Die 9 Entwicklungsstadien der Aale

Der Lebenszyklus des Europäischen Aals (Anguilla anguilla) gehört zu den ungewöhnlichsten im Tierreich. Vom geheimnisvollen Laichgebiet im Meer bis zum jahrzehntelangen Leben in Flüssen, Seen und Küstengewässern durchläuft der Aal mehrere klar unterscheidbare Entwicklungsstadien. Diese Übersicht dient als Einstieg und Wegweiser zu den einzelnen Phasen – vom ersten Moment des Lebens bis zur Fortpflanzung am Ende einer langen Wanderung.

Rogen + Milch = Laich

Am Beginn des Aal-Lebens steht die Verschmelzung von Rogen und Milch im offenen Meer. Die Befruchtung erfolgt fernab der Küsten in großer Tiefe, vermutlich in der Sargassosee. Besonders ist dabei, dass erwachsene Aale nach der Fortpflanzung höchstwahrscheinlich sterben und ihr gesamtes Leben auf diesen einen Moment ausgerichtet ist. weiterlesen…

Yolk-sac-Stadium (Dottersackstadium)

Nach dem Schlüpfen ernährt sich der Aalnachwuchs zunächst ausschließlich vom eigenen Dottersack. In diesem Stadium ist der winzige Organismus noch kaum beweglich und vollständig vom mitgegebenen Energievorrat abhängig. Ein besonderes Merkmal ist, dass äußere Umwelteinflüsse kaum eine Rolle spielen, da noch keine aktive Nahrungsaufnahme erfolgt. weiterlesen…

Prä-Leptocephalus (wurmartig ohne Flossensaum)

Im Prä-Leptocephalus-Stadium beginnt der Körper sich zu strecken und eine erste Grundform anzunehmen. Die Larve wirkt wurmartig und besitzt noch keinen typischen Flossensaum. Auffällig ist, dass diese frühe Form nur kurz existiert und den Übergang zur späteren, sehr speziellen Larvenform markiert. weiterlesen…

Leptocephalus (durchsichtige „Weidenblatt-Larve“)

Der Leptocephalus ist eines der ungewöhnlichsten Larvenstadien unter Fischen. Sein flacher, durchsichtiger Körper erinnert an ein Weidenblatt und macht ihn im offenen Ozean nahezu unsichtbar. Besonders ist, dass diese Larve aktiv mit Meeresströmungen über Tausende Kilometer Richtung Europa driftet. weiterlesen…

Glasaal (jung, durchsichtig, ungeschlechtlich)

Am Rand der Küsten wandelt sich der Leptocephalus zum Glasaal. Der Körper schrumpft, wird aaltypisch länglich, bleibt aber nahezu vollständig durchsichtig. Ein zentrales Merkmal dieses Stadiums ist, dass Glasaale noch kein festgelegtes Geschlecht besitzen. weiterlesen…

Steigaal / Elver / Civelle (juvenil, pigmentiert)

Mit dem Eindringen in Flussmündungen beginnt die Pigmentierung des Körpers. Der nun als Steigaal, Elver oder Civelle bezeichnete Jungaal ist aktiv wandernd und überwindet Hindernisse, die für andere Fische unpassierbar sind. Besonders auffällig ist sein ausgeprägter Drang, gegen die Strömung ins Landesinnere vorzudringen. weiterlesen…

Gelbaal (auch Blau-, Grau- oder Grünaal)

Der Gelbaal stellt die längste Lebensphase des Aals dar. Je nach Lebensraum variiert seine Färbung von gelblich über grünlich bis dunkelgrau. Charakteristisch ist, dass der Aal in diesem Stadium wächst, frisst und Energiereserven für viele Jahre aufbaut. weiterlesen…

Blankaal (silbrig, laichreif)

Der Übergang zum Blankaal markiert die Vorbereitung auf die Laichwanderung. Die Flanken werden silbrig, die Augen vergrößern sich und der Verdauungstrakt bildet sich zurück. Besonders ist, dass der Aal nun die Nahrungsaufnahme einstellt und ausschließlich von seinen Fettreserven lebt. weiterlesen…

Fortpflanzung der Aale

Am Ende steht die Rückkehr in das Laichgebiet im offenen Atlantik. Dort geben die Aale Rogen und Milch ab und schließen damit ihren Lebenszyklus. Das Besondere an diesem Stadium ist, dass es bis heute nicht direkt beobachtet wurde und viele Details noch immer im Dunkeln liegen. weiterlesen…

Jedes Entwicklungsstadium des Aals erzählt ein eigenes Kapitel einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Vom nahezu unsichtbaren Larvenstadium bis zum wandernden Blankaal zeigt sich, wie perfekt dieser Fisch an wechselnde Lebensräume angepasst ist. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in den einzelnen Stadien faszinierende Details, offene Fragen und überraschende Zusammenhänge, die das Verständnis für den Aal nachhaltig erweitern.

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