der den Köder zunächst aufnimmt, kann anschließend weiterziehen oder eine kurze Pause einlegen. Bei einem eindeutigen Abzug kann die Situation dagegen anders aussehen.

Besonders bei einem Köderfisch ist der Unterschied zwischen erstem Abzug und anschließendem Weiterziehen für viele Aalangler ein wichtiges Beobachtungskriterium. Auch ältere anglerische Fachliteratur beschreibt bei bestimmten Situationen einen ersten schnellen Abzug, eine anschließende Fresspause und einen späteren, langsameren Weiterzug als Orientierung für den Anhieb.

Nach einem Fehlbiss sollte deshalb nicht automatisch beim nächsten Mal exakt gleich reagiert werden. Vielmehr lohnt es sich, die gesamte Situation erneut zu beurteilen: War der Köder zu groß? War das Wasser im Moment noch besonders kalt? Der Aal war vorsichtig oder hatte kürzlich schlechte Erfahrung? War die Montage zu straff? Oder wurde einfach viel zu früh angeschlagen?

Gerade aus Fehlbissen lässt sich oft viel lernen.

Wenn beispielsweise ein Köderfisch auf Grund liegt und nach anfänglichen deutlichen Anzeichen (leichter Fallbiss – stramme Schnur kurz gelockert) plötzlich dann ein schneller Abzug erfolgt, kann es sinnvoll sein, nicht sofort anzuschlagen (Ködergröße beachten), sondern die weitere Entwicklung aufmerksam zu beobachten – ggf. zweiter Run abwarten.

Der richtige Anhieb ist deshalb weniger eine Frage von „nach fünf, zehn oder zwanzig Sekunden“, sondern eine Frage der Erfahrung und der Beobachtung. Manchmal ist es auch sinnvoll 2-3 Minuten länger zu warten.

Z) Einholen ohne unnötigen Drill

Der eigentliche Fang scheint geschafft – und dann geht gerade im letzten Augenblick wieder der Aal verloren.

Kaum ein anderer Fisch nutzt Hindernisse für seine Flucht so geschickt wie der Aal – weil er es kann. Wurzeln, Steine, Äste, Kraut oder andere Strukturen können ihm als Halt dienen. Gelingt es ihm, sich dort festzusetzen oder um ein Hindernis zu wickeln, wird die Situation schnell schwierig.

Genau deshalb sollte nach dem Anhieb möglichst zügig Kontrolle über den Fisch gewonnen werden. Das Ziel ist nicht, einen Aal möglichst lange zu „drillen“, sondern ihn schnellstmöglich aus dem Gefahrenbereich herauszubekommen.

Eine geeignete und robuste Gerätezusammenstellung, eine zum Gewässer passende Schnurstärke und eine zuverlässige Montage schaffen dafür die notwendigen Voraussetzungen. Wer bereits vor dem ersten Auswerfen weiß, wo sich Hindernisse befinden und welche Fluchtrichtung besonders problematisch werden könnte, ist deutlich besser vorbereitet.

Ein unnötiger Drill bringt beim Aal keinen zusätzlichen Vorteil, soweit Gerät und Montage zum Zielfisch passt. Sobald der Fisch schnell aus der unmittelbaren Gefahrenzone gebracht wurde, kann normalerweise kontrolliert und ohne unnötigen Kraftaufwand erfolgen. Auch aktuelle anglerische Praxisempfehlungen betonen, dass der Aal möglichst schnell von Hindernissen weggeführt werden sollte.

Ein Drill sollte deshalb kein persönlicher Wettkampf mit dem Aal sein.

Es geht nicht darum, möglichst lange mit einem kräftigen Aal, erst recht nicht für ein Show- Video, zu kämpfen, sondern darum, ihn sicher zu kontrollieren und möglichst schonend zu landen. Eine auf die tatsächlichen Bedingungen abgestimmte Ausrüstung ist dabei wesentlich fairer als zu leichtes Gerät, mit dem ein Aal unnötig lange kämpfen muss.

Balzer Space Runner BT-i 6000 Freilaufrolle mit intergriertem Bissanzeiger 6600*
  • Bluetooth-Bissanzeiger: integriert, App-gesteuert via Balzer Connect
  • Akku: per USB-C ladbar – keine Batterien nötig
  • Freilaufsystem: sensible Feineinstellung für präzise Bisserkennung
  • Diebstahlschutz: Alarm bei Entfernung über 40 m Reichweite

Und damit schließt sich der Kreis zum gesamten Kapitel Praxis.

Viele der hier genannten Faktoren wirken zunächst unspektakulär: eine funktionierende Batterie, ein scharfer Haken, eine einfache Montage, ein passender Bissanzeiger, der richtige Köder oder ein rechtzeitiger Anhieb.

Keiner dieser Punkte garantiert allein einen Aal.

Zusammengenommen können sie aber deutlich öfter aus einem möglichen Biss einen tatsächlich gelandeten Schleicher machen.

Vielleicht führt der nächste Ansitz deshalb nicht nur zu einem sehenswerten und ethischen Foto vom Fang, sondern auch zu einer Erkenntnis: Welche Entscheidung hat diesmal den Unterschied gemacht?

Denn genau darin liegt der praktische Wert dieses ABC der Erfolge beim Aalangeln. Nicht jeder Erfolg lässt sich wiederholen. Aber aus jedem nachvollziehbaren Erfolg lässt sich etwas lernen – und aus jedem Misserfolg möglicherweise noch mehr.

Fazit

Kein Beitrag der Welt kann garantieren, dass wir als Aalfänger künftig keine Schneidernächte mehr erleben. Und das ist vielleicht sogar gut so. Wäre jeder erfolgreiche Ansitz vorhersehbar und jeder Aal garantiert, würde ein großer Teil der Faszination dieses geheimnisvollen Fisches verloren gehen.

Aalfang Kescher

Die hier vorgestellten Faktoren von A bis Z sollen deshalb weder eine vollständige Checkliste noch eine Garantie für den nächsten Fangerfolg sein. Vielmehr sollen sie dabei helfen, die häufigsten und wichtigsten Einflussfaktoren eines erfolgreichen Aalansitzes besser einzuordnen und beim nächsten Ansitz bewusster zu berücksichtigen. Denn häufig ist es nicht ein einzelner Auslöser, der über den Erfolg entscheidet, sondern das Zusammenspiel mehrerer kleiner Einflüsse, die am Ende darüber entscheiden, ob der Kescher tatsächlich benötigt wird.

Vielleicht stellst du dir nach einem erfolgreichen Ansitz künftig auch einmal die Frage: „Warum konnte ich heute Aale fangen?“ Oder: „Welche Rahmenbedingungen könnten heute zu diesem Erfolg beigetragen haben?“

Solche Fragen werden nach einem gelungenen Aalfang erstaunlich selten gestellt. Ein schnelles „Petri Heil“ – „Petri Dank“, ein Schulterklopfen, vielleicht noch ein Foto – und damit ist der Fang und fast immer auch das Thema abgehakt.

Genau dieser Perspektivwechsel war eines der eigentlichen Ziele dieses Beitrags.

Dabei sollte eines nie vergessen werden: Auch wenn sich viele Einflussfaktoren erkennen, beobachten und teilweise anpassen lassen, bleibt das Aalangeln keine exakte Wissenschaft.

Die Natur hält sich nicht jedes Mal an Tabellen, Statistiken, Regeln oder Erfahrungswerte. Immer wieder gibt es Nächte, in denen scheinbar alles am Ufer für einen Fang spricht – und trotzdem geht kein Aal an den Haken oder ein guter Fisch geht im entscheidenden Moment verloren. Genauso gibt es Nächte mit vermeintlich schlechten Bedingungen, die dennoch mit einem oder sogar mehreren schönen Aalen enden.

Gerade diese Unberechenbarkeit macht einen Teil des besonderen Reizes des Aalangelns aus.

Wer nach einem Erfolg die eigenen Entscheidungen, Bedingungen und Erfahrungen genauer betrachtet, wird mit der Zeit Zusammenhänge erkennen, die in keinem kurzen Fangbericht und in keiner schnellen Antwort in sozialen Netzwerken vollständig erklärt werden können.

Erfahrung entsteht schließlich nicht nur durch gefangene Aale. Sie entsteht ebenso durch die vielen Stunden, in denen man eben keinen Aal gefangen hat – vorausgesetzt, man ist bereit, aus beiden verwandten Beitragen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Deshalb bleibt am Ende vielleicht nur eine Erkenntnis aus dem Anfang dieses Beitrags, die tatsächlich immer gilt:

Der größte Erfolg beim Aalangeln ist nicht der perfekte Köder, die richtige Mondphase oder das vermeintlich ideale Wetter – sondern überhaupt mit Ausrüstung, Wissen und Motivation ans Wasser zu gehen.

Denn eines gilt beim Angeln nach wie vor:

Wer fängt, hat recht.

In diesem Sinne wünsche ich dir viele spannende Stunden am Wasser, interessante Beobachtungen und natürlich auch die eine oder andere unvergessliche Aalnacht.

Und wenn demnächst wieder ein strammer Aal im Kescher liegt, kennst du jetzt vielleicht einige Gründe und Antworten mehr darauf, warum dieser Ansitz erfolgreich war – und kannst daraus möglicherweise Erkenntnisse für die nächste Aalansitze gewinnen.

Vielleicht werden dadurch die Schneidernächte nicht vollständig verschwinden. Aber vielleicht werden/wurden es mit der Zeit – wie bei mir – immer weniger.

Petri Heil!


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